Wohnungsnot und horrende Mietpreise in Thüringer Städten: Das soll sich jetzt ändern

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Foto: Imago/Photo2000
Thüringens Städte platzen bald aus allen Nähten - auf dem Land sieht das ganz anders aus. In Erfurt, Jena und Weimar erreichen die Mietpreise ungeahnte Höhen, während kaum eine Wohnung leersteht. Neubauten sollen her. Aber an der richtigen Stelle.

Erfurt. Es klingt paradox: Die Zahl der Thüringer sinkt, aber sie brauchen zusätzliche Wohnungen. Mehr Neubau als bisher soll die Probleme auf dem Wohnungsmarkt der größeren Städte verringern.

Trotz des Bevölkerungsrückgangs müssen im nächsten Jahrzehnt rund 40.000 Wohnungen in Thüringen gebaut werden. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Wohnungsmarktbericht, der am Dienstag von Bauministerin Birgit Keller (Linke) in Erfurt vorgestellt wurde. Sie erklärte den Baubedarf mit dem Drang von Familien in die größeren Städte sowie mit einer steigenden Zahl an Ein- und Zwei-Personenhalshalten durch die alternde Bevölkerung.

Mietpreise in Thüringen: Ein Anstieg von bis zu 37 Prozent

Allein 36.100 zusätzliche Wohnungen würden nach Einschätzung der Gutachter im Zeitraum bis 2030 in den größeren Städten, vor allem in Erfurt, Jena und Weimar und deren Umland gebraucht. «Die beste Mietpreisbremse ist Neubau», so die Ministerin. In Jena gebe es mit 1,8 Prozent so gut wie keinen Wohnungsleerstand, in Erfurt liege er bei 3,3. In Erfurt seien die Mieten in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent gestiegen, in Weimar um 37 Prozent. Im Kreis Hildburghausen seien sie im gleichen Zeitraum hingegen um zehn Prozent gesunken.

Weniger Neubauten auf dem Land - dafür aber in der Stadt

In ländlichen Gebieten ständen bis zu 16 Prozent der Wohnungen leer. Dort, aber auch in vielen kleineren Städten sinke die Einwohnerzahl und das Durchschnittsalter der Bevölkerung steige. Auf dem Land würden im nächsten Jahrzehnt deshalb nur etwa 4000 zusätzliche Wohnungen gebraucht. Dort sei allerdings der Modernisierungsbedarf von Wohnungen hoch. Es gehe auch um barrierefreien Zugang und eine altersgerechte Ausstattung.

Die Gutachter rieten, Klein- und Mittelstädte als Wohnorte zu stärken. Dort bestehe eine gute Infrastruktur, die genutzt werden könne, um die Abwanderung von Menschen zu verhindern. Thesen von Wirtschaftsforschern, die ländlichen Gebiete wegen des Einwohnerschwunds sich selbst zu überlassen, bezeichnete Keller als grob fahrlässig.

Neue Richtlinie für sozialen Wohnungsbau

Die Ministerin kündigte Änderungen bei der Förderung des sozialen Wohnungsbaus an. Noch im März würde eine neue Richtlinie vorgestellt. Seit 2008 habe sich die Zahl der Sozialwohnungen auf derzeit etwa 30.000 mehr als halbiert, da immer mehr aus einer 15-jährigen Mietbindung fielen.

Die CDU als größte Oppositionsfraktion im Landtag sieht eine Ursache für die Probleme auf dem Thüringer Wohnungsmarkt in dem Fehlen von Bauland. «Es wird nicht genügend Bauland erschlossen, und die Preise laufen davon», erklärte die CDU-Abgeordnete Christina Liebetrau.

Der Verband der Wohnungswirtschaft verlangte eine Stärkung des ländlichen Raums. Nur so könnten die Städte vor Überlastung durch eine zu hohe Nachfrage mit steigenden Preisen geschützt werden. (dpa, aj)