Markus Lanz: Deshalb war der Moderator minutenlang nicht zu hören

Ungewöhnlich: Markus Lanz kam in seiner Sendung kaum zu Wort.
Ungewöhnlich: Markus Lanz kam in seiner Sendung kaum zu Wort.
Foto: ZDF/Screenshot

Das gab es wohl zuvor noch nie bei Markus Lanz: Immer wieder waren da minutenlange Zeitabschnitte, in denen der Moderator einfach mal nicht zu hören war.

Markus Lanz kam am Donnerstagabend kaum zu Wort. Weil er sich einerseits angesichts der Sprachgewalt seiner Gäste selbst sehr zurücknahm, andererseits mit seinen gelegentlichen typischen Unterbrechungsversuchen schlicht nicht durchkam.

Markus Lanz: Gäste diskutieren in Eigenregie

Das führte dazu, dass die Gäste ihre - überaus spannende - Diskussion in Eigenregie führten, und Markus Lanz schließlich gar in Zeitnot brachten.

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Markus Lanz - das waren die Gäste:

  • Sahra Wagenknecht, Politikerin (Die Linke)
  • Sebastian Pufpaff, Kabarettist
  • Ferdinand von Schirach, Autor
  • Mario Basler, Ex-Profifußballer

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Der Talk begann sehr launig. Markus Lanz fragte Ex-Sportler Mario Basler, wie viel er eigentlich so rauche. „Kommt drauf an, wie lang ich schlafe“, sagte der. Anderthalb Schachteln seien es schon. Baslers Redebeitrag hatte sich damit für die nächsten 50 Minuten erschöpft.

Markus Lanz - Gast erklärt: „Wenn es ginge, würd ich mir das Zeug auch injizieren“

„Das schlag ich locker“, erwiderte Autor Ferdinand von Schirach. „Wenn es ginge, würd ich mir das Zeug auch injizieren.“ Eigentlich hätte da das Rauchthema erledigt sein sollen, Markus Lanz wollte gern in medias res gehen. Doch Kabarettist Sebastian Pufpaff schaltete sich ein. Die drei Herren wollten über Tabak quatschen.

Er habe nie geraucht, sein Vater habe ihn einmal an der Pfeife ziehen lassen, das habe gereicht: „Da war ich so vier.“ Schirach: „So hat es bei mir angefangen.“ Pufpaff: „Laufen Sie manchmal so einer Straßenteermaschine hinterher?“

„Er kriegt doch keinen Krebs, weil ich Kekse esse“

Das ließ der Autor unbeantwortet - und holte zu einer weitschweifigen Anekdote mit einer grandiosen Pointe aus. In München habe ihm ein Kellner des Gesetzes wegen mal keinen Kaffee in den Raucherraum bringen dürfen. Und nicht einmal Kekse. „Das verstehe ich nicht. Er kriegt doch keinen Krebs, weil ich Kekse esse.“

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Ferdinand von Schirach

  • 1964 in München geboren
  • Der Jurist ist Schriftsteller und Dramatiker

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Dann meldete sich Markus Lanz aus dem Nichts zurück - und leitete über zu Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Die hatte sich zuletzt für eine längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Verursacht Ihnen das Unbehagen? Hier Scheinwerferlicht?“, fragte Markus Lanz.

Sie sei das ja gewöhnt, aber es mache ihr heutzutage schon vieles Angst, sagte Wagenknecht.

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Markus Lanz stellt Sahra Wagenknecht wichtige Frage

Lanz präsentierte ein altes Foto von ihr aus DDR-Zeiten: Sahra Wagenknecht mit einer Art von toupierter Vokuhila-Frise. „Haben Sie den Friseur eigentlich verklagt“, versuchte sich Markus Lanz an einem Witz - der verfing nicht.

Dann ging es schließlich doch noch um Politik - und wie. Markus Lanz stellte die Frage, die in diesen Tagen so unendlich wichtig ist: „Warum wählen so viele Menschen die AfD? Warum haben Sie so viele Wähler an die Partei verloren?“

Danach war von Markus Lanz sehr lange nichts mehr zu hören. Ferdinand von Schirach, Sahra Wagenknecht und Sebastian Pufpaff bildeten ein politisches Terzett. Das ging so weit, dass Sahra Wagenknecht Markus Lanz einfach knallhart mit erhobener Stimme niederredete, als der Moderator einen zaghaften Wortmeldungsversuch startete.

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Sebastian Pufpaff

  • 1976 in Troisdorf geboren
  • Pufpaff studierte Politikwissenschaften
  • Gründete 2004 das „Bundeskabarett“

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AfD-Diskussion: „Die Leute wollen einen, der auf den Tisch haut“

Spannend war das Gespräch der drei vor allem deshalb, weil sie sich erfrischend uneinig in ihren Erklärungsansätzen waren. Wagenknecht vertrat die These, der Grund fürs Erstarken der Rechten liege im allgemeinen Gefühl des Abgehängtseins bei manchen Wählergruppen.

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„Das glaub ich nicht“, so von Schirach. „All das, was Demokratie ausmacht, die Komplexität und die Güte von Debatten, wird als Schwäche der Demokratie gesehen. Die Leute wollen einen, der auf den Tisch haut. Das ist das Gefährliche.“

Sein Befund ist einigermaßen fatalistisch - und kann erschüttern. Er machte einen grundsätzlichen Wandel aus: „Fast ein Viertel der Menschen haben einen Mann gewählt, der den rechtsradikalen Lagern zuzuordnen ist. Das ist eine komplette Änderung dessen, woraus die Bundesrepublik vorher bestand.“

Schlagabtausch zwischen den Gästen

Seine Lösungsidee: „Es geht nur mit Aufklärung. Jeder muss das begreifen: Auf die komplizierten Fragen gibt es keine einfachen Antworten. So funktioniert die Welt nicht.“

Pufpaff sieht die Dinge anders. Er sagte: „Die Leute haben die Schnauze voll vom Personal. Es werden nicht Rechtsradikale gewählt, sondern den Politikern soll ein Denkzettel verpasst werden.“

Allmählich entwickelte sich ein Schlagabtausch zwischen dem Komiker und von Schirach. Der Autor sagte: „Ich widerspreche Ihnen vollkommen. Sie haben dieses Phänomen ja in allen Ländern. Dann wären die Menschen ja überall nicht zufrieden. Das glaub ich einfach nicht.“

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Markus Lanz:

  • Das ist die Fernsehsendung „Markus Lanz“:
  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz.
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt.
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er zu einem pro Sendung jeweils neuen Thema spricht.

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Dann schaltet sich Markus Lanz wieder ein

Es seien nicht „die Verängstigten“. Pufpaff, hörbar latent gereizt: „Was sind das denn? Ihrer Meinung nach?“

Von Schirachs Antwort: „Das sind Leute, die einfache Lösungen wollen. Für die AfD sind der Asylsuchende und Europa die Schuldigen. Die sagen: Wenn wir diese beiden Sachen in den Griff bekommen, wird es allen besser gehen.“ Das sei für manche Wähler attraktiv.

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Sahra Wagenknecht machte noch ein allgemeines Diskursproblem aus: „Sobald man etwas sagt, das aus einem sehr engen Kreis des Meinungsspektrums geht, wird man in eine rechte Ecke gedrängt, wo man gar nicht hingehört. Das vergiftet die Diskussion.“

Ach ja, Markus Lanz war ja auch noch da. Er musste schließlich eingreifen, als die Diskussion seiner Gäste einfach kein Ende mehr zu nehmen schien: „Punkt an dieser Stelle. Uns läuft leider die Zeit davon.“ Schade.