Händeschütteln mit Merkel & Co. in Weimar – Kanzlerin ruft junge Leute zum Kampf für Demokratie auf

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auf dem Theaterplatz in Weimar von Bürgern begrüßt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird auf dem Theaterplatz in Weimar von Bürgern begrüßt.
Foto: Martin Schutt/dpa

Weimar . Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die verfassungsgebende Nationalversammlung vor 100 Jahren in Weimar als wichtigen Schritt hin zur Demokratie gewürdigt.

Damals seien wichtige Bürgerrechte wie das Wahlrecht für Frauen umgesetzt worden, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch in Weimar am Rande der Feierlichkeiten zu 100 Jahren Weimarer Verfassung. Das heutige Grundgesetz, das in diesem Jahr 70 Jahre alt werde, sei auf der Grundlage der Weimarer Verfassung aufgebaut worden.

Weimarer Verfassung hatte auch Schwächen

Dabei habe man die Lehren aus den Schwächen der Weimarer Verfassung gezogen. Auf der Grundlage des Grundgesetzes sei eine "stabile Bundesrepublik" aufgebaut worden. Auch das heutige Europa sei als eine Lehre aus der Weimarer Republik und "der schrecklichen Periode des Nationalsozialismus und des Holocausts" entstanden.

"Jede Generation muss wieder für Demokratie kämpfen"

Heute gelte es, junge Menschen zu ermutigen, sich für die Demokratie einzubringen. "Jede Generation muss wieder für Demokratie kämpfen", sagte die Kanzlerin. Ihre Gespräche mit Jugendlichen am heutigen Tage habe sie darin bestätigt.

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Steinmeier: Dürfen uns nicht zurücklehnen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte Weimar ein Synonym für einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. "Im Deutschen Nationaltheater trat zum ersten Mal ein Parlament zusammen, das gewählt wurde in freien und gleichen Wahlen. Hier in Weimar trat zum ersten Mal in einem solchen Parlament eine Frau ans Rednerpult", sagte Steinmeier.

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Das Grundgesetz werde allgemein als "die beste Verfassung, die wir jemals hatten", bezeichnet. Das bedeute aber nicht, "dass wir uns zurücklehnen könnten".

Demokratie "auf Loyalität, Vertrauen und Engagement angewiesen"

Zurücklehnen verbiete sich auch, solange Parlamente als "Quatschbuden" verunglimpft, politisch Engagierte mit Worten oder gar mit Gewalt angegriffen würden und solange Menschen den Glauben an den Wert der Demokratie verlören, mahnte der Bundespräsident.

Demokratie sei auf Loyalität und Vertrauen angewiesen und auf das Engagement ihrer Bürger. "Sie ist angewiesen auf demokratische Patrioten."

Ein demokratischer Patriotismus brauche Symbole, die verbinden, erklärte Steinmeier weiter. Eines sei die schwarz-rot-goldene Staatsflagge. Und es sei historisch geradezu absurd, wenn heute diese schwarz-rot-goldene Flagge am auffälligsten von denen geschwungen werde, "die einen neuen nationalistischen Hass entfachen wollten", so der Bundespräsident.

Schwarz-Rot-Gold seien immer die Farben von Einigkeit und Recht und Freiheit gewesen. "Überlassen wir sie nicht den Verächtern der Freiheit." (dpa/ck)