Türkei: Erdogan schließt Abkommen mit Libyen – fatale Folgen für Urlauber

Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdogan. Er steht (mal wieder) in der Kritik.
Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdogan. Er steht (mal wieder) in der Kritik.
Foto: Pool Presidential Press Service/AP/dpa

Ankara/Tripolis/Athen. Am östlichen Mittelmeer ziehen dunkle Wolken auf – möglicherweise mit verheerenden Folgen für Urlauber!

Seit Jahren streiten sich die Türkei und die Mittelmeer-Anrainer um Erdgasvorkommen unter dem Meer zwischen Griechenland, Zypern und Ägypten. Die Türkei erhebt Ansprüche auf die Fläche – und Präsident Recep Tayyip Erdogan (65) will jetzt Nägel mit Köpfen machen.

Denn: Ankara hat ein Abkommen mit Libyen ausgehandelt, das eine gemeinsame Wirtschaftszone beider Staaten definiert. Sie erstreckt sich von der Türkei bis Nordafrika. Im Klartext: Der größte Teil des östlichen Mittelmeeres wäre so unter türkischer Kontrolle!

Türkei: Provokation mit neuer Mittelmeer-Karte

Besonders provokant: Die Türkei hat Karten veröffentlicht, auf denen das Seegebiet um die griechischen Inseln östlich von Kreta als türkische Wirtschaftszone gilt. Laut dem internationalen Seerechtsabkommen von 1994 gehören die aber zu Griechenland, Zypern und Ägypten. Die drei Länder hatten schon zuvor scharf gegen die Ratifizierung des Türkei-Libyen-Abkommens protestiert.

Erdogan: „Haben Kontrolle größtmöglich ausgedehnt!“

Das scheint Erdogan nicht zu interessieren. Im Staatssender TRT hat er gesagt: „Mit diesem Abkommen haben wir das Territorium, auf das wir Kontrolle ausüben, größtmöglich ausgedehnt.“ Die EU hatte bereits wegen türkischer Gasbohrungen vor Zyperns Küste Sanktionen angedroht. Der jetzige Schritt wäre aber eine Eskalationsstufe schärfer.

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Recep Tayyip Erdogan:

  • Erdogan ist seit dem 28. August 2014 Präsident der Türkei
  • Er wurde am 26. Februar 1954 geboren
  • Er ist Vorsitzender der Partei AKP
  • Nach dem Verfassungsreferendum 2017 wurde das parlamentarische System im Juli 2018 bei einer vorgezogenen Wahl in ein Präsidialamt umgewandelt, damit Erdogan mehr Macht inne hat
  • Erdogan setzt sich für eine Wiedereinführung der Todesstrafe ein
  • Seit 2017 hat es zahlreiche Verhaftungen von deutschen Journalisten und Staatsangehörigen gegeben. Diese standen stets im Zusammenhang mit regierungskritischen Äußerungen in den sozialen Medien

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Bürgerkrieg in Libyen verschärft sich

Doch nicht nur auf die Erdgasvorkommen schielt der 65-Jährige. Auch auf das Öl in Libyen scheint er es abgesehen zu haben, erwägt sogar die Entsendung von türkischen Truppen in das Land, um die Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj (59) im Bürgerkrieg gegen den aufständischen General Chalifa Haftar (76) zu unterstützen.

Haftar selbst wird wiederum von Saudi-Arabien, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und nicht zuletzt von Russland unterstützt. Er hatte angekündigt, die Hauptstadt Tripolis bis Jahresende einzunehmen. Ein direkter Konflikt zwischen den Regionalmächten bahnt sich also an, wenngleich zunächst politisch.

Griechenland schickt Kriegsschiffe

Athen nannte den türkisch-libyschen Vertrag „völker- und seerechtswidrig“, forderte die EU und Nato zur Solidarität auf. Notfalls werde man die türkischen Schritte mit Waffengewalt verhindern. Der libysche Botschafter wurde inzwischen ausgewiesen, auch Kriegsschiffe hat Griechenland bereits in das Gebiet entsandt.

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Scheint also ein heißer Winter zu werden, und aktuell scheint keine ideale Zeit, um am milden Mittelmeer Urlaub zu machen ...