Drogen-Pärchen wegen Bluttat verurteilt: Richter verhängt Strafe mit Appell

Nach Überzeugung der Strafkammer hatte das Paar einem 18-Jährigen im März in Weimar aufgelauert, weil das Opfer ihm 240 Euro aus Drogengeschäften schuldete. Am Donnerstag verkündete das Landgericht Erfurt sein Urteil.
Nach Überzeugung der Strafkammer hatte das Paar einem 18-Jährigen im März in Weimar aufgelauert, weil das Opfer ihm 240 Euro aus Drogengeschäften schuldete. Am Donnerstag verkündete das Landgericht Erfurt sein Urteil.
Foto: Vesselin Georgiev
  • Angeklagte sollen 18-Jährigen wegen Drogenschulden in Weimar abgestochen haben
  • Erfurter Landgericht verhängt Haftstrafen für Drogenpaar
  • Richter wendet sich an Mutter

Es ging um 240 Euro Schulden für Drogen. Wegen dieser Summe musste ein 18-Jähriger in Weimar sterben. Jetzt sind die Urteile über das für seinen Tod verantwortliche Dealer-Paar gesprochen.


Wegen Totschlags und versuchter räuberischer Erpressung ist ein 24 Jahre alter Drogendealer zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Gegen seine mitangeklagte 30-jährige Freundin verhängte das Erfurter Landgericht am Donnerstag ein Jahr und zehn Monate Haft wegen Beihilfe zur Körperverletzung. Die Strafe soll aber für eine dreijährige Bewährungszeit ausgesetzt werden, hieß es im Urteil.

Tödliche Messerattacke wegen 240 Euro Schulden

Nach Überzeugung der Strafkammer hatte das Paar einem 18-Jährigen im März in Weimar aufgelauert, weil das Opfer ihm 240 Euro aus Drogengeschäften schuldete. Mit einem Messer stach der Hauptangeklagte dem 18-Jährigen gezielt in den Hals und traf dabei die Schlagader. Das Opfer starb wenige Minuten später.

Vor dem tödlichen Stich soll der junge Mann mehrfach beteuert haben, das Geld später aufbringen zu können. Das Messer hatte die Mitangeklagte nach Auffassung der Richter ihrem Freund überlassen, als dieser es haben wollte. Sie soll es zur Selbstverteidigung getragen haben.

Bilder vom März 2017: Jugendlicher niedergestochen - Spurensicherung in Weimar

Opfer in die Falle gelockt

Auch wenn die Tat spontan geschah, habe es zumindest eine bedingte Tötungsabsicht gegeben, sagte der Vorsitzende Richter. So sei das Opfer mit einem gewissen Maß an Planung quasi in eine Falle gelockt worden. Strafmildernd wirkte sich unter anderem aus, dass sich der 24-Jährige selbst der Polizei stellte, Reue zeigte und ein Teilgeständnis ablieferte.

Staatsanwalt sah Rache als Motiv für einen Mord

Die Staatsanwaltschaft hatte auf Mord plädiert, da sie unter anderem ein Rachemotiv für die nicht beglichenen Schulden als niederen Beweggrund ansah und davon ausging, dass der 24-Jährige das Messer von Anfang an bei sich hatte. Daher beantragte der Staatsanwalt eine lebenslange Haftstrafe für den Hauptangeklagten und Freispruch für dessen Freundin. Revision gegen das Urteil ist möglich.

Richter: „Mehr als überflüssiger Tod eines jungen Menschen“

Der Vorsitzende Richter sprach von einem „mehr als überflüssigen Tod eines jungen Menschen.“ Die Tat habe bei allen Beteiligten nur zu Schmerz und Verlust geführt. Er appellierte an die verurteilte Frau, ihre Bewährungszeit zu nutzen und ihren Kindern eine bessere Mutter zu sein. Schlagringe in Plüschtieren, im ganzen Haus verteilte Waffen und ein durch Drogen finanziertes Leben seien kein Umfeld für Kinder.