Schneechaos: Lawine kracht in ein Hotel +++ Bundeswehr muss in Bayern eingreifen +++ So schlimm ist die Situation

In der Schweiz ist eine Lawine in ein Hotel gekracht.
In der Schweiz ist eine Lawine in ein Hotel gekracht.
Foto: dpa

Ulm. Schnee und Eis sorgen vielerorts in Deutschland und Österreich für Chaos. Straßen sind blockiert, Gemeinden sind von der Außenwelt abgeschnitten. Vielerorts fällt die Schule aus.

Auch an Skifahren ist in vielen Regionen nicht zu denken. In vier österreichischen Bundesländern gilt derzeit die höchste Lawinenwarnstufe fünf. In der Steiermark wird derweil beraten, in welchen Gebieten die Menschen ihre Häuser und Höfe verlassen müssen.

Die Ereignisse in Stichpunkten:

  • In der Nähe von München wurde ein Junge (9) von einem umstürzenden Baum erschlagen, der unter der hohen last zusammengebrochen war. JEde Hilfe kam zu spät
  • In Österreich starben seit Beginn des Extremwetters mindestens sieben Menschen - darunter zwei Deutsche
  • Auf der A8 sorgten die Schneemassen in der Nacht auf Donnerstag dafür, dass hunderte Autos und Lkw feststeckten. In dem stockenden Verkehr starb bei Dornstadt eine 54 Jahre alte Autofahrerin. Sie stand Polizeiangaben zufolge in dem Stau und saß allein in ihrem Fahrzeug
  • In mehreren Gemeinden wurde der Katastrophenfall ausgerufen

Die Entwicklungen hier im News-Blog zum Schnee in Deutschland und Österreich:

06.32

Auch die Bundeswehr ist in Bayern im Einsatz, um die Helfer vor Ort bei der Räumung des Schnees zu unterstützen. Gebirgsjäger befreiten im Landkreis Mießbach das Dach einer Halle von einer dicken Schneedecke. Weitere Kräfte von Heer, Luftwaffe, Streitkräftebasis und Sänitätsdienst wurden in Bereitschaft versetzt.

06.15 Uhr:

In der Schweiz ist eine rund 300 Meter breite Lawine ist in das Restaurant eines Hotels gekracht. Drei Menschen wurden dabei leicht verletzt. Die Polizei suchte nach eigenen Angaben nach möglichen Vermissten. Dabei kamen neben technischem Gerät auch Lawinenhunde zum Einsatz. Am Abend musste die Suche aber aufgrund starker Schneefälle vorerst abgebrochen werden. Ein Polizeisprecher sagte der Schweizer Zeitung «Blick», dass keine Hotelgäste vermisst würden, aber möglicherweise Passanten verschüttet wurden.

20.41 Uhr:

Nach der Ausrufung des Katastrophenfalls für Teile des Landkreises Berchtesgadener Land in Bayern hat sich die Lage dort teils weiter verschärft. Denn es schneit weiter - am meisten Sorgen bereiten den Behörden die Schneelasten auf den Dächern. Am Donnerstagnachmittag begannen Gebirgsjäger der Bundeswehr unter anderem, das Dach der Therme in Berchtesgaden zu räumen.

Insgesamt waren in dem Katastrophengebiet zwischen 100 und 200 Soldaten im Einsatz, ebenso Kräfte des Technischen Hilfswerks. Es gebe rund 200 Anfragen zum Räumen von Dächern, sagte der Sprecher des Landratsamtes, Andreas Bratzdrum.

19.38 Uhr:

Dem österreichischen Bundesheer ist es gelungen, die seit Samstag von der Außenwelt abgeschnittene Gemeinde Hohentauern in der Obersteiermark zu erreichen. Dort sind rund 750 Menschen eingeschlossen, darunter auch Urlaubsgäste aus Hessen.

Die Soldaten brachten Lebensmittel und Diesel über einen Forstweg in die Kommune, wie Vize-Bürgermeister Gernot Jetz der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Der Trupp hat sich mit Geländefahrzeugen durch Bäche und steiles Gelände hierher durchgeschlagen“, sagte Jetz.

17.40 Uhr:

In der sächsischen Stadt Chemnitz finden bis zum 14. Januar aus Sicherheitsgründen keine Beerdigungen auf dem Städtischen Friedhof statt. Alle bis Montag geplanten Beisetzungen wurden abgesagt. Wegen der hohen Schneebruchgefahr bleibe der Friedhof vorerst geschlossen.

17.14 Uhr:

Nach den starken Schneefällen gilt auch im Landkreis Traunstein (Oberbayern) der Katastrophenfall. Das Landratsamt übernehme die Koordination der Einsatze der verschiedenen Rettungs- und Hilfsorganisationen, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit.

Die schweren Schneemassen seien eine Gefahr für die Menschen in der Region. Man werde auch auf Hilfe der Bundeswehr zurückgreifen. Die bayerischen Behörden hatten bereits für die Landkreise Miesbach und Berchtesgadener Land den Katastrophenfall ausgerufen. In Südbayern sind wegen des vielen Schnees zahlreiche Straßen gesperrt.

