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„Klettern bis zur Sturzgrenze“ – Weimarer Kletter-Wettkampf lädt auch Nicht-Profis

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Foto: Roswitha Putz

Am Wochenende findet in Weimar der 18. Kletterwettkampf statt, bei dem sich Alt und Jung an den zwölf Meter hohen Wänden messen. Der Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins in Weimar erzählt, warum bei diesem Wettbewerb auch Laien-Kletterer auf ihre Kosten kommen.

Wenn Frank Schwuntek die Weimarer Kletterhalle betritt, gibt es vieles, das er erst einmal tun muss. Die Schrauber begrüßen, die gerade die letzten Vorbereitungen für den Wettkampf treffen. Den neuen Gästen zeigen, wo die Klingel ist. Und natürlich hier und da nach dem Rechten sehen. Schwuntek ist schließlich der Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins (DAV) in der Sektion Weimar, war maßgeblich am Bau der Weimarer Kletterhalle „Energiewände“ beteiligt und organisiert auch die Kletterwettkämpfe mit.

Einhundert Kletterer zum Wettkampf in Weimar erwarte

Schwuntek hat Vieles im Kopf, das es noch zu erledigen gilt, denn vor einem großen Wettbewerb wie diesem ist besonders viel zu tun. Am Wochenende lädt der DAV zur 18. Auflage des Weimarer Kletterwettkampfes, um die 100 Kletterer aus allen Altersklassen werden erwartet. „Wir haben für den Wettkampf eher einen unüblichen Modus gewählt, der es aber mehr Leuten ermöglicht teilzunehmen“, so Schwuntek.

Fotos: Blick in die neue Kletterhalle in Weimar

„Routen sammeln“ für das Finale

Das Besondere am Wettbewerb: Am Samstag qualifiziert man sich für das Finale, indem man nach eigener Auswahl „Routen sammelt“, statt einige wenige vorgegebene Routen meistern zu müssen. 15 Strecken stehen zur Auswahl, die sechs persönlichen Bestleistungen werden dann eingereicht. Dafür wird vermerkt, ob man die Route im Vorstieg oder im Toprope geklettert ist, wie weit man es geschafft hat und wie viele Versuche man gebraucht hat.

Vor dem Finale in die Isolationskammer

Auf diese Weise könnten auch Breitensportler mitmachen, und die Wettkämpfer hätten mehr Spaß beim Klettern, so Schwuntek. Bei den Jugendwettkämpfen am Sonntag läuft die Qualifikation jedoch klassisch über zwei spezielle Routen. Die Finalrunden, für die sich je sechs Frauen und Männer sowie sechs Kinder pro Altersgruppe qualifizieren können, werden dann im sogenannten „on-sight“-Verfahren bestritten, in dem die Finalisten die Strecke nur isoliert zu sehen bekommen, damit sie sich keine Techniken oder Lösungen bei anderen Kletterern abschauen können.

Einmal alles aus sich herausholen

Schwuntek ermuntert auch Nicht-Profis dazu, einmal bei einem Wettkampf mitzuklettern. Das Routen-Sammeln ermögliche es nicht nur jedem Einzelnen, seine individuelle Leistung zu verbessern. Ein Wettbewerb sporne auch dazu an, noch mehr aus sich herauszuholen. „Da sollte man ruhig mal klettern bis zur Sturzgrenze“, so Schwuntek.

Viele Hunderte Kletterbegeisterte in Weimar

Auch wenn zum Wettbewerb Kletterbegeisterte aus ganz Mitteldeutschland anreisen, werden wohl auch viele Weimarer dabei sein. Denn die DAV-Sektion Weimar kann stolze 1250 Mitglieder aufweisen. In Erfurt und Jena gibt es zwar jeweils insgesamt mehr. Gemessen an der Zahl der Einwohner hat Weimar aber die Nase vorn.

Klettertraining für Kinder bringt neue Mitglieder

Angefangen habe der Mitgliederzuwachs vor allem, als der Verein ein richtiges Klettertraining für Kinder angeboten habe, erzählt Schwuntek. Natürlich merke der Verein auch, dass Klettern und Bouldern immer mehr zu Trendsportarten werden. Zum Vergleich: 2008 hatte die Sektion noch rund 350 Mitglieder.

Weimarer Kletterin will zu Olympia

Ob Alma Bestvater am Wochenende auch dabei sein wird, ist noch ungewiss. Die Weimarerin zählt zu den besten Kletterinnen Deutschlands und trainiert unter anderem in den „Energiewänden“, die sich auch als Leistungszentrum sehen. Da der Klettersport ab sofort auch olympisch ist, sollen an der Halle noch Erweiterungen vorgenommen werden. Denn eine Disziplin, das Speedklettern, könne man in Thüringen bisher noch nirgendwo trainieren, so Schwuntek. Damit Bestvater aber auch diese Disziplin meistern kann, soll an der Außenfassade noch eine geeignete Speed-Climbing-Wand installiert werden, die dann 15 Meter hoch sein wird.

Spaß am Klettern nicht vergessen

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Halle zieht Schwuntek auch eine erste Bilanz. „Die Halle wird gut angenommen, aber es geht immer noch besser“, so der Vorsitzende. Die Thüringer Klettergemeinde müsse eben auch noch weiter aufgebaut werden, aber in Erfurt, Weimar und Jena sei man mit mehreren Hallen jetzt schon ganz gut versorgt. In Weimar bildet der DAV zahlreiche Klettertrainer aus, auch Kindertraining gehört hier fest zum Programm und ist stets ausgebucht. Für Erwachsene gibt es ebenfalls Kurse. Doch trotz der vielen Wettbewerbe und so manchem verbissenen Kletterehrgeiz ist Schwuntek eines besonders wichtig: „Klettern muss immer noch Spaß machen!“

Am Samstag startet der Wettkampf ab 12 Uhr zunächst für Erwachsene, am Sonntag können auch Kinder teilnehmen. Die Anmeldefrist ist bereits abgelaufen, gegen Aufpreis kann man sich jedoch vor Ort noch nachmelden. Weitere Infos gibt es hier.