Petition fordert, dass Schamlippen künftig anders heißen sollen – und diese verrückte Idee gibt es für Hoden

Eine Orchidee.
Eine Orchidee.
Foto: imago

Früher hätte man gesagt: Es geht ums Untenrum. Aber früher schämte man sich noch fürs Untenrum, heute hat man schamfreie Wörter für die Alltagskonversation über das Untenrum.

Ein Wort allerdings soll aus dem Vokabular entfernt werden: Das jedenfalls fordern die beiden Journalistinnen Gunda Windmüller und Mithu M. Sanyal mittels einer Onlinepetition auf Change.org.

Schamlippen implizieren Scham

Ihnen geht es um das Wort „Schamlippen“: Also den größten Teil des äußeren weiblichen Genitals. Die Hautfalten sollen ihrer Ansicht nach künftig „Vulvalippen“ genannt werden.

Denn: Das Wort Schamlippen impliziere, dass sich Frauen für ihre Hautfalten (also die untenrum) schämen müssen – zumindest sprachlich.

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Weit mehr 30.000 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben, das Ziel von 35.000 Unterschriften ist in greifbarer Nähe.

Petition: Der Duden soll das neue Wort aufnehmen

Im Duden sollen anstelle der Schamlippen dann Vulvalippen auftauchen, für die man sich nicht eben mehr schämen muss – also dem Wortsinn nach, de facto ja hoffentlich sowieso nicht.

Der Begriff Schamlippen passe nicht in unsere Zeit, schreiben die beiden Frauen: „Er gibt eine falsche, eine verschämte, eine lustfeindliche Vorstellung von Körpern und Sexualität wieder.“

„Die Zeit des Schämens ist vorüber“

Sprache schaffe Wirklichkeit – und solange man Schamlippen sagt, schämt man sich, so in etwa die Argumentation.

Unter der Petition wird das Thema heiß diskutiert. Viele finden die Idee super. „Die Zeit des Schämens ist vorbei“, schreibt etwa Astrid Schüpbach.

Und Marina Nortmeier begründet ihre Unterschrift mit: „Weil das Wort Scham im Zusammenhang mit dem weiblichen Intimbereich endlich aus den Köpfen verschwinden muss.“

Schambällchen statt Hoden?

Martin Zwiesele hat noch eine andere Idee: „Frauen sollten - auch sprachlich - keinen Grund haben, sich für ihre sexuellen Körperteile zu schämen. Schlage alternativ vor, aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit den Begriff "Hoden" zu streichen und durch "Schambällchen" zu ersetzen.“

Unklar ist, was das für viele andere Dinge bedeutet, die am und im Körper wachsen: Haare zum Beispiel. Denn die Scham betrifft ja tatsächlich nicht nur Frauen: Schamhaare haben auch ganz viele Männer. Und es wäre vielleicht missverständlich, wenn wir diese ab jetzt Vulvahaare nennen würden. Und was ist mit dem Schambein? Muss man sich dafür weiterhin schämen?

Manche schlagen bereits als Lösung für das Haarproblem das Wort „Charmehaare“ vor. Ja, das Thema ist eine klasse Vorlage für allerhand Wortspiele, wie viele Twitternutzer entdeckt haben: „Darauf erstmal einen Vulvapagner“, schreibt ein Nutzer unter dem Hashtag #Vulvalippen.