Wieder Anschlag auf Buchenwald-Projekt – und es gibt eine Vermutung

Vandalismus am Buchenwald. Das Entsetzen ist groß.
Vandalismus am Buchenwald. Das Entsetzen ist groß.
Foto: Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda

Weimar. Am Gedenkprojekt zum ehemaligen KZ Buchenwald haben sie wieder zugeschlagen. Das Entsetzen ist groß – ebenso wie die Vermutung, dass ein rechtsextremer Hintergrund besteht.

Es sind nicht die ersten Anschläge auf das Erinnerungsprojekt, schreibt das Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda am Dienstag und zeigt sich dennoch entsetzt.

Weimar: Gedenken an NS-Opfer geschändet

Das Gedenkprojekt «1000 Buchen» für Opfer des Nationalsozialismus in Weimar ist erneut beschädigt worden. Diesmal zerstörten Unbekannte «drei Bäume, die kurz vor der Blüte standen. Sie wurden glatt durchgesägt. Die Stämme hatten einen Durchmesser von gut zehn Zentimetern», beklagt die Lebenshilfe.

Das Projekt soll an die Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Buchenwald sowie an die Opfer des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten erinnern. Das Lebenshilfe-Werk vermutet einen rechtsextremen Hintergrund.

Politischer Hintergrund wird vermutet

Auch die Stadt Weimar geht von einem politischen Hintergrund aus. Sie plant, die betroffenen Bäume zu ersetzen, sobald es die Witterung im Herbst erlaubt. Pflanzung und Pflege eines Projekt-Baums kosten laut Lebenshilfe-Werk rund 400 Euro. Die Unbekannten sollen bereits am 20. Juni zugeschlagen haben.

Nach Angaben der Lebenshilfe und der Stadt ist es nicht das erste Mal, dass die Bäume des Projekts beschädigt worden sind. Wobei nicht nur Bäume mutwillig zerstört wurden, sondern auch zugehörige Gedenktafeln. Zuletzt seien etwa zu Jahresbeginn die Gedenkschilder von zwölf Bäumen herausgerissen und im Wald verscharrt worden.

«Es ist kein Zufall, dass immer wieder unsere Bäume betroffen sind. Wir gehen von gezielten, politisch motivierten Taten aus und haben natürlich Anzeige erstattet», zitiert das Lebenshilfe-Werk die Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende Rola Zimmer.

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SPD-Frau Lehmann verurteilt "feige Taten"

Die Sprecherin für Strategien gegen Rechts der SPD-Fraktion Diana Lehmann spricht ebenfalls von einen Anschlag auf das Gedenk-Projekt und findet klare Worte: «Diese feigen Taten verurteile ich. Wer die Auseinandersetzung mit Gewalt statt Worten wählt, hat nicht verstanden, welche Rolle Menschenrechte und Demokratie in unserer Gemeinschaft spielen. Jeder von uns muss sich die Frage stellen, in was für einer Gesellschaft er leben will. Wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur und Projekte wie dieses, die deutlich machen, welche Verantwortung wir noch heute für die Taten des NS-Regimes und seiner Anhänger tragen.» (dpa, aj)