Timur und sein Trupp: "No Future war nie unser Ding"

Künstler der Woche: Timur und sein Trupp
Künstler der Woche: Timur und sein Trupp
Foto: Christoph Riefenstahl
  • Die legendären Timur und sein Trupp spielen seit über 30 Jahren zusammen.
  • Nächster Auftritt beim Kunstfest Weimar
  • "Wir sind der entfesselte Durchschnitt"

In entspannter Wohnzimmer Atmosphäre erzählen Timur und sein Trupp von der Weimarer Punk - und Schlagerbewegung, von ihrem Comeback im Sommer 2011 und blicken auf mehr als 30 Jahre Bandgeschichte zurück.

Musikrichtung und Werdegang

Die aktuelle Besetzung bei Timur und sein Trupp, 1986 in Weimar gegründet, besteht aus: Holm Kirsten (voc), Wolfgang Hempel (voc), Maik Plewnia (dr), Robert Boddin (git), Andreas Kurdinat (git) und Burkhard Blum (bas). „Burki, war von Anbeginn ein wichtiger Mann für uns“, erklärt Gründungsmitglied Holm Kirsten. Sein kreatives, aber vor allem sein technisches Verständnis ermöglichte der Band schon zu DDR Zeiten mit allerlei selbst gebauten Equipment zu arbeiten, das es sonst nicht gegeben hätte. Aus Fahrradteilen und alten West- Kassettenrekordern hat er Mikrophone gebaut, seine selbstgebastelten Effektgeräte „Tretminen“ gaben ihnen ein spezielles Soundprofil - was es nicht gab, wurde einfach selbst gemacht. „Burki konnte aus einem Hamsterkäfig ein 8 Kanal Mischpult bauen wenn er wollte“, scherzt Holm.

Was hat die Band damals in den 80er Jahren angetrieben?

„Wir wollten nicht sein wie die - in suizidal geprägter Grundstimmung musizierenden „Artpunker“ - damals in Weimar. „Wir wollten Spaß haben, die soziale Interaktion war uns wichtig“, erzählt Holm Kirsten. Bierernst und theatralisch auf der Bühne stehen - „No Future“ - war nicht ihr Ding. „Wir haben die eher 'artifiziellen' Bands aber selbst gerne gehört und waren eine Zeit lang intensiv auf den Konzerten unterwegs“, stellt Maik Plewnia klar.

Wir haben den Trupp im Dorf gelassen

In über 30 Jahren Bandgeschichte konnten Timur und sein Trupp größtenteils erfolgreich vermeiden das Einzugsgebiet von Weimar zu verlassen. Sie spielten sich rauf und runter von Oberweimar bis Niedergrunstedt und erreichten dabei Durchschnittswerte von sechs Konzerten im Jahr. „Einmal haben wir glaub' ich irgendwo hinter Blankenhain gespielt", erzählt Burki. „Wir sind dann aber auch für einen Gig bis nach Markkleeberg gefahren und einmal sogar bis Berlin“. Zwölf Jahre lagen zwischen der Auflösung der Band 1999 und ihrer Re-Union. Anlass dazu war ein runder Geburtstag von Sänger Wolfgang Hempel der schon seit 1989 zum Trupp gehört und sich für sein Fest ein gemeinsames Konzert wünschte. „Wenn nach Jahren ein Timur den Wunsch äußert nochmal zu spielen, dann machen wir das eben: Einmal Timur- immer Timur!“, freut sich Burki Blum. Es blieb nicht bei dem einen Konzert. Seit 2011 stehen Timur und sein Trupp wieder regelmäßig auf der Bühne.

Wer hat bei Timur und sein Trupp im Laufe der Jahre mit gemischt?

Silke Gonska war 1987 die erste Schlagzeugerin der Band und löste damals den Drum Computer ab. Sie ging aber 1988 schon wieder eigene Wege. In diesem Jahr stieg Maik Plewnia ein, der bis heute am Schlagzeug sitzt. Zu den Gründungsmitgliedern zählten damals auch Jens Ferber (git) und Jörn Luther (voc) – Helfried Menchén spielte von 1987 bis 1989 Gitarre. Conne Hoffmann (git), der seit 1988 dabei war, verließ den Trupp Ende 2016.

