AfD: Tino Chrupalla fängt im Interview an zu stottern, als es um DIESES Wort geht

Der neue AfD-Co-Chef Tino Chrupalla im Interview mit „Berlin Direkt“ im ZDF.
Der neue AfD-Co-Chef Tino Chrupalla im Interview mit „Berlin Direkt“ im ZDF.
Foto: ZDF

Tino Chrupalla strahlt. Der Mann ist frisch gebackener Co-Vorsitzender der AfD.

Vielleicht hatte er zu Beginn des Interviews mit dem ZDF mit ein wenig Geplänkel gerechnet - doch „Berlin Direkt“-Moderator Thilo Koll nahm den AfD-Mann kurz nach der Wahl richtig hart in die Zange.

AfD-Mann Tino Chrupalla: „Ich habe nicht von Umvolkung gesprochen“

„Der Kopf des Flügels, Björn Höcke, empfiehlt Sie als guten Mann. Ist Ihre Wahl ein Beleg dafür, dass der radikale Flügel in der Parteispitze angekommen ist?“, fragt Koll. Chrupalla wiegelt siegessicher ab: Es gebe mehrere Strömungen in der Partei, dazu gehöre auch der Flügel. „so ähnlich wie die Werte-Union in der CDU. Ich wirke integrierend und freue mich trotzdem auf die Zusammenarbeit mit Teilen der Partei aus allen Lagern.“

Dann konfrontiert ihn Koll mit diesem Wort: Umvolkung. Chrupalla hatte das Wort, das von den Nationalsozialisten stammt, in einer Rede gebraucht. „In Ihrer Rede auf dem Parteitag haben Sie sich gegen drastische Sprache ausgesprochen. Sie selbst sind aber schon durch radikale Wortwahl aufgefallen. Sie haben beispielsweise einmal von Umvolkung gesprochen.“ Das heiße, er distanziere sich auch von sich selbst, hält der ZDF-Moderator dem AfD-Mann vor.

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Chrupalla weist das von sich: „Ich habe nicht von Umvolkung gesprochen, das würde ich ganz klar dementieren. Wenngleich ich bei Bürgersprechstunden auch diese Begrifflichkeiten zu hören bekomme.“

AfD: „Das ist Sprache der Nationalsozialisten“

Dann bringt Koll den AfD-Mann in Bedrängnis: „Wir haben es von Ihnen auf Video. Also haben Sie davon gesprochen.“ Der neue AfD-Co-Chef gerät ins Stottern, wirkt verunsichert - und räumt plötzlich ein, das Wort doch benutzt zu haben: „Ja, aber ich halte die Umvolkung, ich halte den Begriff Umvolkung nicht für rechtsextrem oder gar, gar, also in dieser Form halte ich ihn nicht für rechtsextrem.“

Eine Ansicht, die der Verfassungsschutz nicht teilt, wie Koll klar macht: „Aber der Verfassungsschutzbericht sagt: Das ist Sprache der Nationalsozialisten.“

Dann begibt sich Tino Chrupalla in die Opferrolle: „Ja, wir wissen alle, dass der Verfassungsschutz in Deutschland politisch agiert, um die größte Oppositionspartei zu schädigen und zu diffamieren.“ Koll weist darauf hin, dass das Wort unabhängig vom Verfassungsschutz historisch betrachtet mit dem Nationalsozialismus verankert sei.

Tino Chrupalla: „Ich weiß nicht, worauf Sie hinaus kommen“

Darauf fällt AfD-Politiker Chrupalla nicht viel ein. „Hmm. Ja. Also wie gesagt, der Verfassungsschutz agiert in diesem Land gegen die größte Opposition politisch, das will ich ganz klar unterstreichen. Und ich weiß jetzt nicht, auf was Sie hinaus kommen, hinaus wollen wollen.“

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Der „Berlin Direkt“-Moderator hakt nach: „War Ihnen das nicht klar, was das für ein Begriff ist, oder haben Sie ihn bewusst gesetzt?“ „Ich hab ihn nicht bewusst gesetzt“, antwortet der AfD-Mann knapp.

Dann spielt Koll dem AfD-Mann einen Videoausschnitt von einer AfD-Veranstaltung vom März 2018 vor. Ein Mann spricht in Mikro: „Das ist ja nichts anderes als Völkermord. Wenn es uns danach als Deutsche nicht mehr gibt, sondern irgendein Mischvolk, dann sind wir Deutschen weg. Das letzte Mal gab es sowas 45. Die Jungs sind am Galgen geendet in Nürnberg. Das müsste man doch mal ansprechen.“

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Chrupalla widerspricht nicht: „Das ist ja genau der Punkt. Das sind ja auch Themen, die Pegida zum Anfang, wo wir auch belacht, also auch Pegida belacht wurde, wo wir von der Islamisierung des Abendlandes sprachen. Wir sehen ja mittlerweile, das ist Realität. Und ich finde, da gebe ich Ihnen zum Teil recht, in einem atemberaubenden Tempo.“

Koll konfrontiert Chrupalla: Er widerspreche da „nicht mit allen Mitteln. Verstehe ich das richtig?“ Der AfD-Mann geht in die Defensive: „Sie sagen nicht mit allen Mitteln. Ich habe sehr wohl widersprochen. Wie Sie das jetzt interpretieren für Ihre Auslegung, das ist natürlich Ihre Sache.“ „Das, was der Herr gesagt hat, war doch klar“, insistiert der ZDF-Journalist. Chrupalla verhaspelt sich: „Was war das klar?“

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AfD-Mann: „Das interpretieren Sie völlig falsch“

„Dass er die Nationalsozialisten, die Kriegsverbrecher, als Jungs bezeichnet. Und Sie haben gesagt, ich gebe Ihnen zum Teil recht.“ Tino Chrupalla versetzt: „Das hab ich nicht getan, dass ich ihm in diesem Punkt recht gegeben habe. Das interpretieren Sie völlig falsch.“

Tino Chrupalla wurde am Samstag beim Bundesparteitag der AfD zum Vorsitzenden gewählt, zusammen mit Jörg Meuthen lenkt er nun die Geschicke der Partei. (pen)