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Nobelpreise 2019: Was man über die Auszeichnung wissen muss

Soviel Geld gibt es für den Nobelpreis – und sechs weitere Fakten

Nobelpreis: Im Oktober werden die Nobelpreisträger 2017 verkündet. Alles, was man rund um die begehrte Trophäe wissen muss, zeigt das Video.

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Die Nobelpreise werden zwar erst am 10. Dezember 2019 in Stockholm und Oslo verliehen. Wer sie erhält, erfährt man aber schon eher.

Berlin.  Alle Jahre im Oktober hat das große Rätselraten ein Ende: Denn dann wird bekanntgegeben, wer in diesem Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird. Den Auftakt machen traditionell die drei Wissenschaftspreise. Beim anschließenden Nobelpreis für Literatur läuft es diesmal etwas anders. Wir erklären, was man jetzt über den Nobelpreis 2019 wissen muss.

• Wer hat den Nobelpreis erfunden?

Alfred Nobel hat den nach ihm benannten Preis ins Leben gerufen. Der 1896 verstorbene schwedische Industrielle und Dynamit-Erfinder beauftragte das Parlament damit, jährlich Persönlichkeiten oder Organisationen für ihre Verdienste um die Menschheit zu ehren. In seinem Testament legte Nobel fest, dass für den Preis die Zinsen seines Vermögens verwendet werden sollten.

• Welche Kategorien gibt es?

Der Preis wird in sechs verschiedenen Kategorien verliehen: Frieden, Literatur, Wirtschaft, Physik, Chemie und Medizin. Der Friedensnobelpreis ist besonders bekannt, er gilt als die weltweit wichtigste politische Auszeichnung. Geehrt werden soll, wer „am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen“.

Seit 1960 werden auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 das Wirken für die Umwelt geehrt. Im vergangenen Jahr ehrte der Friedensnobelpreis den Kampf gegen sexuelle Gewalt. Er ging an die Menschenrechtlerin Denis Mukwege und Nadia Murad.

• Wer sind die Favoriten für den Friedensnobelpreis 2019?

Die Spekulationen um die Favoriten blühen, laut dem Nobelkomitee in Oslo gibt es 301 Vorschläge - 223 Personen und 78 Organisationen. In vielen Wettbüros gilt Klimaaktivistin Greta Thunberg als aussichtsreichste Anwärterin auf den Friedensnobelpreis. Hoch im Kurs steht aber auch der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed, weil er Frieden mit dem früheren Erzfeind Eritrea schloss.

Eine weitere Anwärterin ist die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern, die sich nach den Bombenanschlägen auf zwei Moscheen in Christchurch als führungsstark und besonnen erwiesen hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel steht ebenfalls auf der Vorschlagsliste.

• Wann werden die Preisträger verkündet?

Fünf Tage lang wird zunächst jeden Tag ein Preisträger verkündet:

  • 7. Oktober ab 11.30 Uhr: Medizin-Nobelpreis

  • 8. Oktober ab 11.45 Uhr: Physik-Nobelpreis

  • 9. Oktober ab 11.45 Uhr: Chemie-Nobelpreis

  • 10. Oktober ab 13 Uhr: Literaturnobelpreis

  • 11. Oktober ab 11.00 Uhr: Friedensnobelpreis

  • 14. Oktober ab 11.45 Uhr: Wirtschafts-Nobelpreis

• Wo werden die Preise verliehen?

Während die meisten Nobelpreise in Schwedens Hauptstadt Stockholm vergeben werden, wird die Auszeichnung für Frieden im norwegischen Oslo überreicht. Nobel verfügte das so in seinem Testament. Warum, ist unbekannt. Zu Nobels Lebzeiten bildeten Schweden und Norwegen eine Union unter schwedischer Führung.

• Wie viel Preisgeld gibt es?

In jeder Kategorie werden neun Millionen schwedische Kronen vergeben, das sind umgerechnet rund 830.000 Euro. Das entspricht heute in etwa dem Wert des ursprünglichen Preisgeldes.

• Welche Skandale ranken sich um die Auszeichnung?

Besonders der Literaturnobelpreis ist bekannt für Skandale: Als der Iran 1989 seine islamische Fatwa gegen Salman Rushdie verhängte, bezog die Akademie politisch nicht Stellung. Drei Mitglieder erklärten aus Protest ihren Austritt.

Der Franzose Jean-Paul Sartre lehnte den Literaturnobelpreis 1964 als bisher einziger freiwillig ab und erklärte stolz: „Jeder Preis macht abhängig.“

Auch der Musiker Bob Dylan inszenierte 2016 ein kleines Drama: Erst verriet er nicht, ob er den Preis überhaupt annehmen will, dann kam er nicht zur Preisverleihung.

2018 war der Literaturnobelpreis sogar überhaupt nicht verliehen worden. Grund war ein Skandal um Missbrauchsvorwürfe, Korruption und die Rücktritte zahlreicher Akademie-Mitglieder. 18 Frauen hatten im Zuge der MeToo-Bewegung von sexuellen Übergriffen des Ehemanns eines Akademie-Mitglieds berichtet. Sogar Kronprinzessin Victoria soll unter den Opfer sein.

Darum geht der Friedensnobelpreis an Abiy Ahmed
Darum geht der Friedensnobelpreis an Abiy Ahmed

• Was läuft beim Literaturnobelpreis 2019 anders?

Zum einen: dass er nach dem Skandal im vergangenen Jahr überhaupt wieder vergeben wird. Zum anderen: dass dafür in diesem Jahr zwei Preisträger gekürt werden. Einer für 2018 und einer für 2019.

• Wer war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt?

Die Physikerin Marie Curie war 1903 die erste weibliche Preisträgerin. Das Komitee ehrte sie für die Entdeckung der Radioaktivität. 1911 erhielt sie einen zweiten Nobelpreis, diesmal in der Kategorie Chemie: Sie wurde für die Entdeckung und Erforschung der Elemente Radium und Polonium ausgezeichnet. Insgesamt erhielten bislang 52 Mal Frauen die begehrte Auszeichnung.

• Wer ist der jüngste Preisträger?

Die bis jetzt jüngste Nobelpreisträgerin ist Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin aus dem Jahr 2014. Bei der Bekanntgabe der Auszeichnung war die Kinderrechtsaktivistin aus Pakistan erst 17 Jahre alt. Die 16-jährige Greta Thunberg könnte er in diesem Jahr diesen Rekord wegschnappen.

• Wer ist der älteste Preisträger?

Der 1922 im deutschen Jena geborene John Goodenough ist der bei seiner Wahl älteste Nobelpreisträger überhaupt - 2019 fiel die Entscheidung auf den Chemiker, der zusammen mit Stanley Whittingham und Akira Yoshino für die Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkus auserkoren wurde.

• Wer lehnte den Nobelpreis ab?

Zwei Preisträger lehnten den Nobelpreis aus eigenen Stücken ab: Jean Paul Sartre 1964, der aus Prinzip keine Ehrungen akzeptierte, und Le Duc Tho, der 1973 zusammen mit Henry Kissinger für die Aushandlung des Vietnam-Friedens ausgezeichnet werden sollte.

Vier Preisträger wurden zudem gezwungen, die Ehrung abzulehnen. Adolf Hitler untersagte den Chemikern Richard Kuhn und Adolf Butenandt sowie dem Mediziner Gerhard Domagk die Annahme. Die Sowjetunion sagte für den Autor Boris Pasternak ab.

(jr/cho/dpa/epd)