Flüchtling

Tödliche Schüsse vor Bäckerei – Kritik am Polizeieinsatz

Vor einer Bäckerei in Fulda hat vergangene Woche ein Flüchtling randaliert.
Vor einer Bäckerei in Fulda hat vergangene Woche ein Flüchtling randaliert.
Foto: Jörn Perske / dpa
Ein Flüchtling wurde vor einer Bäckerei in Fulda erschossen, weil er Polizeibeamte angegriffen hatte. Doch war der Einsatz angemessen?

Fulda.  Nach einer Obduktion steht fest: Ein Flüchtling aus Fulda wurde am Freitag durch Kugeln aus der Dienstwaffe eines Polizisten getötet. Der 19-jährige Mann hatte zuvor randaliert und auch Beamte angegriffen. Kritik wird nun laut, weil relativ viele Schüsse abgegeben wurden.

Vier Kugeln hatten den Mann getroffen. Zwei Schüsse davon waren laut Obduktion tödlich, sie gingen in den Bauch- und Brustbereich, wie der Fuldaer Staatsanwalt Harry Wilke am Montag auf Anfrage sagte. Durch die Schüsse wurden innere Organe verletzt. Der 19-jährige Afghane verblutete.

Staatsanwaltschaft Fulda: Insgesamt zwölf Schüsse abgegeben

Von den vier Kugeln gingen drei in den Thorax und eine in den rechten Oberschenkel, wie Wilke schilderte. Insgesamt seien zwölf Schüsse aus der Pistole eines Polizisten abgefeuert worden. Ein Magazin hat 15 Kugeln. Wie viele davon Warnschüsse waren, sei unklar. Der Polizist schweige bisher zum Tathergang. Gegen ihn werde ermittelt wegen eines Tötungsdelikts. Das Hessische Landeskriminalamt (LKA) überprüft den Sachverhalt.

Der 19-Jährige hatte nach Polizei-Angaben am Freitagmorgen vor der Öffnung einer Bäckerei mit Steinwürfen gegen die Scheibe randaliert und einen Lieferfahrer schwer am Kopf verletzt. Danach griff er auch die alarmierten Polizisten an und verletzte einen Beamten schwer am Arm. Der Beamte eines zweiten Streifenwagens erschoss den Angreifer. Ob es in Notwehr geschah, müssen die Ermittlungen ergeben.

LKA-Sprecher Christoph Schulte sagte zur Vielzahl der Schüsse: Es sei für eingesetzte Beamte in solch einem Fall nicht immer möglich, nur Arme oder Beine zu treffen. „Denn der Angreifer bewegt sich ja auch.“ Die Beamten stünden auch unter enormem Stress in einer „hochdynamischen Situation“. Generell gelte: Die Beamten lernten, so lange zu schießen, bis die Gefahr gebannt sei.

19-Jähriger konnte Polizisten Schlagstock entwenden

Nach neuesten Erkenntnissen gab es zwischen einem der Polizisten, die als erstes am Tatort waren, und dem Randalierer ein Handgemenge. Dabei sei es dem jungen Mann gelungen, den Einsatzkräften einen Schlagstock zu entwenden. Ob er zuvor schon einen eigenen Schlagstock bei sich trug, muss noch ermittelt werden, wie Wilke sagte. Bei der Leiche wurde den Angaben zufolge nur ein Schlagstock gefunden.

Nach den Schüssen im Fuldaer Gewerbegebiet Münsterfeld wurde Kritik am Polizei-Einsatz laut. Am Sonntag beteiligten sich 70 Menschen friedlich an einem Protestzug vom Münsterfeld in die Innenstadt. Die Demonstranten, überwiegend Flüchtlinge, forderten Gerechtigkeit und, die Polizisten zu bestrafen. Der Vorsitzende des Ausländerbeirates Fulda, Abdulkerim Demir, befand, dass der Polizei-Einsatz unangemessen eskaliert sei.

Angreifer war den Behörden bekannt

LKA-Sprecher Schulte rief dazu auf, „Spekulationen zu unterlassen“. „Ehe vorschnelle Schlüsse gezogen werden, sollten die Ergebnisse der Ermittlungen abgewartet werden. Aber die werden Zeit brauchen.“

Der erschossene Afghane war den Behörden bekannt. Gegen ihn wurde unter anderem wegen Körperverletzung ermittelt. Laut der Staatsanwaltschaft Fulda soll er Mitbewohner des Flüchtlingsheims geschlagen haben. Er habe auch Bewohner mit einem Messer und dem Tode bedroht.

Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) sagte am Montag über den Protestzug: „Dass bei der Demonstration überdies das Geschehen so gedeutet worden ist, als habe die Polizei einen Mann erschossen, der eigentlich nur zwei Brötchen habe kaufen wollen, ist schier unfassbar. Und es zeigt leider auch, dass viele nicht verstehen, welche Regeln und Gesetze bei uns greifen. Fakt ist, die Aggression ging von dem getöteten Flüchtling aus.“ (dpa)