Thüringen: Diese blinden Tauben haben ein schlimmes Schicksal – so geht es Hugo und Gustje heute

Die Tauben Hugo und Gustje aus Weimar sind blind. Aber es gibt Menschen, die sich rührend um sie kümmern.
Die Tauben Hugo und Gustje aus Weimar sind blind. Aber es gibt Menschen, die sich rührend um sie kümmern.
Foto: Stadttaubenhilfe Weimar e.V.
  • Hugo und Gustje sind blind.
  • Tauben haben ein schlimmes Schicksal.
  • Stadttaubenhilfe Weimar kümmert sich um das Duo.

Weimar. Hugo und Gustje hatten es nicht leicht in ihrem Tauben-Leben. Die beiden haben schwere Schicksalsschläge hinter sich, ihr Leben stand auf der Kippe. Immerhin können die Tauben aus Thüringen jetzt ihren Lebensabend in Ruhe verbringen.

Seit einem Jahr werden sie von den Pflegerinnen der Stadttaubenhilfe Weimar e.V. liebevoll umsorgt. Hugo und Gustje sind die einzigen Tauben, die für immer in ihrer Pflegestelle leben werden – denn die beiden sind blind.

Hund greift Taube in Weimar an und verletzt sie schwer

„Gustje wurde vermutlich von einem Hund geschnappt und der Kopf- und Halsbereich so zerkaut, dass sie direkt erblindete und am Hals genäht werden musste“, sagte Paloma Hesse gegenüber Thüringen24. Paloma arbeitet beim Stadttaubenverein in Weimar.

Schüsse auf Stadttaube in Weimar – Leben steht auf der Kippe

Hugos Geschichte dagegen sei etwas repräsentativer für das Schicksal der Stadttauben. Er sei mit einer Luftdruckpistole von einem Dach geschossen worden, so Paloma.

„Der Streifschuss verfehlte knapp sein Gehirn, beim Fall schlug er so auf, dass seine Augen nun unbrauchbar sind. Hugo hatte ein schweres Schädelhirntrauma, wir waren oft kurz davor, ihn erlösen zu lassen.“

Hugo und Gustje sind beste Freunde geworden

Aber Hugo und Gustje aus Thüringen wollten leben. Sie haben sich sehr schnell an ihre Pflegerinnen gewöhnt und kämpften sich Stück für Stück ins Leben zurück.

„Heute sind sie beste Freunde und Hugo fliegt seit einigen Monaten sogar wieder. Gustje ist eher die Spaziergängerin, die lautstark Kontakt knüpft - und sie liebt Reisen und Fahrradfahren“, erzählt uns Paloma.

Hugo habe inzwischen sogar einen „Job“, er gehe mit seinen Pflegerinnen in Schulen und kläre Kinder über das Leid der Stadttauben auf, um Vorurteile abzubauen.

Stadttauben, was sind das eigentlich für Wesen?

Die einen lieben, die anderen hassen sie. „Stadttauben sind die Nachkommen ehemaliger Zuchttauben, also eigentlich Deutschlands Straßenhunde, wenn man so will“, so Paloma. Stadttauben seien kluge und soziale Vögel, denen ein enormer Brutdrang angezüchtet worden sei.

------------------

Mehr aus Thüringen:

------------------

So brüteten sie bis zu acht Mal im Jahr und seien dabei absolut standorttreu. „Leider machen sie dabei viel Dreck und die Gerüchte, Stadttauben würden viele Krankheiten verbreiten, halten sich hartnäckig“, sagt die Taubenschützerin. Tatsächlich verbreite eine Stadttaube aber nicht mehr Krankheiten, als eine streunende Katze. „Sie sind sogar enorm reinlich und baden so oft es geht.“

Wie kann man die Tauben von den Straßen holen?

In über 60 Städten in Deutschland hat sich bereits das Stadttauben-Management nach dem „Augsburger Modell“ durchgesetzt. Das bedeutet, eine Stadt bietet mehrere betreute Schläge in „Tauben-Hotspots“ an.

Dort werden die Tiere artgerecht gefüttert, der Kot fachmännisch entsorgt und die Eier in einem frühen Stadium gegen Attrappen ausgetauscht. Die Tauben verbringen 80 Prozent ihrer Tageszeit im Schlag und die Population wird kontrolliert.

„Unsere Nachbarstadt Jena hat bereits einige dieser Schläge und tauscht jedes Jahr Hunderte Eier aus. Wir wünschen uns, dass Weimar und Erfurt dem guten Beispiel folgen und ihren Straßentieren wieder ein Zuhause geben“, so Paloma.

------------------

Artikel zum Thema:

------------------

Gleichzeitig hat die Stadttaubenhilfe Weimar noch einen Wunsch. So suchen die Taubenfreunde ehemalige Züchter mit Schlag in der Nähe, die sich vorstellen können, eine Handicapvoliere für den Verein zu führen. Hier findest du den Verein bei Facebook! (ck)