„Ohrfeige für Arbeiter“ – unsoziale Verhältnisse bei Coca-Cola kritisiert

Das Coca-Cola-Werk in Weimar von oben.
Das Coca-Cola-Werk in Weimar von oben.
Foto: imago/Karina Hessland
  • Linke kritisiert Verhalten von Coca-Cola in Weimar
  • Mehr Kontrolle auf Bundesebene gefordert
  • Produktion an diesem Freitag endgültig eingestellt
  • 178 Arbeitsplätze betroffen

Von einer „Ohrfeige für die Arbeitnehmer“ und von „umwelt- und arbeitnehmerfeindlichen Entscheidungen“ ist die Rede: Nach der Schließung des Coca-Cola-Werks in Weimar fordert die Linke eine „wirksame Kontrolle von multinationalen Konzernen auf Bundesebene“. Das geht aus einer Mitteilung der Weimarer Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner hervor.

Mehr Freiheit oder mehr Vorschriften?

Lediglich ein Sechstel der Beschäftigten in Weimar wird übernommen

Coca-Colas Entscheidung habe bittere Konsequenzen für Beschäftigte und ihre Familien in Weimar, so Renner. Der Konzern habe lediglich einem Sechstel der Beschäftigten eine Weiterbeschäftigung in der Logistik-Sparte zugesagt – und das auch erst ab September 2018, kritisiert die Abgeordnete weiter.

Druck auf Arbeitnehmer bei Coca-Cola unzumutbar

Auch dass Arbeitnehmer gezwungen sind, ihren Lebensmittelpunkt aufzugeben, um an anderen Coca-Cola-Standorten weiter beschäftigt zu werden, sei unzumutbar. Als „Ohrfeige für die Arbeitnehmer“ bezeichnet Renner die Behauptung der Konzernleitung, dass es sich hier um „einen Erfolg“ handele – zumal der Verlust von Arbeitsplätzen bei Zulieferern, Kantinenpersonal und Wachschutz unerwähnt blieben.

Verbot von Massenentlassungen aus Renditegründen gefordert

Die Linke fordert deshalb ein Gesetz, in dem Massenentlassungen in profitablen Unternehmen verboten werden. Außerdem sollen Mitarbeiter bei Entscheidungen wie bei Coca-Cola in Weimar ein Mitspracherecht zugesagt werden, weil selbst Rekordgewinne die Unternehmen nicht davon abhalten würden, ihre Beschäftigten zu entlassen, Standorte zu verlagern oder ganz zu schließen.

Coca-Cola sorgt seit Langem für Kontroversen:

Derzeitiges Verpackungsgesetz unökologisch

Außerdem schaffe der Konzern unsoziale Verhältnisse statt sichere Arbeitsplätze, weil er auf das unökologische Modell von Einweg-Verpackungen setzen würde. Das Beispiel von Coca-Cola in Weimar zeige, dass das derzeitige Verpackungsgesetz eine wirkungsvolle Mehrwegquote benötige.

Protest gegen Coca-Cola-Schließung - Demo-Fotos vom November:

Produktion bei Coca-Cola in Weimar eingestellt

Beim Getränkehersteller Coca-Cola in Weimar wird am Freitag die Produktion eingestellt. Zuvor werden dort noch letztmals Flaschen abgefüllt. Mit den meisten der 178 von der Schließung des Produktionsstandorts betroffenen Mitarbeitern seien einvernehmliche Lösungen zur Beendigung der Arbeitsverträge gefunden worden, hieß es seitens des Unternehmens.