Sturm

Hurrikan „Michael“: Mindestens 16 Menschen gestorben

"Bäume umgeknickt als wären sie Zahnstocher"

Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 250 Kilometern pro Stunde ist Hurrikan "Michael" am Mittwoch im Nordwesten Floridas auf die Küste getroffen. Auf seinem Weg hat sich der Wirbelsturm mittlerweile deutlich abgeschwächt.

Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 250 Kilometern pro Stunde ist Hurrikan "Michael" am Mittwoch im Nordwesten Floridas auf die Küste getroffen. Auf seinem Weg hat sich der Wirbelsturm mittlerweile deutlich abgeschwächt.

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Hurrikan „Michael“ hat verheerende Schäden angerichtet. Rettungskräfte befürchten, weitere Tote in den Trümmerteilen zu entdecken.

Miami/Washington.  Mit tödlicher Zerstörungskraft hat Hurrikan „Michael“ die Südostküste der USA verwüstet. Einzelne Ortschaften wurden in weiten Teilen zerstört, Häuser stürzten ein, Bäume knickten reihenweise um. Hunderttausende Menschen waren ohne Strom.

Die Katastrophenschutzbehörde im US-Bundesstaat Virginia teilte am Freitag auf Twitter mit, dort gebe es fünf bestätigte Todesfälle in Zusammenhang mit dem schweren Sturm. Nach Meldungen von Donnerstagabend (Ortszeit) war von sechs Toten die Rede. Insgesamt ist die Opferzahl auf 16 gestiegen. Befürchtet wird, dass Rettungskräfte in den Trümmern weitere Tote finden. Das ganze Ausmaß der Schäden zeichnet sich nur nach und nach ab.

„Michael“ war am Mittwoch in der Nähe des Ortes Mexico Beach in Florida auf Land getroffen – als Hurrikan der Kategorie vier mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde. Er lag damit nur knapp unter der höchsten Kategorie fünf. Es war nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes der stärkste Hurrikan, der die Florida-Panhandle seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 getroffen hat. Als Panhandle (Landzipfel oder Pfannenstiel) wird der Teil Floridas nordwestlich der Halbinsel bezeichnet.

Überlebende stehen vor Trümmern ihrer Existenz

Das Nationale Hurrikan-Zentrum hatte vor meterhohen Sturmfluten gewarnt. Doch der Sturm gewann unerwartet schnell an Stärke, und viele Menschen brachten sich nicht rechtzeitig in Sicherheit. Die „Washington Post“ berichtete unter Berufung auf eine Polizeisprecherin, bei einem der Todesfälle in Florida sei ein Mann gestorben, als ein Baum auf das Dach seines Hauses stürzte.

Auch in Georgia und North Carolina kamen durch den Sturm Menschen zu Tode. Der Fernsehsender CNN und die „Washington Post“ berichteten unter Berufung auf örtliche Behörden, in North Carolina sei ein Mann in seinem Fahrzeug von einem Baum erschlagen worden. Und in Georgia sei ein elf Jahre altes Mädchen ums Leben gekommen, als ein Carport von dem Sturm in die Luft gehoben wurde und durch ein Dach stürzte. Nicht wenige Überlebende stehen nun vor den Scherben ihrer Existenz.

Trump kündigt Hilfen an

Rettungskräfte drangen erst nach und nach zu den betroffenen Gebieten durch, um dort nach Verletzten zu suchen und Menschen mit Strom, Wasser und Essen zu versorgen. Diese Einsätze hätten nun die absolute Priorität, sagte Floridas Gouverneur Rick Scott. „Dieser Hurrikan war ein Monster.“ Er habe schier unfassbare Zerstörung hinterlassen.

Auch US-Präsident Donald Trump sagte in Washington, der Hurrikan habe gewaltige Schäden angerichtet. Einen derart gewaltigen Hurrikan und eine solch massive Zerstörung habe das Land selten erlebt. Die Regierung stehe permanent in Kontakt mit den Verantwortlichen in den betroffenen Staaten, sagte Trump. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um denen zu helfen, die Hilfe brauchen“, versicherte er. Man werde nicht ruhen, „bis der Job erledigt ist“.

