Weimar: Dönerladen macht Schluss mit Lieferando – „Das kann nicht sein“

Über Lieferando können Kunden vom Weimarer Kebabhaus ab sofort nicht länger bestellen. (Symbolbild)
Über Lieferando können Kunden vom Weimarer Kebabhaus ab sofort nicht länger bestellen. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen

Weimar. Einen gewagten Schritt wagt Kamel Ramooz, der Besitzer vom Weimarer Kebabhaus. Er kündigt den Vertrag mit Lieferando, da er sich nicht länger über die Provision ärgern will.

Doch hinter dem Schritt steckt auch ein Aufruf an andere kleine Unternehmen in Weimar.

Weimarer Kebabhaus hat genug von Lieferando

Der Grund: Die Provision bei Lieferando sei zu hoch für kleine Unternehmen, insbesonders in der aktuellen Corona-Pandemie. 13 Prozent sei der Standard, dann kämen noch 19 Prozent Verwaltungsgebühren hinzu – „das summiert sich“, betont Ramooz.

Ein Sprecher von Lieferando korrigiert: „Auf Bestellungen zur Selbstabholung erhebt Lieferando keinerlei Provision, und es gibt weder eine Aufnahmegebühr noch laufende Gebühren. Restaurants, die selbst ausliefern, zahlen 13 Prozent auf die vermittelten Umsätze.“

Restaurants, die zusätzlich durch Lieferando-Fahrer ausliefern lassen, zahlen für das gesamte Servicespektrum 30 Prozent Provision.

Ramooz hingegen hält den großen Provisions-Anteil nicht nur für unrealistisch, sondern auch für nicht gerechtfertigt. „Man ist als Kleinunternehmer beinahe dazu gezwungen, mit Lieferando zu liefern. Dann arbeitet man aber praktisch nur noch um die anfallenden Kosten abzuarbeiten. Das kann nicht sein. Es wird auch aktuell nichts angepasst und zum Beispiel die Provision heruntergesetzt“, so Ramooz.

Lieferando hält dagegen: „Für die Provision spart der Gastronom nicht nur die Investitionskosten in Fahrzeuge, Equipment und eigenes Lieferpersonal. Er spart auch die Kosten für den Aufbau und Betrieb einer eigenen Webseite mit Bestell- und Zahlungsfunktionen, die alternative Annahme von Bestellungen per Telefon sowie zur Bewerbung seines Angebot mittels z.B. Flyern oder Postwurfsendungen.“

Hinzukämen die Pflege des Angebot, die Optimierung des Liefergebiets, die Beschaffung von umweltfreundlichen Verpackungen und niedrige Kosten bei der Zahlungsabwicklung.

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Döner-Betreiber will anderen Unternehmen motivieren

Nun steht zwar kein Vermittler mehr zwischen dem Weimarer Kebabhaus und seinen Kunden. Er ist sich sicher sich auf diese auch in der Zukunft verlassen zu können. „Ich hoffe auf Sozialcourage in Weimar, insbesonders da wir das erste kleine Unternehmen sind, das diesen Schritt wagt“.

Und den scheint er zu bekommen. Unter ein Facebook-Statement vom Kebabhaus kommentiert ein Kunde: „Wow klasse Schritt... Respekt und ich bestelle nachher sofort!“

Ganz alleine ist das Kebabhaus jedoch trotzdem nicht. Das Konkurrenzunternehmen von Lieferando, Lieferfuchs unterstützt sie jetzt bei den Lieferungen.

Zukunft des Weimarer Kebabhaus ungewiss

Was es für Konsequenzen der Schritt für die Zukunft des Imbisses bedeuten wird, ist noch unklar. Ramooz sagte aber, die Aktion sei es wert.

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„Natürlich habe ich Angst vor starken Umsatzeinbrüchen, aber ich will Gerechtigkeit für kleine Unternehmen und für das ganze Problem allgemein Aufmerksamkeit suggerieren“, betont Ramooz. Ob die riskante Rechnung für den Dönerladen in Weimar aufgehen wird, wird die Zukunft zeigen. (mbe)