"Liebe Frau Merkel": Offener Brief von Krankenschwester wird Internet-Hit

Eine Schwester hilft einem Arzt bei einer Operation. (Symbolfoto)
Eine Schwester hilft einem Arzt bei einer Operation. (Symbolfoto)
Foto: imago
  • Krankenschwester wendet sich an Kanzlerin Angela Merkel
  • Abrechnung mit dem deutschen Gesundheitssystem

Der offene Brief einer Krankenschwester aus Ulm an Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zum Internet-Hit. Darin schreibt sich die Verfasserin ihren Unmut über das deutsche Gesundheitssystem und die derzeitigen Bedingungen an ihrer Uniklinik von der Seele. Zehntausenden Menschen gefällt der Brief und viele Kollegen stimmen in den Kommentaren der Krankenschwester zu.

"Das Gesundheitssystem behindert meine Arbeit"

Hochmotiviert sei sie gewesen, schreibt die laut eigener Beschreibung seit 20 Jahren in dem Krankenhaus arbeitende Frau. Doch seit einem Jahr ginge das nicht mehr. "Patienten sind zu Wirtschaftsfaktoren geworden, sind Fallzahlen und Kostenfaktoren. Menschen sind sie keine mehr, und sie als solche zu behandeln unmöglich. Eine menschenwürdige Arbeit zu verrichten nicht mehr möglich", teilt die Krankenschwester mit. Inzwischen gehe viel Zeit für die Dokumentation der Kosten verloren, die sie früher bei den Patienten verbrachte.

Dann wird sie persönlich und spricht die Bundeskanzlerin direkt an: "Sie erwähnten vor dem Wahlkampf 'Pflegekräfte haben einen härteren Job als ich', als 'Stille Helden' haben Sie uns bezeichnet. Still sind wir bisher gewesen, da gebe ich Ihnen Recht. Ob wir einen härteren Job haben als Sie, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich jedoch beurteilen kann: Das Gesundheitssystem in seiner bestehenden Form behindert meine Arbeit."

Trauriges Fazit zum Klinikalltag in Deutschland

Über 43.000 Menschen gefällt der Beitrag auf Facebook und mehr als 32.000 Nutzer haben ihn inzwischen geteilt (Stand: 19. Januar, 18 Uhr). Ständig kommen neue Kommentare hinzu. Dort liegt der Zählerstand bei über 4800 Stück.

Arbeitszeitgesetze würden aufgrund von fehlender Finanzierung der Personalstellen nicht mehr eingehalten, Patienten zu früh entlassen, da ihre Finanzierung nicht gewährleistet ist und der Personalmangel führe die Mitarbeiter im Dienst an ihre Leistungsgrenzen. Die Liste der Mängel scheint lang zu sein. Und das schlimmste: Der Nachwuchs bleibe aus, denn diejenigen die sich zu dieser Ausbildung entschlossen haben, scheiden viel zu früh aus dem Berufsleben aus, würden während ihrer Ausbildung nur unzureichend betreut und viel zu oft allein gelassen.

Das traurige Fazit der Krankenschwester: "Innerlich gekündigtes Personal, schlecht bezahlte Hilfskräfte mit entsprechender Motivation, überarbeitete und übermüdete Pflegekräfte, die nur noch versuchen, den größten Schaden abzuwenden, sind alltägliche Bilder in jeder Klinik von Deutschland." Sie appelliert an Merkel: "Sorgen sie dafür, dass wir auch die nötigen Mittel an die Hand bekommen, um uns nicht täglich strafbar zu machen und mit einem schlechten Gewissen nach Hause gehen."

Arbeiten Sie in einer Thüringer Klinik? Wie sind hier die Zustände? Schreiben Sie uns, wie Sie den Klinikalltag als Arzt oder Ärztin, Krankenschwester oder -pfleger täglich erleben. Wir würden gerne über Ihre Erlebnisse berichten! Kontakt: jan@th24.de

Der ganze Brief der Krankenschwester zum Nachlesen