"Michael" sorgt für Überschwemmungen in Kuba - Florida wappnet sich gegen Hurrikan

Das Nationale Hurrikan Zentrum fürchtet, dass "Michael" am Mittwoch als Sturm der Kategorie 3 auf Florida treffen könnte.
"Michael" sorgt für Überschwemmungen in Kuba - Florida wappnet sich gegen Hurrikan

In dem kleinen Ort Mexico Beach, wo der Sturm als erstes auf die Küste getroffen war, zeigte sich am Donnerstag ein Bild großflächiger Zerstörung. Floridas Senator Marco Rubio schrieb auf Twitter, ihm sei gesagt worden: „Mexico Beach ist weg.“

Auf seinem weiteren Weg Richtung Nordosten schwächte sich „Michael“ ab und wurde zu einen tropischen Sturm herabgestuft. Er zog am Donnerstag weiter Richtung Nordosten über die Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina.

Kreuzfahrtschiff gerät in Hurrikan Michael

Wie bedrohlich Hurrikan Michael ist, zeigt auch ein Twitter-Video, das der Nutzer „Snapper Tams“ am Dienstag vom Kreuzfahrtschiff Empress of the Seas machte (siehe oben). Der Regen peitscht gegen die Reling, Blitze zucken am Himmel und das große Schiff wackelt bei dem hohen Wellengang.

Dramatisches Video: Kreuzfahrtschiff gerät in Hurrikan

Dramatisches Video: Kreuzfahrtschiff gerät in Hurrikan

berichtet, nahm Snapper Tams den Clip südwestlich der Insel Isla de la Juventud, die größte Nebeninsel Kubas, auf.

An der Westspitze Kubas zog der Hurrikan am Montagnachmittag (Ortszeit) vorbei. In der westlichsten Provinz Pinar del Río wurden Windgeschwindigkeiten von mindestens 120 Kilometern pro Stunde gemessen. Das berichtete die Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas, „Granma“.

Dramatisches Video: Kreuzfahrtschiff gerät in Hurrikan

Dramatisches Video: Kreuzfahrtschiff gerät in Hurrikan

Krankenhäuser in Küstennähe geschlossen

„Sobald Michael vorbeigezogen ist, werden wir eine massive Welle der Unterstützung haben“, sagte Scott. Sofort nach dem Sturm würden 1000 Rettungskräfte ihren Einsatz beginnen. Auch 3500 Angehörige der Nationalgarde stünden bereit. US-Präsident Donald Trump habe alle verfügbaren Bundesmittel zugesagt, um Florida zu unterstützen.

Für die Stadt Panama City Beach und andere tiefer gelegene Gebiete an der Panhandle galten zuvor Zwangsevakuierungen. 2,4 Millionen Anwohner wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen, so CNN.

Die nationale Wetterbehörde warnte vor umstürzenden Bäumen. Autos und die oberen Stockwerke von Häusern seien nicht sicher, wenn große Bäume in der Nähe stünden. Reporter von CNN sagten, in vielen Gegenden sei der Boden durch Regenfälle so aufgeweicht, dass Bäume leicht umstürzten.

Berichten zufolge wurden Krankenhäuser und Tankstellen in Küstennähe geschlossen, auch Straßensperren seien wahrscheinlich. Regale in Läden waren leer gekauft. Schäden an Gebäuden, abgedeckte Dächer und langanhaltende Stromausfälle wurden erwartet.

Mehrere Dutzend Tote durch „Florence“

Erst Mitte vergangenen Monats hatte der Tropensturm Florence die Südostküste der USA getroffen und vor allem in North Carolina und South Carolina zu schweren Überschwemmungen geführt. Mehrere Dutzend Menschen kamen durch „Florence“ und die Folgen des Sturms ums Leben. (jha/dpa)