DNT-Leiter Weber: "Die Gesellschaft lässt viel zu wenig Extremität zu"

Diskutierten auf dem Podium in Weimar: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), Managerin und Aktivistin Lanna Idriss und DNT-Generalintendant Hasko Weber.
Diskutierten auf dem Podium in Weimar: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), Managerin und Aktivistin Lanna Idriss und DNT-Generalintendant Hasko Weber.
Foto: Jan-Henrik Wiebe
  • Diskussion in Weimar über offene Gesellschaft
  • Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und DNT-Generalintendant Hasko Weber streiten über Extremismus

"Was tun?!" war der Name der Veranstaltung am Samstag im Deutschen Nationaltheater in Weimar und gleichzeitig die zentrale Frage zur Debatte über die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

Während die erste Diskussionsrunde mit der Schauspielerin Katja Riemann, dem Filmemacher Jakob Preuss sowie Armin Petras, dem Theaterregisseur und Intendanten vom Schauspielhaus Stuttgart, noch wenig Konfliktstoff bot, wurde um so heftiger in der zweiten Runde diskutiert.

Weber: Respekt verloren gegangen

Mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und DNT-Generalintendant hatten sich offenbar zwei gefunden und stritten über den richtigen Umgang mit den extremen Rändern der Gesellschaft. "Die Gesellschaft lässt viel zu wenig Extremität zu", sagt Theatermann Weber provokant.

Fotos von der Diskussion im Weimarer DNT über die offene Gesellschaft

Gemeint hat er damit beide politischen Lager. Nach der Veranstaltung konkretisierte der DNT-Leiter seine Aussage gegenüber Thüringen24 und plädierte dafür, dass auch den Extremen zugehört werden müsse. "Die Bereitschaft zuzuhören und der Respekt vor der Meinung von Anderen ist in letzter Zeit stark zurückgegangen", bilanziert Weber.

Gabriel: "Es gibt bei uns keine absolute Meinungsfreiheit."

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) widerspricht dieser Meinung und verweist auf das Internet, wo in den Kommentarspalten teilweise der blanke Hass herrsche. Zu Weber sagt Gabriel: "Es gibt bei uns keine absolute Meinungsfreiheit." Der Sozialdemokrat plädiert auf der Bühne in Weimar dafür, dass die Gesellschaft eine "doppelte Integrationsaufgabe" habe. Einerseits müssten die Flüchtlinge in die Gesellschaft integriert werden und andererseits diejenigen, die hier leben, so Gabriel bei der Veranstaltung der Organisation "Die offene Gesellschaft!" im Rahmen des Weimarer Kunstfestes.

"Ich glaube, die Ränder unserer Gesellschaft sind ganz wichtig", meint Weber hingegen. Angst vor der Bundestagswahl? Nein, die habe er nicht, sagt der DNT-Leiter zu Thüringen24. Vom TV-Duell am Sonntag zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) erwartet er keine harte politische Auseinandersetzung. Zu ähnlich seien die Positionen.

"Die Kunst kann gar nichts retten"

Kann die Kunst vielleicht die politische Debatte, ja sogar die offene Gesellschaft retten? "Die Kunst kann gar nichts retten", sagt Weber. Sie könne lediglich sensibilisieren. Aktuell sorgt das Stück "Malalai - die afghanische Jungfrau von Orléans" in Weimar und der Kulturwelt für Diskussionen.

Beim Streit zwischen Weber und Gabriel gingen die Beiträge zur Diskussion von Katarzyna Wielga-Skolimowska (Bundeszentrale für politische Bildung), die vieles zur aufgeheizten Debatte im Nachbarland Polen zu berichten wusste, sowie der Managerin und Aktivistin Lanna Idriss leider ein wenig unter. Dabei hätte gerade Wielga-Skolimowska viel dazu beitragen können, wie konkret die offene Gesellschaft in unserem Nachbarland bedroht ist und was die polnische Zivilgesellschaft gegen die Regierung unternimmt, die eine kritische Stimme nach der anderen ausschaltet. Eine davon war die in Weimar anwesende Polin, die zuvor Leiterin des Polnischen Institutes in Berlin war.