„FakeApp“

Prominente werden durch Software unfreiwillig zu Pornostars

Blitzschnell analysiert Software mit Mustererkennung ein Gesicht. (Symbolbild)
Blitzschnell analysiert Software mit Mustererkennung ein Gesicht. (Symbolbild)
Foto: Spencer_Whalen / Getty Images/iStockphoto
  • Die „FakeApp“ bringt Promis in Pornos
  • Die Software tauchte bei „Reddit“ auf
  • Und liefert erstaunliche Ergebnisse

Berlin.  Im Internet kursiert das Programm „FakeApp“, mit dem beliebige Gesichter in Filmaufnahmen montiert werden. Damit entstanden Sexfilme mit Schausielerinnen, die an diesen Produktionen nie beteiligt waren.

Scarlett Johansson, Taylor Swift oder die junge Star-Wars-Heldin Daisy Ridley sind Opfer der „FakeApp“-Pornos geworden, berichtet „The Register“. Die aufgetauchten Videos zeigen nicht nur Schauspielerinnen, jedes beliebige Gesicht kann in die Filme montiert werden. Notwendig dafür sind ausreichend viele Fotos vom Gesicht.

Der technische und der menschliche Körper

Bis vor wenigen Jahren brauchte es ganze Designabteilungen um Aufnahmen von menschlichen Körpern mit künstlichen Körpern zu verbinden. Schauspieler wurden mit einzelnen Markern auf dem Körper gefilmt, um sie mit hohem technischen Aufwand, in der Postproduktion, in die blauen Avatare im gleichnamigen Film zu verwandeln.

Programme zur Gesichtserkennung laufen heute bereits auf vielen Smartphones und sorgen für lustige Bilder und Videos. Nutzer können ihre Gesichter tauschen oder andere Gesichter verzieren, so wie Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis es in einem Video bei Facebook ausprobieren.

Bei den Endanwendern angekommen

Mit Musteranalysen erkennen Anwendungen wie Instagram oder Snapchat ohne Verzögerung die Gesichter ihrer Nutzer und montieren süße Hundenase oder -ohren darauf.

Die stetig wachsende Rechenleistung ermöglichte es schnell lernende Algorithmen ihre Musteranalyse in den letzten Jahren drastisch zu verbessern. Diensten wie beispielsweise Google stehen unzähligen Bilder zur Verfügung, um ihre Algorithmen mit Daten anzulernen.

Nutzer erziehen die Maschinen

Mit sogenannten Captcha-Eingaben helfen Nutzer dem Dienst täglich millionenfach, die Fähigkeiten der Algorithmen zu verbessern. Jedes mal wenn ein Nutzer auf einem Bild angibt, dass dort ein Haus, ein Geschäft oder ein Fahrzeug zu sehen ist, lernt die Maschine dazu.

Die „FakeApp“ mit der die Sexfilme erstellt wurden, ist im Onlineforum „Reddit – Deepfakes“ aufgetaucht. Dort tauschen Nutzer die Ergebnisse der Gesichtserkennung, 50.000 Nutzer folgen dem Forum bereits. Einige Filme die mit der Software manipuliert wurden, sind als Sex-Tapes auf Internetseiten mit einschlägigem Inhalt gelandet, schreibt „Motherboard.“

Glaubwürdigkeit von Fotos und Videos

Solche Videos können für die Betroffenen weitreichende Konsequenzen haben. Bislang profitieren Fotos und vor allem Videos von einer hohen Glaubwürdigkeit, der Betrachter vertraut ihrer Authentizität. Wenn es schwieriger wird echtes Videomaterial von gefälschtem zu unterscheiden, gilt das nicht mehr.

Schüler könnten ihre Mitschüler in solche Filme montieren und damit Auswirkungen auf ein junges Selbstbewusstsein nehmen.

Staatstragende Reden

Die politische Brisanz des Themas zeigte ein Video der Universität Washington. Forscher analysierten den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama um ihm mit mustererkennender Software einen anderen Text in den Mund zu legen. Solche Videos von Donald Trump, Wladimir Putin oder Kim Jong-un können jeder Zeit im Internet landen.

Gefälschte oder inszenierte Bilder sind keine neue Erscheinung. Bereits das Bürgerkriegsbild, das den Fotografen Robert Capa weltberühmt machte, soll ein Fake sein. „Loyalistischer Soldat im Moment des Todes“ entstand im Bürgerkrieg 1936 in Spanien und die Zweifel an seiner Echtheit erhärteten erst 70 Jahre nachdem es verbreitet wurde.

Einfache und eindrucksvolle Techniken zur Fälschung machen technische und menschliche Kontrollen wichtiger. Digitale Wasserzeichen, die Fotos und Videos zusätzliche Echtheit bescheinigen und Redaktionen, die ihre Quellen sorgfältig prüfen, sind zwei mögliche Wege für mehr Vertrauen. (dahe)

Reservat

Kroatischer Großwildjäger bei Löwenjagd in Südafrika getötet

Im Privatreservat Leeuwbosch (Löwenbusch) in Südafrika wurde ein passionierter Jäger durch einen Schuss tödlich verletzt. (Archiv)
Im Privatreservat Leeuwbosch (Löwenbusch) in Südafrika wurde ein passionierter Jäger durch einen Schuss tödlich verletzt. (Archiv)
Foto: imago stock&people
Ein 75-Jähriger wurde bei einer Großwildjagd in Südafrika tödlich verletzt. Kurz zuvor hatte der Restaurantbesitzer einen Löwen erlegt.
Mehr lesen