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Weimar: Dieses Café hat „keinen Bock mehr auf die Stadt“ – jetzt macht es dicht

Laut Studie: Ist moderater Alkoholkonsum gesund?

Wir alle kennen diese Annahme, dass ein Glas Rotwein am Abend gut sei für die Herzgesundheit … Laut einer aktuellen Studie ist dem jedoch nicht so!

Weimar. 

Krass! Ein junges Stück Stadtgeschichte von Weimar geht zu Ende…

Anfang Juni ist das Café Spunk in Weimar zum wiederholten mal angegriffen worden. Es wurde 2020 eröffnet, sieht sich als „antirassistisches, antifaschistisches und queerfeministisches“ Café. Bereits mehrfach hat es Angriffe gegeben, Täter konnten nie ermittelt werden.

Jetzt ziehen die beiden Betreiberinnen Lara Lütke und Alessa Dresel einen Schlussstrich – und wählen drastische Worte in Richtung Weimar!

Weimar: Beliebtes Café immer wieder Ziel von Neonazi-Attacken

Gegenüber MDR sagen die beiden Frauen: „Wir haben keinen Bock mehr auf diese Stadt, wir schließen im Herbst.“ Im März 2021 wurden die Fensterscheiben sowie Teile der Inneneinrichtung mit einem Stein zerstört. Zu diesem Zeitpunkten hingen im Spunk mehrere Gedenk- und Erinnerungsplakate für die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau vom 19. Februar 2020.

In den folgenden Monaten ist dann noch mit schwarzer Farbe ein Hakenkreuz an die Eingangstür des Cafés geschmiert, auch das Türschloss ist immer weider verklebt worden. Und: Fast jede Woche sind an Tür oder Fenster Aufkleber mit Neonazi-Inhalten angebracht worden. Doch die Attacken gingen weiter: Im März und April 2022 sind dann doch die Fassade des Gebäudes sowie die Fensterfront mit schwarzer, roter und gelber Farbe verunstaltet worden.

Weimar: Betreiber haben „keinen Bock mehr auf die Stadt“

Jetzt der neuerliche Angriff Anfang Juni. Nach Angaben des Bürgerbündnisses gegen Rechtsextremismus geschah er mitten am Tage. Alessa Dresel zu MDR: „Von rechter Gewalt und Bedrohung betroffen zu sein, ist nicht nur für uns eine emotional sehr belastende und psychisch traumatische Erfahrung. Diese Ereignisse versetzen uns als Betroffene in einen Zustand der permanenten Angst und kosten uns jeden Tag unglaubliche Überwindung, den Betrieb geöffnet zu halten.“

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Das ist die Stadt Weimar:

  • älteste Aufzeichnungen über Weimar reichen bis 899 zurück
  • „Weimar“ bedeutet ursprünglich „Heiligtumsee“
  • mit rund 65.000 Einwohnern (Stand Dezember 2021) die viertgrößte Stadt Thüringens
  • bekannt für das kulturelle Erbe und die Epoche der Weimarer Klassik; Standort des Goethe- und Schillerdenkmals, des Goethe- und Schiller-Museums sowie des Bauhaus-Museums mit Werken von Walter Gropius
  • Oberbürgermeister ist Peter Kleine (parteilos)

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Ein offener Brief an Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine hat keine Besserung mit sich gebracht. Die Frauen weiter: „Ohne mit uns als Betroffenen gesprochen zu haben, beschreibt er die rechte Gewalt völlig unangemessen mit den Worten ‚Störung‘, ‚Provokation‘ und ‚Belästigung‘. Für die Betroffenen von faschistischer und rassistischer Gewalt, die in Weimar leider schon heute ein ‚Normalzustand‘ ist, sind solche Aussagen ein Schlag ins Gesicht.“

Weimar: Oberbürgermeister wehrt sich gegen Nazi-Vorwürfe

OB Kleine lässt sich das nicht gefallen, sagt: „Das tut schon weh, aber ich kann die Reaktionen durchaus nachvollziehen, weil man eben genau solche Erfahrungen gesammelt hat, gerade beim Café Spunk. Und insofern verurteile ich diese Reaktion nicht, weil es aus deren Sicht tatsächlich so ist. Was ich nicht bestätigen kann ist, dass wir als Stadt ein Nazi-Problem haben.“ Er selbst hatte das Café besucht, mit den beiden Betreiberinnen gesprochen und ihnen Hilfe zugesichert. Vergeblich.

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Jetzt wollen sie in Weimar kein Café mehr betreiben. Die Betreiberinnen zum MDR: „Diese Stadt hat ein echtes Naziproblem.“ Man werde nach dem Sommer schließen, man habe kein Vertrauen mehr in Polizei und Kommunalpolitiker… (mg)

Auch diese tragische Geschichte bewegt die Region um Weimar. In Bad Sulza ist ein Mann in ein Erdloch gestürzt und dabei gestorben. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch vollkommen unklar. Mehr dazu hier>>>