Krawall-Rechtsrock in Apolda: Acht Polizisten verletzt - Dutzende Anzeigen erstattet

Acht Polizisten wurden laut eigener Angaben bei den Ausschreitungen in Apolda verletzt.
Acht Polizisten wurden laut eigener Angaben bei den Ausschreitungen in Apolda verletzt.
Foto: Polizei
  • 800 Rechte versammeln sich in Apolda
  • Gegendemo mit 500 Teilnehmern friedlich
  • Rechtsrock eskaliert - Veranstalter beendet Versammlung vor der Polizei
  • Acht Polizisten durch Steine und Flaschen verletzt

Bei einem Rechtsrock-Konzert im thüringischen Apolda ist es am Samstagabend zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben warfen Rechte Steine und Flaschen auf Beamte. Acht Polizisten wurden dabei leicht verletzt, waren aber weiter dienstfähig, wie die Polizei mitteilte.

Bilder von der Neonazi-Versammlung in Apolda und dem Gegenprotest

800 Rechte und 500 Protestler in Apolda

An dem Konzert auf dem Marktplatz nahmen nach vorläufigen Angaben der Polizei etwa 800 Rechte teil, mehrere Tausend waren erwartet worden. Ein großes Polizeiaufgebot eskortierte die bundesweit angereisten Besucher nach dem vorzeitigen Konzertende zu ihren Autos. An der, wie die Polizei betont, friedlichen Gegenveranstaltung eines Bürgerbündnisses beteiligten sich nach Zahlen vom Abend etwa 500 Menschen.

Polizei setzt Pfefferspray und Schlagstock gegen Rechte ein

Gerade als die Polizei damit begonnen hatte, das Konzert aufzulösen, erklärte der Veranstalter es am Abend eigenständig für beendet. Zuvor war es laut Polizei auch an einer Sicherheitsschleuse zu einem Durchbruchsversuch von Rechten gekommen, die Beamten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Polizei beklagt acht Verletzte bei Ausschreitungen

Rechtsrock-Besucher kassieren 31 Anzeigen

Insgesamt stellte die Polizei auf der Rechtsrock-Versammlung 22 Anzeigen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, drei Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, vier Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte sowie zwei Beleidigungsanzeigen. Unterstützt wurde die Polizei aus Thüringen bei dem Einsatz von der Bundespolizei und Kräften aus mehreren Bundesländern.

Augenzeuge filmt Szenen bei Rechtsrock in Apolda

Hickhack um Rechtsrock in Thüringen

Vorausgegangen war ein Hickhack um die Veranstaltungsorte. Am Freitag wurde das Konzert von Magdala, einer Kleinstadt nahe Weimar und Jena, nach Apolda verlegt. Das Amtsgericht Weimar hatte den Organisatoren dort den Zugang zum privaten Veranstaltungsgelände über einen kommunalen Weg untersagt. In Apolda hatte der Veranstalter, ein Neonazi aus Ostthüringen, das Konzert im Vorfeld parallel angemeldet.

Rechte ziehen von Apolda nach Kirchheim und zurück

Weil sie die in Magdala bereits aufgebauten Bühne, Technik und Toiletten nicht abbauen durften, stand den Rechten in Apolda nur eingeschränkte Technik zur Verfügung. Nach einem ersten Konzert am Freitagabend mit 750 Szeneanhängern auf dem Apoldaer Marktplatz meldeten sie daraufhin kurzfristig eine Veranstaltung für Kirchheim bei Arnstadt (Ilm-Kreis) an, wo die rechte Szene seit Jahren eine private Gaststätte für ihre Treffen nutzt. Dieses Konzert wurde vom Landratsamt verboten.

Neonazi-Gegner demonstrieren in Apolda

In Apolda protestierten Neonazi-Gegner unter anderem mit einem Bürgerfest auf dem Marktplatz, nur wenige Meter entfernt und durch Polizei und Absperrgitter getrennt von den Rechten. Parteien und Verbände hatten Informationsstände aufgebaut. Zu einem ökumenischen Gottesdienst waren am Vormittag etwa 150 Menschen gekommen, darunter auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sowie weitere Vertreter der Thüringer Landesregierung.

Thüringen als Hochburg für Neonazi-Konzerte

Ende August war es den Behörden in Thüringen bereits gelungen, ein Konzert mit rund 3000 erwarteten Teilnehmern wegen unklarer Besitzverhältnisse des dafür ausgewählten Privatgrundstücks in Mattstedt bei Apolda zu unterbinden. Thüringen ist seit Jahren eine Hochburg für Neonazi-Konzerte.