Daniel Küblböck: Ein Jahr nach dem Verschwinden – Doku wirft traurige Frage auf

Seit dem 9. September 2018 gilt Daniel Küblböck als verschollen. Sein Verschwinden wirft auch mehr als zwölf Monate später noch Fragen auf.
Seit dem 9. September 2018 gilt Daniel Küblböck als verschollen. Sein Verschwinden wirft auch mehr als zwölf Monate später noch Fragen auf.
Foto: imago images / Horst Galuschka

Vor genau einem Jahr und einem Tag sprang Sänger Daniel Küblböck von Deck des Kreuzfahrtschiffs „AIDAluna“. Seitdem gilt er als verschollen. Auch mehr als zwölf Monate nach seinem Sprung gibt es noch viele ungeklärte Fragen. Alte Freunde und Weggefährten trauern um ihren Verlust. Sie fragen: Hätte das Unglück verhindert werden können?

Daniel Küblböck: Am 9. September springt er vom Kreuzfahrtschiff

Daniel Küblböck sticht mit dem Kreuzfahrtschiff AIDAluna von Hamburg aus in See. Das Ziel: New York. Doch tragischerweise wird er dort nie ankommen. Am 9. September 2018 gegen 5 Uhr morgens, wenige Tage bevor das Schiff in New York anlegen soll, springt Küblböck von Bord.

Die kanadische Küstenwache versucht alles, um den jungen Mann zu finden. Vier Schiffe und zwei Flugzeuge suchen 20 Stunden lang das Meer ab – ohne Erfolg. Sie entdecken kein Lebenszeichen. Schnell entstehen wilde Gerüchte und Spekulationen um den Musiker. Er habe sich gezielt vom Boot abgesetzt und sei eigentlich noch am Leben, lautet eine der am häufigsten verbreiteten Theorien.

+++ Olivia Jones: Daniel Küblböck wollte mehr sein als nur der „schwule Clown“ +++

Doch im November erhalten Ermittlungsbehörden ein Überwachungsvideo vom Deck des Schiffes. Darauf zu sehen ist, so Staatsanwalt Walter Feiler, „wie eine Person zielgerichtet zur Reling geht, die übersteigt und ins Wasser springt.“ Mit wilden Spekulationen ist es nun vorbei. Stattdessen herrscht traurige Gewissheit: Daniel Küblböck wollte springen.

Freunde und Weggefährten sind schockiert

Familie, Freunde und Weggefährten trifft die Nachricht vom Verschwinden Küblböcks hart. Travestiekünstler Olivia Jones äußert sich im Dokumentarfilm „Küblböck - Die Doku“ auf ganz besondere Weise über den Künstler: „Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass er so extrem verzweifelt ist.“ Küblböck und Jones lernen sich bereits kurze Zeit nach seinem Erfolg bei der ersten Staffel von Deutschland sucht den Superstar kennen. Damals wird er dritter - und spaltet das Publikum mit seiner Performance.

Die einen lieben ihn für seine positive Ausstrahlung, für andere ist er bloß ein „Paradiesvogel“, der bei einer Gesangsshow nichts zu suchen habe. Auch Jones erzählt: „Wenn man mit Daniel auf die Straße gegangen ist, hat man sofort gemerkt, wie sehr er polarisiert. Er hat viel mehr Leute gehabt, die ihn wirklich gehasst haben, die ihn beleidigt haben, blöde Sprüche gebracht haben, und darunter hat er sehr gelitten.“

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Was Daniel Küblböck vor allem zu schaffen gemacht haben soll: Niemand hat ihn wirklich ernst genommen. „Vor allem hat Daniel darunter gelitten, dass er nicht ernst genommen worden ist. Viele haben ihn einfach als bunten schwulen Clown gesehen, und das wollte er einfach nicht. Er hat immer dagegen angekämpft. Er wollte immer einfach ganz normal, „seriös“ wahrgenommen werden“, berichtet Jones.

Urlauber berichten von Schwankungen in der Persönlichkeit

Urlauber, die mit auf dem Kreuzfahrtschiff waren, berichten davon, dass sich Küblböck die gesamte Fahrt über eigenartig verhalten habe. So habe er öfter umziehen müssen, weil sich andere Gäste in den Nebenkabinen über ihn beschwert hätten. Er habe in der Kabine gesungen, sei gegen Wände gesprungen, berichten Passagiere in der Küblböck-Dokumentation.

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Wäre der Tod von Daniel Küblböck also zu verhindern gewesen, hätte man den jungen Mann ernst genommen und ihn nicht bloß als Paradiesvogel abgestempelt? Diese Frage wird wohl weiter unbeantwortet bleiben.

Vater will ihn für tot erklären lassen

Die Familie von Kübelböck hat sich bereits im September 2018 kurz nach Beendigung der Suchmaßnahmen von ihm verabschiedet. Im März dieses Jahres sagte Vater Günther Küblböck gegenüber der Bild: „Ich werde ihn für tot erklären lassen. Wir müssen irgendwann diesen Schritt gehen, weil es abgeschlossen werden muss.“

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Doch innerhalb der Familie scheint es dahingehend Uneinigkeit zu geben. So erzählte Stiefmutter Marianne Küblböck bei der Bild: „Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Wir hoffen immer noch auf ein Wunder. Wir lassen ihn auch nicht für tot erklären. Wir haben auch keinen Grund dafür.“

>>Anmerkung der Redaktion<<

Zum Schutz der betroffenen Familien berichten wir normalerweise nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wer unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidet oder jemanden kennt, der daran leidet, kann sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

(dav)