Kaum Frauen dabei: Was Weimar gegen zu viele männliche Straßennamen tun will

Nicht nur in Weimar sind viele Straßen nach Männern benannt. Weibliche Straßennamen sieht man im Stadtbild selten. (Symbolbild)
Nicht nur in Weimar sind viele Straßen nach Männern benannt. Weibliche Straßennamen sieht man im Stadtbild selten. (Symbolbild)
Foto: dpa

Nicht nur in Weimar sind auffällig viele Straßen nach Männern benannt, weibliche Namen sieht man auf Straßenschildern eher selten. In der Politik der Klassikerstadt gibt es Bestrebungen, das zu ändern.

"Das sind ja wieder nur Männer" - mit diesen Worten kommentierte eine Leserin von Thüringen24 die Meldung über die aktuellen Straßenbenennungen rund um das neue Weimarer Bauhausmuseum. Und tatsächlich - Namenspatronen für die vier neubenannten Straßen waren alle samt Männer - keine Seltenheit in Weimar, wie auch in vielen anderen Städten.

Nicht mal zwei Dutzend Frauennamen auf Straßenschildern

Ein Blick ins Straßenverzeichnis Weimars zeigt, dass von den insgesamt mehr als 600 Straßen und Plätzen knapp über 200 nach bekannten Persönlichkeiten benannt sind. Frauen machen darunter jedoch nur unter 10 Prozent aus: Gerade mal 18 Straßen oder Plätze tragen Namen von Frauen, dem stehen rund 190 nach Männern getaufte Straßen gegenüber.

Gleichstellungsbeauftrage: Weibliche Leistungen sichtbar machen

Ginge es nach der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, wäre das anders. Für sie ist wichtig, dass in Zukunft mehr Straßen nach weiblichen Persönlichkeiten benannt werden. "Frauen machen etwa die Hälfte der Bevölkerung aus und leisten ebenfalls ihren Beitrag zum Gelingen der Gesellschaft", so Andrea Wagner gegenüber Thüringen24. "Wenn Frauen im öffentlichen Raum nicht benannt werden, bleiben sie und ihre Leistungen unsichtbar." Ohne Vorbilder gäbe es auch keine Änderung von Rollenbildern.

Stadt führt Namensliste für neue Straßen

Bisher wird die Gleichstellungsbeauftragte jedoch nicht in die Suche nach neuen Straßennamen einbezogen. Muss in Weimar ein Straßenname ausgewählt werden, wird ein Blick auf eine Liste geworfen, in der "von Bürgern, Vereinen, Institutionen und Nachfahren von Persönlichkeiten vorgeschlagene neue Namen aufgenommen werden und die als Ideengeber für die Entscheidungsträger dient", so der Sprecher der Stadt Weimar.

Stadtrat hat das letzte Wort

Falls vorhanden, kann der jeweilige Ortsteilrat einen Vorschlag machen, der im Kulturausschuss beraten und anschließend im Stadtrat abgestimmt wird. Es sei der Stadt dabei "ein besonderes Anliegen, weibliche Persönlichkeiten durch Straßennamen stärker zu würdigen, da sie nicht entsprechend repräsentiert sind". Es handele sich dabei jedoch letztlich um "Einzelfallentscheidungen des Stadtrates".

SPD: Gleichberechtigung nicht nur durch Schilder

Doch innerhalb des Stadtrates ist man angesichts der Thematik geteilter Meinung. Die SPD-Fraktion betont die Wichtigkeit, mehr Straßen nach Frauen zu benennen, mahnt jedoch: "Die Gleichberechtigung der Geschlechter wird nicht durch die Benennung von Straßen verwirklicht, sondern durch eine entsprechende Politik und die Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse". Es sei aus der Sicht der SPD nicht nur sinnvoll, mehr Straßen nach weiblichen Persönlichkeiten zu benennen, es könne gar nicht anders sein.

Frauen in Vergangenheit oft benachteiligt

Das Ungleichverhältnis sei vor allem entstanden durch "eine Ignoranz der Männerwelt" und durch die Unmöglichkeit für Frauen in früheren Zeiten, zu Bereichen wie Wissenschaft und Politik Zugang zu erhalten und sich einen Namen zu machen. Nun würden sich Frauen den Platz in der Gesellschaft erobern, "der ihnen schon immer zugestanden hat", so die SPD. Das müsse sich auch auf Straßenschildern wiederfinden.

CDU: Leistung geht vor Geschlecht

Allerdings werde die SPD-Fraktion nicht den Fehler machen "eine Straße vor allem deshalb nach einer Frau zu benennen, weil sie eine Frau war, um so nur oberflächlich das Missverhältnis zu verbessern". Die Leistung müsse unabhängig vom Geschlecht bewertet werden. Diesem Punkt stimmt auch die CDU-Fraktion zu. Der mehrseitigen Stellungnahme der SPD-Fraktion stellen die Christdemokraten nur einen Satz entgegen: "Die CDU-Fraktion wird bei Straßenbenennungen nach Persönlichkeiten das Kriterium „Leistung/Verdienst/Bedeutung“ zu Grund legen". Eine besondere Berücksichtigung weiblicher Straßennamen soll demnach wohl nicht stattfinden. Die Fraktion der Linken und des Weimarwerks gaben keine Stellungnahme zu dem Thema ab.

Grüne: Weibliche Persönlichkeiten in Weimar nutzen

Auch die Fraktion der Grünen sieht das Ungleichgewicht durch den "in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten viel stärker ausgeprägten Patriarchalismus" begründet und setzt sich dafür ein, den Anteil der nach Frauen benannten Straßen zu erhöhen. Gerade in Weimar gäbe es viele Möglichkeiten, Frauen aus verschiedenen geschichtlichen Epochen als Namenspatroninnen auszuwählen. Mit der Benennung des "Anni-Albers-Weg" nach der Bauhauskünstlerin habe die Fraktion auch bereits einen Erfolg verbuchen können, die Straße hatte zunächst nach deren Ehemann Josef benannt werden sollen. Auch die Benennung des Stadtratssaals nach der Sozialreformerin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz sei eine grüne Initiative gewesen.

Bauhausmuseum: Bedeutung der Personen stand im Vordergrund

Im Fall des Bauhausmuseums spricht die SPD davon, dass sich in den Straßen der Themenkomplex Moderne und Nationalsozialismus ausdrücken sollte und die ausgewählten Persönlichkeiten "die beste Wahl" für diesen Kontext gewesen seien. Die Bedeutung der Personen sei "das einzig ausschlaggebende Kriterium" gewesen, und nicht "Geschlecht oder sexuelle Orientierung". Die Grünen hingehen hätten durchaus die Möglichkeit gesehen, einige Straßen nach Bauhäuslerinnen zu benennen und hätten dies vorgeschlagen, sich aber aufgrund mangelnder Mehrheiten für den vorliegenden Entwurf entschieden - um keine Ablehnung der Auswahl zu demonstrieren.