Filmmusik im Kopf – Lumat setzt auf die wilde Mischung

Lumat gibt noch mindestens zwei Konzerte in diesem Jahr.
Lumat gibt noch mindestens zwei Konzerte in diesem Jahr.
Foto: Ronald Weise
  • Lumat aus Weimar im Bandportrait
  • Progressive Musik zwischen Noise, Indie, Jazz, Krautrock und Punk

Erst bauen sie musikalische Erwartungen auf, nur um sie dann wieder zu brechen. So ist die Musik von Lumat. Sie ist progressiv und lässt sich schlecht einordnen. „Musik muss eine Wirkung haben“, sagt Bandmitglied Marcel Siegel. Dabei sind die „Brüche“ nicht gegen die Zuhörerschaft gerichtet. Es geht ums Überraschen. Gefällig sein soll die Musik definitiv nicht, auch nicht des Erfolges wegen. Stattdessen steht die Liebe zum Experiment und die künstlerische Freiheit an erster Stelle. Und so verbindet die Band Elemente aus Noise, Indie, Jazz, Krautrock und Punk miteinander.

„Filmmusik“, die keiner Leinwand bedarf

Das Trio besteht aus Markus Rom an der Gitarre, Marcel Siegel am Kontrabass und Hans Otto an den Drums. Die Musiker haben sich während ihres Studiums in Weimar kennengelernt und wissen: Ohne Weimar gäbe es auch Lumat nicht. Geprägt durch verschiedenste musikalische Einflüsse komponieren sie ihre ganz eigene „Filmmusik“, die keiner Leinwand bedarf. Die Musik spielt sich im Kopf ab, schafft Bilder, reißt an und taucht wieder ab – verwobene Klangcollagen und Freiraum für Improvisation gehören zur Grundausstattung.

Lumat – Casi, Pero No
Lumat

Es kommt auf den Kontext an

„Je nachdem, wo wir spielen, gibt es unterschiedliche Assoziationen“, erzählt Marcel Siegel. „Ob in einem Jazz-Club oder auf einem Progressive-Art-Rock-Festival – erstaunlich ist, wie sich die Musik von Lumat in verschiedene musikalische Kontexte ansiedeln lässt und welch unterschiedlichste Assoziationen von Krautrock bis Jazz beim Publikum aufkommen.“

Dennoch halten die Musiker von Lumat die Bedeutungsmacht „Jazz“ nicht für unbedenklich und verwenden den Begriff lieber mit Vorsicht. „Da kann auch viel reininterpretiert werden, mit dem wir uns nicht unbedingt identifizieren möchten, nervtötender Freejazz zum Beispiel oder allzu fröhlicher Swing“, meint Schlagzeuger Hans Otto.

Tonstudio versus Experimentierraum für Klang

Anfang des Jahres haben Lumat ihre erste CD auf „Lakeland Records“ veröffentlicht. Statt sich klassisch in einem Tonstudio einzumieten, haben die Lumaten ihr Studio und den angestrebten Sound einfach selbst „gebaut“. In einen holzgetäfelten Saal mit Parkett-Fußboden – eine Probebühne für Schauspiel in Leipzig – schleppten sie Trennwände und Technik, um damit zu experimentieren. Der Raum schwingt mit, das war allen klar. „Wir wollten den roughen Sound einfangen, nichts von dem ,Dreck‘ verlieren, wie es vielleicht in einem normalen Tonstudio der Fall gewesen wäre“, meint Markus Rom. „Da legst du später gegebenenfalls wieder künstliche Effekte drüber“, das macht für ihn nur wenig Sinn.

„Wir entziehen uns dem Marktzwang“

„Man muss heute nicht mehr so viel Geld auf den Tisch legen, um einen Standard zu haben, der früher unerreichbar schien. Das ermöglicht uns, alles selbst zu produzieren – bis hin zum Label ist alles hauseigen.“ Die Frage, ob sie von ihrer Musik auch leben können, haben alle drei Musiker bejaht. Wie das funktioniert? Man braucht ein funktionierendes Netzwerk und die Gabe, die eigene Kunst auf mehrere Beine zu stellen. Alle drei spielen noch in anderen Formationen. Drummer Hans Otto beispielsweise bei „Welcome inside the Brain“, aber auch als Gast-Musiker nimmt er Aufträge an und trommelt aktuell auch ein paar Gigs mit einer Ska-Band. Nebenbei gibt er Musikunterricht.

Kontrabassist Marcel Siegel spielt mit Sängerin Annika Bosch in der Weimarer Formation „Cayoux“, Markus Rom ist außerdem Gitarrist bei „Elephants on Tape“. Auch bei Rom greifen verschiedene Jobs ineinander, die mit Musik zu tun haben, Sounddesign beispielsweise, Kompositionen oder Musikunterricht. „Woran ich nicht sterbe, davon kann ich leben“, zitiert Markus einen Musiker-Kollegen. Es sieht aber bei allen Bandmitgliedern eher nach einem vielfältigen, abwechslungsreichen Musikeralltag aus. Die drei wirken dabei angenehm entspannt.

Das Album

Am 2. Juni ist das Debütalbum der Band erschienen. Gerade haben sie ihre Release-Tournee beendet, aber es gibt noch mindestens zwei Konzerte in diesem Jahr.

Die nächsten Konzerttermine:

  • 26. Juli: Kohi, Karlsruhe
  • 6. November: Objekt 5, Halle

Lumat im Netz:

Wir stellen in unregelmäßigen Abständen vielversprechende Bands aus Thüringen vor. Alle Teile unserer Serie findet ihr unter dem Hashtag #onstage.