Clankriminalität: Ermittler nehmen Bande hoch – mit diesem „Lieferservice“ machten sie ihr Geld

Im Kampf gegen Clankriminalität haben Ermittler in Berlin einen Erfolg zu verzeichnen. (Symbolbild)
Im Kampf gegen Clankriminalität haben Ermittler in Berlin einen Erfolg zu verzeichnen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Berlin. Schlag gegen Clankriminalität in Berlin!

Polizei und Staatsanwaltschaft haben diese Woche in ganz Berlin 36 Objekte durchsucht und Haftbefehle gegen neun Tatverdächtige vollstreckt.

Die Verdächtigen zwischen 16 und 36 Jahren sollen in Berlin einen Kokain-Lieferservice betrieben haben. Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Berlin hatten wegen bandenmäßigem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gegen die mutmaßlichen Betreiber des Kokainlieferservice ermittelt. Jetzt haben die Ermittler im Kampf gegen Clankriminalität zugeschlagen!

Clankriminalität: Ermittler gelingt Schlag gegen Kokstaxis

Die neun Verdächtigen sollen einen festen Kundenstamm von ca. 850 Personen im ganzen Berliner Stadtgebiet beliefert haben. Die Polizei stellte elf Autos als Tatmittel sicher. Auch ein vierstelliger Bargeldbetrag und Handelsutensilien wurden beschlagnahmt.

Am Freitagabend teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin dann mit: bei der Durchsuchung der sichergestellten Autos fanden die Ermittler in einem Auto knapp ein Kilogramm Kokain. Die Drogen wurden sichergestellt.

„Für uns ist es ein Erfolg, das ist einer der bislang größten Fälle“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Mona Lorenz. Der gezielten Aktion seien monatelange verdeckte Ermittlungen vorausgegangen.

Berlin hat den Lieferservice von Drogen verstärkt in den Blick genommen. Seit Mai 2019 führt die Polizei eine extra Statistik zu „Btm-Lieferservice“ bei illegalem Handel mit Kokain. Allein bis zum 1. Oktober des Vorjahres wurden laut Polizei 35 Ermittlungsverfahren zum Kokain-Lieferservice eingeleitet.

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So funktioniert der Kokainlieferservice:

  • Mit Visitenkarten, etwa für ein Obst-Taxi, werben die Drogenkuriere
  • Nach Bestellung per Mobiltelefon werden die Drogen zu den Kunden gefahren
  • Stammkunden zahlen in der Regel für „eine Konsumeinheit“ 30 bis 35 Euro, Neukunden bis zu 50 Euro.

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Nach Einschätzung des SPD-Innenexperten Tom Schreiber suchen Kriminelle nach immer neuen Wegen, ihren Stoff abzusetzen. Allerdings seien Dealer und Fahrer, die das Kokain zu den Konsumenten bringen, nur das Ende einer Kette, zu der komplexe kriminelle Strukturen gehörten. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich am Donnerstag entschlossen: „Das Zeichen, das vom heutigen Einsatz ausgeht, ist eindeutig: Der Kampf gegen Clankriminalität geht auch 2020 unvermindert weiter.“

Schon im letzten Jahr flog Koks-Taxi auf

Es ist nicht der erste Drogen-Service, der aufflog. Im November des Vorjahres gingen Ermittler in Berlin und Brandenburg gegen einen solchen Lieferdienst vor; gegen drei mutmaßlichen Organisatoren wurden Haftbefehle erlassen.

Smart-Fahrer fliegt auf

Auch am Wochenende kam es zu einer Festnahme eines Mannes, der im Verdacht steht Kokain auf Anfrage zu liefern. Der 20-jährige Mann war den zivilen Einsatzkräften gegen 23.45 Uhr in der Mollstraße in einem Smart aufgefallen. Als die weiteren Beobachtungen den Verdacht erhärteten, schlugen die Fahnder zu. Zunächst nahmen sie einen 30-jährigen mutmaßlichen Kokainkäufer und anschließend den zuvor beobachteten 20-jährigen mutmaßlichen Kokainhändler fest.

Im Smart kamen dann weitere raffiniert versteckte Drogen zu Tage. Der 30-Jährige wurde noch am Ort wieder auf freien Fuß gesetzt. Der mutmaßliche Händler wurde dem Rauschgiftkommissariat der Polizeidirektion 5 überstellt. Erschwerend kam hinzu, dass der Drogentest positiv ausfiel, so dass der weitere Verdacht bestand, dass der 20-Jährige unter Drogen den Smart fuhr. Die Ermittlungen dauern an. (ms mit dpa)