Mord

Verdächtiger im Mordfall Marinowa wird ausgeliefert

Eine Frau legt Blumen vor einem Bild der ermordeten Journalistin Wiktorija Marinowa am Freiheitsdenkmal in Russe nieder.
Eine Frau legt Blumen vor einem Bild der ermordeten Journalistin Wiktorija Marinowa am Freiheitsdenkmal in Russe nieder.
Foto: Filip Dvorski / dpa
Ein Gericht hat die Auslieferung des Verdächtigen im Fall der getöteten Moderatorin Marinowa angeordet. Er hat teilweise gestanden.

Sofia.  Der des Mordes an der bulgarischen TV-Moderatorin Wiktorija Marinowa verdächtige 20 Jahre alte Bulgare wird in den kommenden zehn Tagen von Deutschland an sein Heimatland ausgeliefert.

Das Oberlandesgericht Celle ordnete die förmliche Auslieferungshaft an. Mit der Auslieferung könne somit in Kürze gerechnet werden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Celle am Freitag mit.

Der Mann habe die ihm zu Last gelegte Tat teilweise gestanden. Er habe zugegeben, die 30-jährige Moderatorin am vergangenen Samstag in einem Park in der bulgarischen Stadt Russe geschlagen und in ein Gebüsch geworfen zu haben.

Allerdings bestreite er einen Tötungsvorsatz. Auch habe er ausgesagt, die Frau weder vergewaltigt noch ausgeraubt zu haben. Ein politischer Hintergrund könne auf der Grundlage dieser Aussage nicht angenommen werden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Marinowa war vergewaltigt, geschlagen und erstickt worden.

Festnahme am Dienstagabend in Stade

Der Fall der ermordeten bulgarischen TV-Journalistin Viktoria Marinowa beherrscht seit Tagen die Schlagzeilen. Auch die Mutter des mutmaßlichen Täters äußerte sich im Fernsehen.

„Er gab zu, dass er es getan hat, als er betrunken war und stark unter Drogen stand“, sagte Nadeschda Krassimirowa dem bulgarischen TV-Sender Nova am Donnerstag. „Er gestand und fing vor mir an zu weinen. So ist er nicht, ich kann es nicht fassen“, sagte sie in dem in Deutschland geführten Gespräch, wo sie wohnt.

Der Mann war am Dienstagabend in Stade (Niedersachsen) festgenommen worden. Die bulgarische Staatsanwaltschaft hat ihn in Abwesenheit der Vergewaltigung und des Mordes angeklagt.

Polizei befragt Rumänen nach Mord an bulgarischer Journalistin

Viktoria Marinowa war in einem Park in ihrer Heimatstadt tot aufgefunden worden.
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Wohl ein spontaner, sexuell motivierter Überfall

Ob ein Zusammenhang zwischen der Tat und der Arbeit der Journalistin besteht, ließen die Behörden am Mittwoch noch offen. Sie ergänzten aber, alle Indizien deuteten darauf hin, dass es sich um einen spontanen, sexuell motivierten Überfall gehandelt habe.

Marinowa hatte über einen mutmaßlichen Korruptionsfall berichtet, in dem es um Missbrauch von EU-Mitteln gehen soll. Sie versprach, an dem Fall dranzubleiben.

Der festgenommene 20-Jährige stammt nach Angaben des bulgarischen Innenministers aus Russe und wohnt in der Nähe des Parks, in dem Marinowa überfallen wurde. Er habe am Samstag Bulgarien verlassen.

Pressefreiheit in Europa verschlechtert sich

In ihrer Rangliste bemängelt die Organisation Reporter ohne Grenzen eine zunehmende Verschlechterung der Pressefreiheit in Europa. Bulgarien nimmt auf der Liste den 111. Platz ein und ist damit Schlusslicht unter allen EU-Ländern. Die Organisation mahnt an, dass Journalisten weltweit zunehmend bedroht werden. (rtr/msb/les)