Thüringer Stromautobahn sorgt für Millioneneinsparungen

Die fertiggestellte Thüringer Strombrücke ist die zweite Höchstspannungsverbindung nach Bayern, in das Gebiet des dortigen Betreibers Tennet. Sie beginnt in Bad Lauchstädt bei Halle und endet im oberfränkischen Redwitz. Teilweise stehen die Strommasten entlang der neuen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt. (Symbolfoto)
Die fertiggestellte Thüringer Strombrücke ist die zweite Höchstspannungsverbindung nach Bayern, in das Gebiet des dortigen Betreibers Tennet. Sie beginnt in Bad Lauchstädt bei Halle und endet im oberfränkischen Redwitz. Teilweise stehen die Strommasten entlang der neuen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt. (Symbolfoto)
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Atomkraftwerk aus, Windrad an: Das ist ein Schritt zur Energiewende. Wind aber gibt es vor allem im Norden, den meisten Strom braucht der Süden. Nun sind beide Landesteile besser verbunden.

Nach mehr als zehn Jahren Planung und Bau geht die Höchstspannungsleitung von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern in Betrieb. Die sogenannte Thüringer Strombrücke soll Strom von Norddeutschland in den Süden bringen. So wird vor allem der Windstrom aus dem Nordosten besser angebunden. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Thüringens Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) nehmen die Leitung beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz in Berlin offiziell in Betrieb.

"Meilenstein im Ausbau des deutschen Stromnetzes"

Die Fachleute sprechen von der „Südwest-Kuppelleitung“. Der Betreiber hofft, dass sie das Netz entlastet und so die Kosten senkt, die entstehen, wenn Engpässe beim Stromtransport überwunden werden müssen - wovon letztlich auch die Strompreise für die Kunden profitieren könnten. 50Hertz sieht die 380-Kilovolt-Leitung als „Meilenstein im Ausbau des deutschen Stromnetzes“.

Millioneneinsparungen durch Stromautobahn

Im vergangenen Jahr gab der ostdeutsche Netzbetreiber rund 174 Millionen Euro weniger als im Geschäftsjahr 2015 aus, um Strommengen zu steuern - etwa wenn bei Flaute weniger Windstrom ins Netz gespeist wird und dafür konventionelle Kraftwerke heraufgefahren werden. Die Einsparung entspricht in etwa einer Halbierung der sogannten Redispatch-Kosten des Vorjahres, die sich auf etwa 354 Millionen Euro beliefen. "Dass ein Teil der Südwest-Kuppelleitung im Jahre 2016 Strom Richtung Süden transportieren konnte, hat wesentlich zu der Kostenreduzierung" beigetragen, heißt es im Geschäftsbericht 2016 von 50 Hertz.

Viertel der Stromkosten entfallen auf Transport

Auf der Rechnung der Stromkunden schlägt die Energie selbst nur mit etwa einem Viertel zu Buche. Etwa die Hälfte sind Umlagen, Steuern und Abgaben, darunter die Ökostrom-Umlage. Das übrige Viertel entfällt auf den Transport.

Trasse läuft entlang der neuen ICE-Trasse

Die Thüringer Strombrücke ist die zweite Höchstspannungsverbindung nach Bayern, in das Gebiet des dortigen Betreibers Tennet. Sie wurde in drei Abschnitten gebaut, beginnt in Bad Lauchstädt bei Halle und endet im oberfränkischen Redwitz. Teilweise stehen die Strommasten entlang der neuen ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt.

Proteste verzögerten Fertigstellung

Eigentlich sollte die „Thüringer Strombrücke“ schon viel früher stehen. Zuletzt sollte sie fertig sein, bevor das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern vom Netz geht - das war 2015. Gegen die insgesamt rund 190 Kilometer lange Hochspannungsleitung von Sachsen-Anhalt zur Landesgrenze von Bayern hatten sich aber immer wieder Bürgerinitiativen, Kommunalpolitiker und Umeltschützer stark gemacht.