Leak von AfD-Chatgruppe: Poggenburg fordert "Deutschland den Deutschen"

Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, mit Handy im Landtag. (Archivfoto)
Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, mit Handy im Landtag. (Archivfoto)
Foto: Christian Schroedter / imago/Christian Schroedter
  • WhatsApp-Chat von der AfD Sachsen-Anhalt geleakt
  • Partei offenbar total zerstritten
  • Poggenburg fordert "Deutschland den Deutschen"

Ein offenbar von einem Insider veröffentlichter WhatsApp-Chat der AfD in Sachsen-Anhalt bringt die Partei in große Schwierigkeiten. Darin fordert unter anderem der Landeschef André Poggenburg "Deutschland den Deutschen" und regt an, eine Schulung zum Thema "Erweiterung der Außengrenzen!?" anzubieten. Insgesamt wurden rund 8000 Nachrichten in dem Thüringen24 vorliegenden Chat-Protokoll verschickt. Die letzten Mitteilungen in der Gruppe sind vom 29. Mai 2017.

200 AfD-Mitglieder tauschen sich bei WhatsApp aus

Gestartet wurde die Chat-Gruppe vom AfD-Landtagsabgeordneten und Bundestagskandidaten Andreas Mrosek aus Dessau. Der hat der Funke Mediengruppe gegenüber auch die Echtheit bestätigt. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass einzelne Passagen verändert worden sein könnten. "Unschön gerade im Wahljahr, dass das veröffentlicht worden ist", sagt Mrosek. Es gebe mindestens einen, wenn nicht sogar mehrere Maulwürfe. Rund 200 Nutzer aus der AfD Sachsen-Anhalt seien in der Gruppe, "vom erfahrenen Hasen bis zum jungen Blut". Administratoren seien Mitglieder des Landesvorstands.

Klima des Misstrauens in der AfD Sachsen-Anhalt

In dem Chat wird deutlich, wie extrem zerstritten der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt mit sich selbst und anderen Personen in der Partei ist. Innerhalb von wenigen Tagen waren zuletzt zwei AfD-Landtagsabgeordnete aus der Fraktion ausgetreten. "Seit geraumer Zeit erlebe ich in der AfD Sachsen-Anhalt eine Entwicklung hin zu extremen und radikalen Auffassungen und Handlungen", schreibt Gottfried Backhaus, einer der beiden ausgetreten Abgeordneten. In der WhatsApp-Gruppe wird deutlich, dass es mehrere Verschwörergruppen innerhalb der Partei gibt, die versuchen nicht nur den Bundesvorstand anzugreifen, sondern auch Vorsitzende auf niedrigeren Ebenen zu stürzen.

Es herrscht offensichtlich ein Klima des Misstrauens in der AfD Sachsen-Anhalt. Eine Pressesprecherin, die zwischenzeitlich in der Gruppe war, wurde wieder rausgeschmissen, begleitet mit Vorwürfen, wie sie in die Gruppe gelangen konnte. "Wir sollten vielleicht besser darauf achten, wer aufgenommen wird", schrieb jemand.

Lob für Identitäre Bewegung, Pegida und III. Weg

Wie radikal die AfD wirklich ist, zeigt nun auch die interne Chat-Gruppe. Die rechtsextreme "Identitäre Bewegung", Pegida und die nationalsozialistische Partei "III. Weg" werden von Mitgliedern der Gruppe für ihre Arbeit gelobt. Diese würden "zu 90 Prozent die AfD wählen, viel Zuarbeit leisten und den Grundgedanken, den wir alle in uns tragen, seit Jahren auf die Straße bringen und zu den Bürgern, da denkt anscheinend niemand dran", schreibt ein AfD-Mann.

Poggenburg: "Natürlich gehört 'Deutschland den Deutschen'"

Der Presse steht ein Großteil in der Gruppe eher feindlich gegenüber. "Mit der Machtübernahme muss ein Gremium alle Journalisten und Redakteure überprüfen und sieben. Chefs sofort entlassen, volksfeindliche Medien verbieten", heißt es etwa.

Dass der Inhalt der Gruppe irgendwann als Leak im Internet landen könnte, wurde immer wieder angemahnt. Ein Nutzer mahnte sogar noch: "Das hier ist fast öffentlich, also vorsichtiger agieren!" Den Fraktionsvorsitzenden Poggenburg scheint dies nicht davon abzuhalten "Deutschland den Deutschen!" in der Gruppe zu fordern. Am Mittwoch erklärte er öffentlich auf Twitter: "Wieso sollte mich das in Bedrängnis bringen? Natürlich gehört 'Deutschland den Deutschen' und so soll's auch bleiben!" Der Spruch ist ein Schlachtruf auf vielen Neonazi-Demonstrationen, wo dann oft noch "Ausländer raus" hinterher gebrüllt wird.