Thermomix: Produktion in Deutschland eingestellt – hat Vorwerk einen Fehler gemacht?

Vorwerk lässt den Thermomix demnächst nicht mehr in Wuppertal herstellen.
Vorwerk lässt den Thermomix demnächst nicht mehr in Wuppertal herstellen.
Foto: dpa

Wuppertal. Schlechte Nachrichten für Vorwerk-Mitarbeiter in Wuppertal. Der Thermomix soll künftig nicht mehr in der NRW-Stadt produziert werden. Vorwerk stellt den beliebten Küchenhelfer Thermomix künftig zu einem großen Teil in China her. Und das hat Konsequenzen für viele Mitarbeiter.

Der „Rheinischen Post“ (Bezahlinhalt) erklärte ein Unternehmenssprecher: „Die Thermomix-Produktion am Standort Wuppertal läuft voraussichtlich im Dezember 2019 aus.“

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, hat der Konzern bei entscheidenden Stellschrauben Fehler gemacht:

  • Der neue TM6 wurde ohne Ankündigung auf den markt gebracht und überraschte aktuelle und potenzielle Kunden der Küchenmaschine. Das sorgte für Wut bei Kunden, die kurz zuvor erst den TM5 gekauft hatten - eine klare Schädigung der Marke
  • Der Preis. Der Thermomix kostet über 1000 Euro. Dabei gibt es längst fähige Geräte der Konkurrenz, die deutlich günstiger sind. Über die Möglichkeit, ein günstigeres Gerät mit eingeschränkten Fähigkeiten auf den Markt zu bringen, sollte Vorwerk laut Wirtschaftswoche zumindest nachdenken.

Thermomix von Vorwerk wird nicht mehr in Deutschland gebaut

200 Vollzeitstellen müssen infolge in Wuppertal abgebaut werden, eine Kündigung steht laut Angaben des Unternehmens aber bei „maximal“ 85 Mitarbeitern an.

Während in China eine neue Endfertigung für den asiatischen Markt entsteht, sollen Motoren und Messer weiter in NRW gefertigt werden. Ebenfalls bestehen bleibt die Hauptproduktion für den asiatischen Markt in China.

Der Standort in China soll ausgebaut werden

Gesamtbetriebsratschef Ralf Hüttemann sieht langfristig durch den Standort in Shanghai auch Chancen für Wuppertal: „Wir hoffen, dass die Produktion in China hochfährt und wir dadurch auch in Wuppertal mehr Motoren und Messer für den Thermomix exportieren können.“

Wachstum von Thermomix in Asien

Grund für den Produktionsstopp sind Ralf Hüttemann zufolge Überkapazitäten in Europa. Vorwerk reagiert mit der Schließung auf die zuletzt gesunkenen Verkäufe der Küchenmaschine, bereits seit einigen Jahren gehen die Verkaufszahlen der Küchenmaschine in Europa stark zurück. Chancen auf Wachstum sieht das Unternehmen hingegen in Asien.

Vorwerk-Sprecher: Größter Produktionsstandort bleibt Frankreich

Ein Sprecher von „Vorwerk“ stellt gegenüber „RP Online“ dennoch klar: „Größter Produktionsstandort bleibt weiterhin unser Thermomix-Stammwerk in Frankreich, wo die Geräte für die großen europäischen Märkte gefertigt werden.“

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Kunden sind von Thermomix enttäuscht

Bei Twitter zeigen sich Kunden und Nicht-Kunden von Thermomix empört. Eine Auswahl an Kommentaren:

  • „Jetzt auch 'Made in China'? Wie die ganze Sch**** dieser Welt?“
  • „Jetzt gibt es gar keinen Grund mehr, das Original zu kaufen. 'Made in Germany' weg, Qualität weg!“
  • „Schlechtes Marketing. Die Folgen tragen dann wohl die Mitarbeiter. Und dann dem Kunden alte Geräte nach Weihnachten andrehen, schämen Sie sich!“
  • „Ein Grund mehr, das Ding nicht zu kaufen.“
  • „Überall Entlassungen. Weniger Arbeit, weniger Steuereinnahmen – das alles bei steigenden Steuerausgaben.“

Schon im März waren Kunden empört

Das Unternehmen hatte seine Kunden erst im März erzürnt, als der neue Thermomix TM6 völlig überraschend auf den Markt kam. Viele Kunden die sich kurz zuvor das alte Modell gekauft hatten, reagierten wütend.

„Wir haben vor gut 2 Wochen einen Thermomix bei einer ganz tollen Beraterin bestellt! Wir hatten extra gefragt, wann es einen neuen geben wird, darauf meinte die Beraterin erst in 10-12 Jahren“, schrieb eine empörte Kundin damals auf Facebook. (cs)