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Gleichstellungsbeauftragte: Frauenmund-Urinale sind sexistisch!

Urinal Atrium Weimar - Frauenmund
Foto: Thomas Gräser

In der Diskussion um das Frauenmund-Pissoir im Weimarer Atrium meldet sich nun auch die Gleichstellungsbeauftragte zu Wort. Sie sieht in dem Design-Pinkelbecken ein klares Beispiel für alltäglichen Sexismus.

Bereits vor einem Jahr habe es eine Beschwerde wegen des Pissoirs geben, die Recherchen dazu seien aber im Sande verlaufen. Schließlich kann eine Frau nicht einfach in das Männerklo spazieren und sich das Urinal ansehen, auch nicht Weimars Gleichstellungsbeauftragte Andrea Wagner. „Ich finde diese Toilettenbecken vollkommen daneben“, so Wagner. „Selbst, dass die Designerin eine Frau ist, ist doch keine Ausrede, so etwas als Angebot für Kunden aufzuhängen.“

„Wieso sollte man in Münder pinkeln?“

Oft tauchte in der Diskussion auch das Argument auf, dass die geschlechtliche Zuordnung des Mundes nicht klar sei. Centermanager Blattner bestätigte Thüringen24 allerdings, dass es sich um einen Frauenmund im Weimarer Atrium handelt. „Und selbst wenn nicht: Wieso sollte man in Münder pinkeln, egal welchen Geschlechts?“, fragt Wagner. Auch kleine Jungs könnten beispielsweise die öffentlich zugängliche Toilette benutzen, gibt Wagner zu bedenken.

Manifestation von alltäglichem Sexismus

Wagner sieht in dem Urinal vor allem ein Beispiel für den alltäglichen Sexismus, der Frauen tagtäglich entgegenschlägt. Sie ist sich sicher, dass es mehr Beschwerden gegeben hätte, wenn auch Frauen die Urinale sehen könnten. Am liebsten würde die Gleichstellungsbeauftragte die Pissoirs für eine Performance vor Ort nutzen, um auf eben jenen Sexismus aufmerksam zu machen. „Man könnte das dann mit einer Kundenbefragung verknüpfen: Finden Sie das lustig? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass Frauen das vielleicht nicht lustig finden?“ Das Atrium solle sich schließlich gut überlegen, welchen Eindruck es seinen Gästen liefern will, so Wagner weiter.