Kevin Kühnert: Dieses Bild zeigt erstaunliche Entwicklung

Kevin Kühnert: Manche hatten ihn schon abgeschrieben - dabei scheint der Juso-Chef sein Ziel erreicht zu haben.
Kevin Kühnert: Manche hatten ihn schon abgeschrieben - dabei scheint der Juso-Chef sein Ziel erreicht zu haben.
Foto: dpa

Manche hatten ihn tatsächlich schon abgeschrieben: Kevin Kühnert war nicht zur Wahl um den SPD-Vorsitz angetreten, obwohl nicht wenige ihn als Hoffnungsträger gesehen hatten. Kritiker hatten das als Zeichen von Mutlosigkeit gewertet.

ZDF-Moderator Markus Lanz etwa hatte den Juso-Chef vor einigen Monaten in seinem TV-Talk noch richtig in die Zange genommen, nachdem Kühnert offiziell erklärt hatte, sich nicht zur Wahl stellen zu wollen. „Die Karriere von Juso-Chefs kann sehr unterschiedlich aussehen. Johanna Uekermann ist jetzt Jugendsekretärin bei der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft. Gerhard Schröder wurde Kanzler. Wo wollen Sie hin?“, hatte Lanz damals provokant gefragt. Kühnert sagte damals, Johanna Uekermann fühle er sich eher verbunden. (>> Hier mehr dazu)

Kevin Kühnert bleibt nicht in den hinteren Reihen

Jetzt ist klar: Kevin Kühnert steht zumindest entgegen diverser Unkenrufe der vergangenen Monate nicht in der hinteren Reihe der SPD - ganz im Gegenteil.

Ein Bild, das Kühnert bei Twitter jetzt gepostet hat, zeigt einen quietschvergnügten Juso-Chef und einen ebenso fröhlichen SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil - mit einem roten SPD-Toaster. „Am Tag danach übrigens nochmal fette Props und einen Toast(er) auf Lars Klingbeil und das gesamte Team im Willy-Brandt-Haus. Wahnsinn, was ihr in diesem Jahr wieder runtergerissen habt. Bester #GeneLARSekretär, bestes Team!“

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Am Tag nach der Wahl ist die Laune hervorragend beim Juso-Chef: Denn die SPD-Mitglieder haben seine Wunschkandidaten Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken in einer Stichwahl zum Spitzenduo der Sozialdemokraten gemacht.

Kevin Kühnert: „Laut werden für eine linke SPD“

Kühnert hat sich durchaus aktiv für die beiden Kandidaten eingesetzt. Im September hatte er eine E-Mail an Juso-Mitglieder geschickt: Darin ein Link zu einer Liste mit „Anregungen für mögliche Fragen“ unter der Überschrift „Laut werden für eine linke SPD!“

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Die Jusos sollten vor der Wahl mit diesen Fragen die Diskussion aus dem Publikum befeuern und in eine bestimmte Richtung lenken, als die Kandidaten sich auf den SPD-Regionalkonferenzen vorstellten.

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Kevin Kühnert

  • 1989 in Berlin (West) geboren
  • 2005 trat er in die SPD ein
  • 2012 bis 2015: Landesvorsitzender der Jusos Berlin
  • 2015 bis 2017: Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos
  • Seit 2017: Bundesvorsitzender der Jusos
  • Im September erklärte Kühnert, nicht zur Wahl des SPD-Parteivorsitzenden anzutreten
  • Beim Parteitag will er sich in den Vorstand wählen lassen

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Dafür gab es auch Kritik. Der Vorwurf: Kühnert wolle damit die Wahl der neuen SPD-Spitze beeinflussen. Das ließ der 30-Jährige an sich abperlen. Via Twitter schrieb er: „Große Aufregung heute am Telefon unserer Jusos-Pressestelle: Haben die Jusos etwa ihren Mitgliedern empfohlen, sich bei den Kandidierenden für den SPD-Parteivorsitz danach zu erkundigen, wie sie sich zu wichtigen Juso-Forderungen positionieren? Spoiler: Ja, haben sie!“

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Jetzt ist das Ziel erreicht: Die Jusos haben die Wahl maßgeblich mitverantwortet. Und die Groko wackelt angesichts dieser neuen SPD-Spitze nun gefährlich - also jenes Konstrukt, dass Kevin Kühnert mit seiner „No-Groko“-Kampagne am liebsten verhindert hätte.

Was heißt das für die Karriere von Kevin Kühnert? Er hatte zuletzt klar gemacht, dass er in den Parteivorstand will und sich den Posten als SPD-Vize durchaus vorstellen könnte - und das am Dienstag noch einmal bekräftigt.

Er werde sich beim SPD-Parteitag am Freitag in Berlin zur Wahl stellen, sagte er gegenüber der „Rheinischen Post“.

War sein Verzicht auf die Vorsitzenden-Kandidatur am Ende auch eine geschickte taktische Entscheidung? Langfristig tendiert Kühnert karrieretechnisch vielleicht ja doch eher in Richtung Gerhard Schröder.