Angela Merkel lässt Bilder aus ihrem Büro entfernen - das steckt dahinter

Angela Merkel vor dem Bild „Blumengarten“ von Emil Nolde.
Angela Merkel vor dem Bild „Blumengarten“ von Emil Nolde.
Foto: dpa

Angela Merkel hat zwei Bilder aus ihrem Büro entfernen lassen. „Brecher“ heißt das eine: Es zeigt eine gewaltige Meereswelle vor dramatisch gerötetem Himmel. Das andere heißt - ebenso schlicht - „Blumengarten“.

Beiden Bildern hängt noch ein Hauch von Impressionismus an, sie sind gefällig. Doch ihnen hängt auch ein Fluch an: Die Gemälde stammen von Emil Nolde (1867 - 1956) . Und der hatte ein fragwürdiges Verhältnis zum NS-Regime.

Angela Merkel: Gemälde von Emil Nolde abgehängt

Für die aktuelle Ausstellung „Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel die beiden Bilder abnehmen - mit dem Hinweis, sie nicht mehr zurückzuwollen. Eine explizite Begründung gab es nicht.

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Der Grund dürfte aber mit der schillernden Persönlichkeit Emil Nolde zusammenhängen. Der Künstler, der ein wichtiger und bedeutender Vertreter der deutschen Expressionismus war, wurde zunächst von den Nazis als sogenannter „entarteter Künstler“ beschimpft, hatte zeitweise sogar ein Malverbot. An das er sich nicht gehalten hat.

Aber: Er war auch NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und bis zum Ende überzeugter Nationalsozialist. Er hat Sätze wie diesen gesagt: „Juden haben wenig Seele und Schöpfergabe. Juden sind andere Menschen, als wir es sind.“

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Differenziertes Bild fehlte

Emil Nolde gehörte zu den Künstlern, die durchaus gehofft hatten, von den Nazis hofiert zu werden, auch um Karriere zu machen.

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„Was immer gefehlt hat, war ein umfassendes und differenziertes Bild von Emil Nolde“, sagte Christian Ring, Direktor der Seebüller Nolde-Stiftung, der Deutschen Presse-Agentur vor der Ausstellungseröffnung. Die Stiftung hatte ihr Archiv mit 25 000 bis 30 000 Dokumenten den Kuratoren für die Ausstellung erstmals geöffnet.

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Das Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof in Berlin will ein solches differenziertes Bild mit der Ausstellung nun zeigen. (mit dpa)