Coronavirus: Urlaub stornieren? Das musst du jetzt wissen

Corona Deutschland (13.3.)
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In Italien ist das öffentliche Leben durch die Verbreitung des Coronavirus bereits zum Erliegen gekommen, die USA hat ein Einreiseverbot für viele Europäer erlassen. In Israel, Tschechien oder der Ukraine kommen Ausländer nicht mehr rein oder raus, Russland, Norwegen, Malta und Rumänien verhängen für Einreisende eine 14-tägige Quarantäne.

Coronavirus: Das müssen Urlauber jetzt wissen

Das hat Folgen für Urlauber und geplante Reisen. Wir haben alle Informationen über die Folgen des Coronavirus für deinen Urlaub zusammengetragen.

Coronavirus: Das sind die internationalen Risikogebiete

  • Italien
  • Iran
  • China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan)
  • Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)
  • Frankreich: Region Grand Est (diese Region enthält Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne)

Das ist die Rechtslage:

Wichtig bei Erstattungs- und Entschädigungsfragen im Reiserecht ist der Grund für eine Absage. Genauer: Liegen im Zusammenhang mit dem Coronavirus sogenannte unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vor?

„Wegen der Einzigartigkeit der aktuellen Virus-Epidemie“ gibt es hier noch keine klare Rechtsprechung, wie der ADAC erklärt. Verbraucherschützer und Juristen sehen aber Orientierungsmöglichkeiten: Demnach gelten Einreiseverbote oder gesperrte Urlaubsregionen als außergewöhnliche Umstände, ebenso wie offizielle Reisewarnungen des Auswärtigen Amts - zumindest, wenn sie erst nach der Buchung ausgesprochen wurden.

Rät das Amt nur von nicht notwendigen Reisen ab, begründet das dagegen keinen außergewöhnlichen Umstand.

Flug stornieren - das musst du wissen:

Bei Flugausfällen ist die Rechtslage klar: Betroffene Kunden erhalten nach der EU-Fluggastrechteverordnung in jedem Fall ihr Geld zurück - unabhängig davon, ob die Airline den Ausfall selbst zu verantworten hat oder nicht. Lediglich ein genereller Anspruch auf zusätzliche Entschädigung besteht nicht, wenn sich Fluggesellschaften auf außergewöhnliche Umstände wegen des Virus berufen.

Streichen sie Flüge aber nicht von sich aus, wird es für die Fluggäste schwieriger - selbst wenn wie aktuell in den USA die Einreise gesperrt ist. Denn Verbraucher können ihrerseits bei einzeln gekauften Flugtickets nicht nach europäischem Recht auf außergewöhnliche Umstände verweisen und kostenlos stornieren, wie Reiserechtsexperte Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt.

Hier könnten sie grundsätzlich nur „ganz schnell auf die Airline zugehen“ und eine Kulanzregelung treffen - oder abwarten, bis der Flug womöglich doch gestrichen wird. Nach Informationen des Verbraucherzentrale Bundesverbands bieten aber zahlreiche Gesellschaften „freiwillige Angebote, umzubuchen oder zu stornieren“.

Urlaub stornieren - das musst du wissen

Individualreisende müssen nicht nur bei ihren Flügen, sondern auch bei ihren Einzelleistungen im Reiseland genau in die Verträge schauen. Können Hotels oder Transportmittel nicht genutzt werden, weil sie beispielsweise in einem Sperrgebiet liegen, ist eine Erstattung möglich. Allerdings nur nach deutschem Recht, warnen Verbraucherschützer.

Wenn der Flug Teil einer in Europa gebuchten Pauschalreise ist, haben es Verbraucher leichter. Denn Pauschalreisen sind grundsätzlich unter Berufung auf außergewöhnliche Umstände kostenlos stornierbar. Dafür muss es nicht bis zur Reisewarnung oder Einreisehemmnissen kommen: Auch wenn die Reise deutlich beeinträchtigt ist, weil zum Beispiel wesentliche Sehenswürdigkeiten oder Routen vor Ort gesperrt sind, war das in der Regel vor der Buchung nicht absehbar und Betroffene können kostenlos zurücktreten.

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So reagieren die Reiseanbieter

Hast du bei TUI vor dem 29. Februar gebucht, gelten unverändert die in Ihrem Reisevertrag angegebenen Umbuchungs- und Stornobedingungen. TUI bietet Kunden für alle Reisen, die im Zeitraum vom 29. Februar bis 18. April gebucht werden, eine kostenlose Umbuchungs- und Stornomöglichkeit an. Ähnliches gilt bei den DER Touristik-Veranstaltern Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen oder FTI.

"Aber aktuell bucht so gut wie keiner etwas neues", sagt eine Reisebüro-Mitarbeiterin gegenüber DER WESTEN.

Beim Unterkünfte-Vermittler AirBNB können Buchungen kostenlos storniert werden, wenn Gäste in stark betroffene Gebiete reisen oder aus solchen Gegenden anreisen.

Sonderkulanz bei Deutscher Bahn

Die Deutsche Bahn weitet angesichts der Coronavirus-Pandemie ihre Kulanzregeln für Fahrgäste erneut aus. Ab Montag soll es für Fahrgäste auch unabhängig von Risikogebieten oder der Absage von Großveranstaltungen die Möglichkeit geben, Sparpreis- und Supersparpreistickets in Gutscheine umzutauschen. Damit wolle die Bahn auch ein wichtiges „Signal zur Beruhigung“ aussenden, sagte Richard Lutz am Freitag in Berlin.

„Natürlich haben wir Verständnis dafür, wenn unsere Kunden in der aktuellen Situation ihre gebuchte Reise noch einmal überdenken wollen“, erklärte Lutz. Aus diesem Grund habe sich die Bahn entschieden, eine „deutschlandweite Sonderkulanz-Regelung einzurichten“.

Fernbus-Unternehmen lässt jeden zweiten Platz frei

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus verkauft das Kölner Fernbusunternehmen Pinkbus künftig nur noch jede zweite Fahrkarte. „Wir wollen damit die Fahrgäste vor Ansteckung schützen“, sagte Geschäftsführer Christian Höber am Donnerstag. Jedem Fahrgast solle ein freier Platz neben sich garantiert sein.

Der deutsche Fernbus-Marktführer Flixbus, der auch international unterwegs ist, hat seine Fahrten nach Italien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingestellt. Das Unternehmen BlaBlaBus beklagt für seine Busse bereits einen Rückgang des Geschäfts um rund ein Fünftel.

Kreuzfahrten: Aida stellt Flotte vorübergehend ein

Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises stellt die Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte wegen der Ausbreitung des Coronavirus zunächst bis Anfang April ein. In den kommenden drei bis vier Tagen beenden die Schiffe ihre Fahrten an geeigneten Standorten, von denen die Passagiere nach Hause gebracht werden können, wie ein Aida-Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte.

So hart trifft die Corona-Krise die Reisebranche

Die Reisebranche ist schon jetzt besonders von der Corona-Krise betroffen. Der Welt-Tourismus-Verband sieht weltweit bis zu 50 Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Asien dürfte dabei der am stärksten betroffene Kontinent sein. (ms mit dpa)