18.31 Uhr:

Die Deutsche Bahn kapituliert teilweise vor der Situation. In Garmisch-Patenkirchen, Kempten, Oberstdorf undd Berchtesgaden werden in den nächsten Tagen wohl keine Züge fahren.

17.09 Uhr:

Im österreichischen Damüls in Vorarlberg liegt so hoch Schnee, dass die Menschen teilweise nicht mehr aus ihren Häusern treten können:

Wer sein Auto benutzen will, muss es erst mal aus dem Schnee ausbuddeln. So wie Julian Barthle. Der 22-Jährige aus Schwäbisch-Gmünd in Baden-Württemberg wollte am Mittwoch aus dem österreichischen Damüls in Vorarlberg aus dem Skiurlaub abreisen. Aber sein Auto war nicht mehr aufzufinden.

Dort, wo er es drei Tage zuvor abgestellt hatte, war nur noch Weiß. Unter der meterhohen Schneedecke musste der Schwabe erst einmal ertasten, wo das Fahrzeug steht, ehe er mit dem Graben beginnen konnte. Über dem Autodach lag noch eine 30 Zentimeter hohe Schneeschicht.

Allein am Mittwoch fielen in der Region um Damüls 60 Zentimeter Neuschnee. >> Mehr dazu liest du hier.

17.01 Uhr:

Wegen der Schneefälle gilt nun in zwei oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. In dieser Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nun nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit.

Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten. Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden.

16.47 Uhr:

Ein siebenjähriges Kind ist in Aying bei München von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Die Polizei ging am Donnerstagnachmittag davon aus, dass der Baum unter der hohen Schneelast zusammengebrochen war.

15.52 Uhr:

Im bayerischen Allgäu haben Polizisten einen frierenden Säugling vor Schlimmerem bewahrt. Passanten hatten in Kaufbeuren die hilflose Mutter des Kindes betrunken im Schneeneben einem Gehweg entdeckt. Die Frau hielt ihr nur unzureichend bekleidetes Baby im Arm.

Die Streifenbeamten wickelten das kleine Mädchen in eine Uniformjacke und legten es in den Polizeiwagen, bis der Rettungsdienst kam. „Nachdem es im warmen Rettungswagen noch eine Mütze aufgesetzt bekommen hatte, fiel es sofort in Schlaf“, berichtete die Polizei am Donnerstag zu dem Vorfall vom Vortag. Die Einsatzkräfte brachten Mutter und Kind ins Krankenhaus.

14.59 Uhr:

Auf der Autobahn 8 in Fahrtrichtung Stuttgart blieben in der Nacht zum Donnerstag zahlreiche Lastwagen auf der schneebedeckten Fahrbahn liegen. Über 35 Kilometer standen die Autos im Stau, wie die Polizei mitteilte.

Der Räumdienst versuchte, die Straße zu befreien, das Technische Hilfswerk musste Autos aus dem Schnee ziehen. Der Rettungsdienst versorgte die Menschen in den Fahrzeugen mit Decken und warmen Getränken.

Bei Dornstadt starb in den Abendstunden am Mittwoch eine 54-jährige Autofahrerin im Stau. Sie saß allein in ihrem Auto und wartete wie die anderen Menschen in ihren Fahrzeugen. Die 54-Jährige wurde tot in ihrem Auto aufgefunden. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus.

170 Lastwagen blockieren Bundesstraße

Rekordverdächtige 170 Lastwagen haben von Mittwoch zu Donnerstag die Bundesstraße 174 zwischen Chemnitz und dem Wolkensteiner Ortsteil Heinzebank blockiert. Wie die Polizei mitteilte, mussten Dutzende Fernfahrer über Nacht auf der Straße in ihren Fahrzeugen ausharren. Inzwischen habe sich die Situation auf dem Teilstück der Bundesstraße entspannt, teilte die Polizei am Donnerstagnachmittag mit.

Insgesamt registrierte die Polizeidirektion Chemnitz von Mittwoch bis Donnerstagvormittag mehr als 275 Unfälle mit insgesamt 22 Verletzten. Zu kilometerlangen Staus kam es auf den Autobahnen 4 und 72. Dort waren zahlreiche Lkw liegen geblieben oder in Straßengräben gerutscht. Mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) seien die Lkw geborgen sowie Park- und Rastplätze vom Schneebefreit worden. Im Erzgebirge waren auch am Donnerstag noch viele Bundes- und Kreisstraßen wegen Schneeglätte und -verwehungen sowie umgestürzten Bäumen gesperrt.

13.14 Uhr:

Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten die Nacht zum Donnerstag in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn 9 (München-Berlin) verbringen, wie eine Sprecherin der Thüringer Autobahnpolizei sagte.

Zu den Verkehrsbehinderungen auf der A9 war es am Mittwoch gekommen, weil Dutzende Lastwagen an einer Steigung ins Rutschen geraten waren und danach quer standen. (jg/lin/dpa)