Gesundheit

Ärzte weisen Patienten am Ende des Quartals häufiger ab

Grippeschutzimpfung: Fünf Mythen im Check

Um die Grippeimpfung rankten sich viele Legenden. Wir klären, welche davon wahr sind und welche nicht. Fünf Mythen im Check.

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Am Quartalsende müssen Kassenpatienten länger auf Termine warten als zu anderen Zeiten. Der Grund: Ärzte verdienen zu wenig an ihnen.

Berlin.  In den Monaten März, Juni, September und Dezember vergeben Ärzte deutlich weniger Termine an gesetzlich versicherte Patienten als in den übrigen Monaten des Jahres – aus finanziellen Gründen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg.

Je nach Fachrichtung werden zwischen 50 und 90 Prozent der angebotenen Leistungen nur bis zu einer bestimmten Obergrenze von den gesetzlichen Krankenkassen voll bezahlt. Führen Ärzte mehr Routineuntersuchungen durch als das sogenannte Globalbudget zulässt, erhalten sie nur noch eine geringere Erstattung von den Krankenkassen. Für Patienten mit privater Krankenversicherung besteht diese Einschränkung nicht.

Nicht alle Behandlungen unterliegen Obergrenzen

Diese Obergrenze führt dazu, dass die medizinischen Leistungen in den letzten vier Wochen eines Quartals – also im März, Juni, September und Dezember – stark reduziert werden. Die Entscheidung, Patienten anzunehmen oder abzuweisen, wird somit am Ende eines Vierteljahres zunehmend von finanziellen Gründen geleitet.

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Vertragsärzte konzentrierten sich dann häufig auf die Leistungen, die keinen mengenbegrenzenden Regelungen unterliegen, zum Beispiel Impfungen, Vorsorge und ambulante Operationen, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Hamburg.

Zugleich lasse sich ein Anstieg bei den Abrechnungen für den ärztlichen Bereitschaftsdienst beobachten. Hier sei eine Zunahme von rund 19 Prozent etwa drei bis vier Wochen vor Quartalsende am größten.

Allgemeinmediziner reduzieren alle Leistungen

„Das ambulante Vergütungssystem führt dazu, dass weniger Behandlungen am Quartalsende stattfinden und es einen sprunghaften Anstieg am Quartalsanfang gibt“, erklärt Prof. Mathias Kifmann vom HCHE. Der deutlichste Effekt zeigte sich laut Studie bei Hautärzten und Augenärzten.

Sie reduzierten Termine, die in das Globalbudget fallen, alle drei Monate um rund 14 Prozent, Orthopäden und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte um knapp zehn Prozent.

Bei den Behandlungen, die keiner Limitierung unterliegen, gab es über das Jahr kaum Veränderungen. Anders sieht es allerdings bei Allgemeinmedizinern aus: Hier konnten ähnliche Reduzierungen bei allen Leistungen festgestellt werden. „Wir gehen daher davon aus, dass Hausärzte ihre Praxentätigkeit zum Ende des Quartals einschränken“, erklärt Prof. Kifmann. (br)