Düsseldorf führt neue Fahrbahn ein – unglaublich, mit wem sich Radfahrer die Umweltspur teilen sollen

Auf der Merowingerstraße in Düsseldorf gibt es jetzt eine Umweltspur.
Auf der Merowingerstraße in Düsseldorf gibt es jetzt eine Umweltspur.
Foto: imago images / Oliver Langel

Düsseldorf. Eine Umweltspur geht in Düsseldorf auf der Merowingerstraße an den Start. Mit der neuen Spur will die Stadt die Stickoxidwerte senken. Die übersteigen innerorts häufig den erlaubten Höchstwert. Viele Anwohner befürchten, dass das zu mehr Unfällen führen könnte.

Auf der Umweltspur in Düsseldorf dürfen dann Busse, Taxis, E-Fahrzeuge und Radfahrer fahren. Diese Kombination finden viele bedenklich. Die Stadt Düsseldorf hofft, so die Menschen für umweltfreundlichere Verkehrsmittel gewinnen zu können.

Umweltspur in Düsseldorf: „Auf der Spur möchte ich kein Fahrrad fahren“

Die Düsseldorfer sind skeptisch, ob die neue Spur einen Vorteil für den Verkehr bringt. Viele Menschen zweifeln an, dass sie die Stickoxidbelastung wirklich senken kann. Auf Facebook entfachten sie eine Diskussion mit über 300 Beiträgen.

Dort diskutieren auch viele Radfahrer mit. Die meisten sind nicht begeistert: „Das wird ein großes Chaos geben. Wer hat sich nur wieder so einen Mist ausgedacht?“, fragt Lea Müller. „Auf der Spur möchte ich auf keinen Fall Fahrrad fahren. Vor mir Elektroauto und dahinter den Bus, na super“, findet Martina Krull.

„Radfahrer gegen Busse und Taxen? Das soll schlau sein? Wohin soll ein Radfahrer ausweichen, wenn hinter ihm ein Bus oder Taxi drängelt? Diese Umweltspur kann ich nur so kommentieren: Operative Hektik ersetzt geistige Windstille“, findet Marianne Boes.

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Nutzer befürchten erhöhte Unfallgefahr für Radfahrer

„Ich habe Bauchschmerzen, wenn Mutti mit Fahrrad und Kindersitz über die Umweltspur fährt und das Elektro-Fahrzeug dran vorbeiprescht... Wir brauchen Fahrradstrassen in Düsseldorf!“, fordert Achim Niemeyer.

Viele rechnen mit weiteren Verkehrsunfällen. Vor allem für die Radfahrer könnte die Spur Gefahren bergen. „Bin auf den ersten Unfall gespannt, insbesondere Radfahrer mit Bus“, bemerkt Christian Noack.

Radfahren ohne „Möchtegern-Schumis“

Nur wenige Radfahrer begrüßen die Idee. Sie teilen sich lieber eine Spur mit Bussen und Taxen als mit allen anderen Verkehrsteilnehmern. „Sind sie schon mal Rad in der Innenstadt gefahren? Die Umweltspur klingt besser, als sich die Spur zusätzlich auch noch mit allen anderen Autos, inkl. unseren 'Möchtegern-Schumis' zu teilen, deren 'kein Tempolimit in Deutschland' in ihre Fahr-DNA eingebrannt ist. “, findet eine Nutzerin namens Frau Schemann.

Für andere macht die Umweltspur für die Radfahrer nur mit angepassten Verkehrsregeln Sinn. „Fahrrad- und Elektroautospur zu kombinieren, ist nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig die Geschwindigkeit auf 30 km/h reduziert wird“, findet Michael Winkler.

Ausbau der Umweltspuren möglich

Die neuen Umweltspuren sind zunächst für ein Jahr in der Testphase. Um herauszufinden, ob sie tatsächlich den erhofften Nutzen bringt, sind Experten vor Ort. Sie wollen die Luftwerte messen, Fahrzeuge zählen und Radfahrer befragen. Sind die Ergebnisse wie erwünscht, wird die Umweltspur möglicherweise bald quer durch die Innenstadt führen.

Neben der Merowingerstraße bekommt auch die Prinz-Georg-Straße einen Umweltspur. Sie wird am Dienstag freigegeben. Die Stadt nutzt dazu die Osterferien, da sie zu dieser Zeit mit deutlich weniger Berufsverkehr rechnet. Damit soll den Fahrern die Gewöhnung an die neue Spur erleichtert werden. (vh/mit dpa)