Poetry Slam: Mit Kuckuck und Lyrik zum Thüringen-Meister

Die Preise des Abends warten auf ihre Vergabe.
Die Preise des Abends warten auf ihre Vergabe.
Foto: Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt

Am Sonntag kämpften vor einer vollen Weimarhalle die besten Poetry Slammer um den Titel des Thüringen-Meisters. Im Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sich schließlich ein Newcomer durch.

Jeder gute Poetry Slam startet mit Verspätung, so auch dieser. Die Thüringer Landesmeisterschaften im Poetry Slam sind gut besucht, mehr als 700 Menschen sind gekommen. Damit ist es der größte Thüringer Poetry Slam, den es jemals gab.

Beliebte Kunstform auch in Deutschland

Kein Wunder, denn Poetry Slam wird immer beliebter. Bei dieser Kunstform performen Poeten einen Text auf der Bühne, ohne Hilfsmittel und mit Zeitbegrenzung. Egal, ob Lyrik oder Prosa, traurig oder witzig, nur selbstgeschrieben muss der Text sein. Das Publikum entscheidet dann, wer gewinnt. In Weimar werden dazu Wertungskarten von eins bis zehn im Publikum verteilt, später werden der niedrigste und der höchste Wert gestrichen.

Die Crème de la Crème der Thüringer Slammer

Neun Slammerinnen und Slammer gehen in Weimar an den Start, alle ausgewählt in mehreren Vorrunden. „Die Crème de la Crème de la Crème de la Crème des Poetry Slam in Thüringen“, wie Organisator Andreas in der Au (Aida) sagt. In drei Runden müssen die Künstler nun gegeneinander antreten. Moderator Aida wird dabei von Ko Bylanzki, Poetry Slam-Pionier aus München, unterstützt.

Bildergalerie: Das waren die Landesmeisterschaften

Auf die richtige Einstimmung kommt es an

Der amtierende Thüringenmeister, Friedrich Herrmann, ist schon in der Vorrunde ausgeschieden. Am Finalabend tritt er dennoch an – als Opferlamm. So wird der erste Text genannt, der außerhalb der Wertung steht und Neulingen einen ersten Eindruck von Slam-Texten geben soll. Auch an diesem Abend ist die Hälfte des Publikums noch nie vorher bei einem Poetry Slam gewesen, nichts Ungewöhnliches bei einem Slam. Zuvor hatte der Weimarer Rapper Doppel-U das Publikum bereits mit wortgewaltigem Sprechgesang in Stimmung gebracht.

Von Alltag bis Gesellschaftskritik alles dabei

Die Slammer treten an diesem Abend mit sehr unterschiedlichen Texten an. Manche tragen frei vor, viele lesen ab. Die meisten haben Prosa mitgebracht, einige Lyrik, andere eine Mischung. In den Inhalten aber gibt es ein Thema, das fast alle zu bewegen scheint: der gesellschaftliche Umgang mit Geflüchteten, der Kampf gegen Fremdenhass und Stammtischparolen. Auch hier reicht das Spektrum allerdings von ironischem Lustigmachen bis hin zum tiefernsten Sinnieren. Erstaunlich selten werden Texte über private Themen und Gefühlswelten performt.

Hochklassige Unterhaltung

Der Abend hält, was er verspricht: Zu hören sind hochklassige Texte mit Format und Vielfalt. Auch das Publikum könnte besser nicht sein. Der allgemeine Trend, dass lustige Texte bevorzugt werden, ist hier nicht zu sehen, auch die schweren Texte werden begeistert aufgenommen. Die Moderation macht dabei einen Superjob und schafft es, das Publikum immer wieder ordentlich anzuheizen. Über fehlenden Stimmung und Begeisterung kann sich an diesem Abend niemand beschweren.

Auch im Finale bleibt es spannend

Im endgültigen Finale stehen sich schließlich Elli Linn aus Jena, Arndt Ulrichsen ebenfalls aus Jena und Skog Ogvann aus Sömmerda gegenüber. Elli performt einen ernsten Text über den entscheidenden Einfluss von Eltern auf ihre Kinder, während Arndt wieder auf ein tiefironisches Gedicht über den Sinn und Unsinn von Kunst zurückgreift. Skog trägt erneut eine lyrische, etwas skurrile Erzählung mit dem Titel „Potpourri“ vor.

Die Wertungen liegen eng bei einander, es hagelt schließlich Zehnen. Mit 48 von 50 möglichen Punkten und damit nur zwei Punkte vor dem Zweitplatzierten Arndt gewinnt schließlich Skog Ogvann. Skog wird Thüringen dann Anfang November bei den deutschsprachigen Meisterschaften in Stuttgart vertreten.