Unglück

20 Tote nach Horrorunfall in NY: Limousinen-Betreiber angeklagt

Teile der Unfall-Limousine liegen abseits der Straße hinter Büschen bei Schoharie im US-Bundesstaat New York.
Teile der Unfall-Limousine liegen abseits der Straße hinter Büschen bei Schoharie im US-Bundesstaat New York.
Foto: Hans Pennink / dpa
Eine Limousine ist am Samstag mit einem Auto zusammengeprallt. 20 Menschen starben dabei, auch die Eltern von zwei kleinen Kindern.

New York.  Drei Tage nach dem Horrorunfall mit 20 Toten nördlich von New York hat die Polizei bekanntgegeben, dass der Betreiber des Limousinen-Unternehmens wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden ist. Der Mann, dessen Vater die Firma Medienberichten zufolge besitzt, wurde bei einer Verkehrskontrolle angehalten und später angeklagt.

Der Angeklagte ist nach Polizeiangaben allein für den Unfall verantwortlich, weil er einen Fahrer ohne legale Fahrerlaubnis einstellte und eine als untauglich eingestufte Limousine zur Verfügung stellte. Sein Anwalt erklärte dagegen, sein Mandant habe mit dem Unternehmen kaum etwas zu tun. Stattdessen sei dessen Vater für den täglichen Betrieb verantwortlich. Der Vater ist ein früherer FBI-Informant und befindet sich derzeit in Pakistan.

Fahrer hatte keine Betriebserlaubnis

Der 53-jährige Fahrer besaß zudem nicht die nötige Betriebserlaubnis für die Stretch-Limousine. Außerdem teilten die Ermittler am Montag mit, dass der Unfallwagen bei einer früheren Inspektion durchgefallen sei. Das Fahrzeug hätte nicht auf der Straße sein dürfen, erklärte der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo am Montag, wie US-Medien berichteten.

Wie die Polizei in Latham am Sonntag berichtete, war am Samstagnachmittag eine Stretch-Limo auf dem Weg gegen 14 Uhr an einer Landstraßen-Kreuzung im Kreis Schoharie nicht zum Stehen gekommen und mit einem parkenden, unbesetzten Wagen kollidiert. Alle 18 Insassen der Limo kamen ums Leben.

Zunächst hieß es in Berichten, dass die Insassen auf dem Weg zu einer Hochzeit gewesen wären. Das bestätigte sich aber nicht. Laut „New York Times“ fuhr die Stretch-Limo zu einer Geburtstagsfeier. Vier Schwestern, zwei Brüder und mindestens drei junge Pärchen seien unter den Opfern. „Sie haben das Vernünftige getan und eine Limo gebucht, damit sie nicht selbst fahren müssen“, sagte eine Tante der Schwestern, Barbara Douglas, der Nachrichtenagentur AP.

Ihre frisch verheiratete Nichte Erin und deren Mann Shane seien unter den Toten, sagte Valerie Abeling dem US-Sender CNN. In einer Brauerei in Cooperstown wollten sie den 30. Geburtstag einer Freundin feiern.

Auch die 30-Jährige und deren drei Schwestern seien in der Limousine umgekommen. Mehrere junge Paare, einige davon Eltern kleiner Kinder, seien unter den Opfern. „Es ist eine schreckliche Tragödie“, sagte Abeling. „Uns fehlen die Worte, um unsere Gefühle zu beschreiben.“

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Ein Grund für das Unglück nach Einschätzung von Experten: Bei den Party-Mobilen müssen nur Fahrer und Beifahrer einen Sicherheitsgurt tragen. Wer hinten sitzt und feiert, kann bei einem Unfall weder auf Airbags noch sonstigen Schutz bauen.

Bei dem Aufprall in der Nähe des „Apple Barrel Country Store“, der mit vielen „Indian Summer“-Naturfreunden besetzt war, wurden zwei Fußgänger erfasst. Sie starben an Ort und Stelle.

Die Betreiber schrieben auf ihrer Facebook-Seite, es sei vor dem Apple Barrel Country Store zu einem schrecklichen Unfall gekommen. Die Limousine sei eine abfallende Straße zu schnell hinunter gefahren.

Die Kunden seien nahe dem Parkplatz getroffen worden, sagte Managerin Jessica Kirby der „New York Times“. Sie wolle die schreckliche Szene nicht weiter beschreiben. Dies sei eine gefährliche Kreuzung, an der häufiger Unfälle passierten, klagte Kirby.

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wo es zu dem Unfall kam.

Die Polizei, die sich ausgesprochen wortkarg und geschockt zeigte, wollte nicht über die Ursache und den genauen Ablauf des Unglücks spekulieren. Nach Angaben von Anwohnern war deutlich überhöhte Geschwindigkeit im Spiel. „Mindestens 65 mph ist der gefahren“, zitiert die „New York Times“ einen in der Nähe wohnenden Mann; das wären rund 100 km/h.

Experten der Verkehrssicherheitsbehörde NTBS sind vor Ort. Sie richten sich auf tagelange Untersuchungen ein. Weil noch nicht alle Angehörige informiert werden konnten, hielt die Polizei die Identiäten der Opfer noch zurück.

Es war noch unklar, ob der Fahrer zu schnell fuhr, oder ob etwa die Bremsen nicht funktionierten. Mehrere Behörden seien mit der Untersuchung des Vorfalls beschäftigt, hieß es. „Zwanzig Tote - das ist einfach furchtbar“, sagte Robert Sumwalt von NTSB.

Aufgrund der Schwere des Unfalls meldeten sich umgehend prominente Politiker zu Wort. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sprach den Angehörigen sein Beileid aus und dankte den Einsatzkräften, denen sich „grausame Szenen dargeboten haben müssen“.

Drei Feuerwehrzüge, ein halbes Dutzend Notarztwagen und zwei Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Experten erwarten, dass Stretch-Limos zügig einer strengen Sicherheits-Prüfung unterzogen werden.