Thüringen hat gewählt: Vorläufige Endergebnisse in den Kommunen

95 Prozent der Stimmen in Thüringen sind ausgezählt. (Symbolbild)
95 Prozent der Stimmen in Thüringen sind ausgezählt. (Symbolbild)
Foto: Michael Reichel / dpa
  • In Thüringen stehen die Chefs der Landratsämter und Rathäuser zur Wahl
  • Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige mitentscheiden
  • In den großen Städten fällt die Entscheidung in Stichwahlen - außer in Weimar

Die CDU kann nach Auszählung der Mehrzahl der Stimmbezirke bei den Landrats- und Oberbürgermeisterwahlen in Thüringen ihre Rolle als stärkste Kommunalpartei festigen. Nach Auszählung von etwa 95 Prozent der Stimmbezirke lag die CDU am Sonntag nach Zahlen des Statistischen Landesamtes bei 38,2 Prozent der Stimmen. Bei der Direktwahl der kommunalen Amtschefs vor sechs Jahren hatte die CDU ebenfalls als stärkste Partei abgeschnitten und die meisten Landräte gestellt.

Fast alle Landräte setzen sich bereits im ersten Wahlgang durch

Fast alle Landräte haben sich bei der Thüringer Kommunalwahl am Sonntag bereits im ersten Wahlgang durchgesetzt oder stehen kurz davor. Mit mehr als 50 Prozent der Stimmen sicherten sich die Wiederwahl Werner Henning (CDU) im Eichsfeldkreis mit 82,2 Prozent, Reinhard Krebs (CDU) im Wartburgkreis mit 71,3 Prozent und Harald Zanker (SPD) im Unstrut-Hainich-Kreis mit 56,5 Prozent. Ebenfalls nicht mehr in die Stichwahl müssen Antje Hochwind (SPD) im Kyffhäuserkreis mit 57,3 Prozent, Thomas Müller (CDU) im Kreis Hildburghausen mit 61,2 Prozent und Petra Enders (Linke) im Ilm-Kreis 53,6 Prozent.

Schweinsburg direkt wiedergewählt

Direkt wiedergewählt wurde Martina Schweinsburg (CDU), die auch Präsidentin des Landkreistages ist. Sie erhielt im Kreis Greiz 65,9 Prozent. So gut wie sicher hat auch Andreas Heller (CDU) im Saale-Holzland-Kreis die Wiederwahl mit 53,5 Prozent bei noch zwei ausstehenden Stimmbezirken. Harald Henning (CDU) im Kreis Sömmerda erzielte 97,8 Prozent, hatte aber keine Gegenkandidaten. Michaele Sojka (Linke) im Kreis Altenburger Land kämpft dagegen um den Einzug in die Stichwahl: Bei noch einem fehlenden Stimmbezirk liegt sie auf Platz zwei mit 0,6 Prozentpunkten Vorsprung auf den AfD-Kandidaten Andreas Sickmüller. Mit 37,4 Prozent führt der CDU-Kandidat Uwe Melzer.

In Weimar wurde der OB abgewählt

Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) wurde bereits im ersten Durchgang abgewählt. Es setzte sich der von CDU und Weimarwerk/Bürgerbündnis unterstützte Peter Kleine mit 60,3 Prozent durch. Wolf kam nur auf 21,5 Prozent. CDU-Chef Mike Mohring sprach von einem sensationellen Erfolg in der Klassikerstadt. „Die CDU hat ihre Rolle als stärkste Kraft in Thüringen eindrucksvoll bestätigt. Für Rot-Rot-Grün ist das Ergebnis ein Desaster“, so Mohring. „Weimar ist gewonnen, die Wahlen in Erfurt und Suhl sind gewinnbar.“

AfD in Stichwahl in Gera

In der Stadt Gera hat der AfD-Kandidat Dieter Laudenbach die Chance, in die Stichwahl in zwei Wochen zu kommen. Die von der CDU unterstützte Amtsinhaberin Viola Hahn lag nur auf Platz drei und könnte ihr Amt verlieren. Das beste Ergebnis erreichte der parteilose Julian Vonarb mit 23,5 Prozent, der damit am 29. April zusammen mit Laudenbach in die Stichwahl geht.

SPD in Thüringer Städten vorne

Die SPD, die ihre Hochburgen traditionell in den größeren Thüringer Städten hat, kam nach dem Auszählungsstand auf 17,0 Prozent - 2012 waren es noch 23,8 Prozent. Die Linke folgte mit einem Stimmenanteil von 11,7 Prozent, ebenfalls unter ihrem Wert von 2012 von 15,3 Prozent. Die AfD, die erstmals seit Gründung in Thüringen bei Landrats- und Oberbürgermeisterwahlen antrat, erreichte 10,3 Prozent. Grüne und FDP lagen um drei Prozent.

1,6 Millionen Thüringer konnten wählen

Knapp 1,6 Millionen Thüringer waren aufgerufen, die Landräte in 14 Kreisen sowie die Verwaltungschefs in den sechs kreisfreien Städten sowie in 100 kreisangehörigen Städten und Gemeinden zu wählen. Erstmals durften auch 16- und 17-Jährige der Wahl der hauptamtlichen Stadtoberhäupter ihre Stimme abgeben. Die AfD hat angekündigt, deshalb die Wahl anzufechten.

Thüringer Landtag hatte Wahlalter gesenkt

Die AfD-Landtagsfraktion wollte die Stimmabgabe von 16- und 17-Jährigen kurz vor dem Wahltermin noch juristisch verhindern, scheiterte aber mit einem Eilantrag beim Landesverfassungsgericht. Der Thüringer Landtag hatte das Wahlalter bei kommunalen Entscheidungen bereits 2015 von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Im Jahr 2016 gab es bereits Wahlen ehrenamtlicher Bürgermeister und in diesem Jahr die Landratswahl im Saale-Orla-Kreis, bei denen Minderjährige mitentscheiden durften.

Nicht mal die Hälfte der Thüringer hat gewählt

Die Wahlbeteiligung lag nach dem Zwischenstand bei 45,1 Prozent. Knapp 5,3 Prozent der Wahlberechtigten sollen laut Umfragen per Brief abgestimmt haben. Um die kommunalen Spitzenämter bewarben sich 302 Kandidaten. Die Amtszeit der direkt gewählten Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte beträgt sechs Jahre.

In 46 Kommunen wurde nicht gewählt

In 46 Kommunen mit rund 242 000 Einwohnern wurde am Sonntag nicht gewählt. Sie wollen sich zu 13 größeren Gemeinden zusammenschließen. Wenn der Landtag dafür grünes Licht gegeben hat, sollen die Verwaltungschefs dort im Herbst gewählt werden.