„Markus Lanz“ (ZDF): Als der Tui-Chef DAS sagt, platzt Gast der Kragen

Markus Lanz hatte den Tui-Chef zu Gast.
Markus Lanz hatte den Tui-Chef zu Gast.
Foto: imago images

Die „Fridays for future“-Bewegung boomt, Klimafragen stehen hoch im Kurs. Bei dem Thema geraten auch die immer beliebteren Kreuzfahrtschiffe ins Visier. Bei „Markus Lanz“ im ZDF musste sich jetzt Tui-Chef Fritz Joussen rechtfertigen.

Die Frage der Sendung lautete „Wie viel Tourismus verträgt unser Planet?“. Um diese Thematik möglichst breit abzubilden, hat Markus Lanz dem Tui-Chef eine 18-jährige Klimaaktivistin gegenüber gesetzt, die sich kürzlich mit Greta Thunberg zum Klimagipfel in Lausanne traf.

Markus Lanz: Klimaaktivistin platz der Kragen

Zu Anfang der Talkshow startet der Manager des Kreuzfahrtkonzerns mit einer interessanten Aussage: „Meine Erfahrung ist, dass 'Under Tourism' (zu wenige Touristen, Anm.d.Red.) ein großes Problem ist.“ Joussen gab aber auch zu, dass es an Hotspots zu viele Touristen gibt, aber in vielen Landstriche in Europa, Ostasien, Nordafrika, Karibik fehle dieser wirtschaftliche Faktor.

Denn die Touristikbranche mache in den meisten Urlaubsorten 20 Prozent des Bruttosozialproduktes aus, schiebt er hinterher, davon profitierten diese Länder schließlich. Zur Verdeutlichung: 450 Milliarden Euro auf der Welt fließt in die Tourismusbranche.

Das sind die Gäste in der Sendung bei Markus Lanz am Dienstag:

  • Peter Wohlleben: Förster und Autor von „Das geheime Leben der Bäume“


    Fritz Joussen: Manager und TUI-Chef


    Dirk Schümer: Journalist, Welt-Korrespondent


    Clara Mayer: Klima-Aktivistin


Zurück zur Klimadebatte: Auf die umweltschädlichen Emissionen von riesigen Passagierdampfern und Flugzeugen angesprochen, weist der Konzern-Chef das Problem von sich und sucht andere Umweltsünder. „Ich möchte richtigstellen: nur etwa zwei bis 2,5 Prozent unserer Emissionen entstehen durch Flüge“, verdeutlicht er. Wer hauptsächlich schuld sei: Heizung, Energieerzeugung, Industrie und die „Individualmobilität“. „Das passiert alles, wenn wir reisen oder auch nicht!“

Lanz: „Da pocht bei Ihnen doch schon der Hals“

Lange hat die 18-jährige Clara Mayer bis dahin geschwiegen. Mehrmals empört den Mund aufgemacht. Lanz grätscht ein und wendet sich an sie: „Da pocht bei Ihnen doch der Hals sicher schon minimal.“

Und die 18-Jährige holt aus: „Es gibt keine umweltschädlichere Art sich durch die Welt zu bewegen als durch Kreuzfahrten!“ Das Schweröl, mit denen die meisten Schiffe betrieben werden, sei für sie „die Braunkohle unter den Ölen!“. Auch über die Alternative Flüssiggas will sie nicht diskutieren. Diese werde durch Fracking gefördert und das sie eine Klimasünde, weil das Gas mit Chemikalien aus den Tiefen des Ozeans gefördert wird.

Schweröl sei die „Braunkohle unter den Ölen“

Und auch gegen die Infrastruktur bei Kreuzfahrten schießt die junge Frau: Passagiere äßen schließlich auf den Schiffen, gehen kurz an Land und fahren dann auch schon weiter.

Tui Cruises leistet aber wie andere Kreuzfahrtschiffe einen kleinen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Das Schiff „Aidanova“ wurde in dieser Woche mit dem Siegel „Blauer Engel“ als emissionsärmstes Schiff ausgezeichnet, bei Tui Cruises versuche man auch an Küsten mit Landstrom auszukommen - sofern es denn Anschlüsse gibt.

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Auch sei auf Plastikstrohhalme verzichtet worden, wie die Klimaaktivistin scheinbar wohlwollend anmerkt, aber um gleich hinterherzuschieben: „Aber wie reduzieren wir Ihre Schiffe auf dem Meer?“ Das sei die drängendere Frage.

Fritz Joussen reagiert wie zuvor; abwehrend. Es gebe schließlich 40.000 Handelsschiffe, aber nur 300 Kreuzfahrtschiffe, hält er entgegen und lacht süffisant. „Das ist doch ein Schwarze-Peter-Spiel!“, greift Lanz ein. „Ich meine das jetzt gar nicht anklagend. Aber wir müssen doch mal überlegen, wie das jetzt weitergehen soll“, meint der Moderator.

„Fridays for future“ sei eine „gute und richtige Bewegung“, findet Joussen. „Das ist ein Phänomen unserer Zeit“, sagt der Tui-Chef. Globale Erwärmung verdiene eine besondere Aufmerksamkeit, meint er. Bleibt zu hoffen, dass die Diskussion um eine Lösung des Klimaproblems also weitergeht.

Die komplette Sendung „Markus Lanz“ im ZDF kannst du hier in der Mediathek nachschauen. (js