Jüngste Bandmitglieder sind die beiden Gitarristen Andreas Kurdinat und Robert Boddin die 2015/16 dazu kamen. „Es harmonierte von Anfang an und bringt uns neue Impulse“, freut sich der Trupp über die Neuzugänge. Timur und sein Trupp schreiben etwa 30 Prozent ihrer Lieder selber, arbeiten aber genauso gerne an Cover-Versionen. „Am Anfang eines Timur Songs aber, steht das Wort“, beschreibt es Sänger Holm Kirsten.

"Wir wollten nie eine systemkritische Band mit hochpolitischen Texten sein"

„Das war nicht nötig, die Band an sich und die Bewegung, die dadurch entstand war von zentraler Bedeutung. Wir waren auf Partys unterwegs, lernten Leute kennen, machten gemeinsame Aktionen - wir waren dort wo es passierte und wollten uns nicht noch zusätzlich auf der Bühne mit provokanten Texten in Szene setzen. Bemerkenswert ist auch, dass die Band bis heute nicht einen Song selbstgetextet hat. „Es gibt ein so reichhaltiges Arsenal an Lyrics, das uns zur Verfügung steht, warum sollten wir uns die Mühe machen, selbst etwas zu überlegen, was dann besonders witzig sein soll oder Anflüge von Weltschmerz wiedergibt.“, sagt Holm. Von Christian Morgenstern bis Boris Vian bedienen sie sich also schamlos der Weltliteratur, aber auch der sozialkritische Schlager oder russisches Liedgut dienen ihnen als Vorlage und sie basteln sich daraus ihre Lyrics. Der Spaßfaktor steht nach wie vor an erster Stelle. Als Gruppierung ernsthaft professioneller Musiker hat man sich nie begriffen. Mit Ausnahme von Conne, der in vielen Formationen gespielt hat, heute unter anderem bei „Die Art“ und seinem eigenen Projekt „Beringsee“.

Video: Timur und sein Trupp live

Timur und sein Trupp - DVD

Veröffentlichungen

Den ersten Tonträger haben sie im Jahr 1989 veröffentlicht, in Form einer Kassette mit einer Auflage von 50 Stück. „Das sind wir“ wurde im Keller eines Handwerkbetriebs in Weimar aufgenommen und wenig später remastered auf CD gepresst. Nach dem Revival erschien im Jahr 2017 „Willst du mit mir geh`n“. Ganze 1,5 Tage haben sie gebraucht als sie die CD eingespielt haben, aber Burki hat dann noch ein Jahr am Master gearbeitet. Am Ende ist es eben doch wichtig Qualität abzuliefern.

Erwähnenswert ist auch der Sampler: „Wir sind der entfesselte Durchschnitt“, der die vielfältige Musikszene abseits des staatlichen Kulturbetriebs in Weimar zwischen 1979 und 1990 porträtiert. Holm Kirsten und Burkhard Blum haben den Sampler zusammengestellt und so ein Stück Musikgeschichte dokumentiert. Zum diesjährigen Kunstfest in Weimar stehen Timur und sein Trupp mit einigen anderen Bands, die auf der Compilation veröffentlicht wurden, wieder auf de Bühne. Unter dem gleichnamigen Motto, “Wir sind der entfesselte Durchschnitt“, treten sie am 31.August live im Schlachthof auf.

Timur und sein Trupp im Internet

Die nächsten Konzerttermine:

  • 31.August 2017 Schlachthof Weimar
  • 9.September 2017 Kasseturm Weimar –Konzert für Lewin

Wir stellen in unregelmäßigen Abständen vielversprechende Bands aus Thüringen vor. Alle Teile unserer Serie findet ihr unter dem Hashtag #onstage.