Deutsche Bahn: „Hart aber fair“-Gast schießt knallhart gegen Konzern – „Ein rollender Haufen Sche**e“

„Hart aber fair“: Ist die Bahn ein Nervenkiller oder der Klimaretter?
„Hart aber fair“: Ist die Bahn ein Nervenkiller oder der Klimaretter?
Foto: ARD

Als Pendler der Deutschen Bahn hat man es oft schwer. Als Bahnchef vermutlich auch: Denn dann ist man ständig mit der Kritik all der Pendler konfrontiert.

So auch bei „Hart aber fair“ am Montagabend in der ARD. Dort war Richard Lutz, Vorstandsvorsitzernder der Deutschen Bahn, zu Gast - der musste sich einiges anhören. Das Thema der Sendung: Klimaretter oder Nervenkiller - was kann die Deutsche Bahn?“

Deutsche Bahn ist für viele Pendler keine Auto-Alternative

Die Bahn verpasst sich derzeit einen grünen Anstrich - im wahrsten Sinne: Denn die ICE-Züge werden jetzt mit einem umweltgrünen statt bahnroten Streifen geschmückt: Die Bahn als klimafreundliche Alternative zum Auto.

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Das Problem: Nach Ansicht vieler Pendler ist die Bahn eben keine echte Alternative. Zu oft gibt es Ausfälle, Verspätungen, Stellwerkstörungen. Und zu undurchsichtig ist das komplizierte Tarifsystem der Bahn, sagen die Kritiker.

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„Hart aber fair“ - das waren die Gäste

  • Richard Lutz, Bahnchef
  • Bernd Althusmann (CDU), Wirtschaftsminister von Niedersachsen
  • Anton Hofreiter (Grüne), Fraktionschef der Grünen
  • Micky Beisenherz. TV-Moderator
  • Judith Henke, Studentin und Pendlerin

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„Hart aber fair“-Gast Micky Beisenherz formuliert es etwas drastischer. Bei Instagram schrieb der TV-Autor neulich: „IC Dortmund nach Hamburg. Bereits in Münster: Bahn kaputt. Alle raus. Mit Kind doppelt lustig. DB-Personenverkehr - ein rollender Haufen gottverdammte Scheiße.“

Micky Beisenherz. „IC ist ein Haufen Altmetall“

„Was hat Sie so auf die Palme gebracht“, will Moderator Frank Plasberg wissen. Der redet sich in Rage: „Der IC ist ein rollender Haufen Altmetall.“ Weil die Klimaanlage defekt gewesen sei, hätten alle Fahrgäste plötzlich aussteigen müssen. „Das ist auch ein Problem: Du kriegst ja sehr lange nicht gesagt, was eigentlich los ist.“

Bahnchef Richard Lutz ging schnell in Verteidigungsstellung. Seine Taktik: Verständnis für die Probleme der Reisenden. Ja, seine Bahn müsse besser werden.

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Frank Plasberg warf dem Bahnchef Taschenspielertricks vor: Etwa wenn die Bahn in ihrer Pünktlichkeitsstatistik eine Verspätung erst ab Minute sechs als solche anerkennt. Dadurch rechnet sich das Unternehmen seine Zahlen schöner als sie sind: Das Pünktlichkeitsziel von 76,5 Prozent für 2019 kann nur so erreicht werden. Wer aber auf Anschlusszüge angewiesen ist, für den können fünf Minuten Verspätung schon überaus ärgerlich sein.

Grünen-Politiker Hofreiter überrascht mit Aussage bei „Hart aber fair“

Erstaunlich war denn eine Aussage von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Der wetterte zunächst gegen die Verkehrspolitik der letzten Jahre: Man habe es versäumt, die Bahn-Infrastruktur auf Stand zu halten und auszubauen.

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Dann sagte er etwas, das aus dem Mund eines Grünen-Politikers zumindest untypisch erscheint. Er fordert: Die Bahn soll konsequenter das Grün an den Strecken entfernen: „Sie müssen schauen, dass die Bäume wegkommen“, sagt er zu Bahnchef Lutz.

„Und wenn jetzt jemand mit dem Naturschutz daherkommt, kann man nur schreiend davonlaufen. Wenn man das rechtzeitig macht, steht da keine 100-jährige Eiche am Gleis.“

Bei all der Kritik an der Bahn: Der Mythos, Bahnfahrten seien teurer als Autofahrten, wurde bei „Hart aber fair“ entzaubert.

In einem Einspieler rechnet die Redaktion vor: Ein Monatsticket für eine Fahrt vom rheinländischen Sechtem über Köln nach Düsseldorf kostet 245,30 Euro. Wer mit dem Auto fahre, müsse mit doppelt so hohen Kosten rechnen - Knöllchen noch nicht eingerechnet. (pen)