Coronavirus: Lkw-Fahrer schlägt Alarm – „Es wird Zeit, dass...“

Wegen des Coronavirus haben es zahlreiche Lkw-Fahrer mit teils unmenschlichen Bedingungen zu tun.
Wegen des Coronavirus haben es zahlreiche Lkw-Fahrer mit teils unmenschlichen Bedingungen zu tun.
Foto: dpa/privat; Montage: DER WESTEN

Wie ein Held? Viele mögen derzeit meinen, ja. Aber nein. Wie ein Held, so fühlt sich Carsten Bremer (42) nicht. Der 42-Jährige aus Nickenich am Laacher See ist Lkw-Fahrer.

Neben der Kassiererin im Supermarkt, dem Hausarzt und der Krankenschwester sind die Lkw-Fahrer in Tagen des Coronavirus diejenigen, die das Land am Laufen halten. Für sie wird abends am Fenster geklatscht und auch die Regierung sagte Danke. Doch was dabei kaum Beachtung findet: Auch für die Lkw-Fahrer hat sich in Corona-Zeiten die Lage drastisch verschlechtert.

Coronavirus: Lkw-Fahrer schlägt Alarm wegen Hygiene

Seit knapp 20 Jahren ist Carsten Bremer mit seinem 16-Tonner im Westen Deutschlands unterwegs. Was er die letzten Tage beobachtet, macht nicht nur ihn wütend. Da Raststätten ohne Tankstelle wegen der Corona-Verordnungen schließen müssen, wurden Toiletten und Duschen zum Teil über Nacht dicht gemacht. Es fehlt an Toiletten, Wasch- und Essensmöglichkeiten.

„Wer den ganzen Tag auf der Straße unterwegs ist, der muss auch mal auf Toilette“, beginnt Bremer seine Schilderungen. Normalerweise steuere er dazu eine der rund 300 Raststätten von „Tank & Rast“ an und zahle lieber etwas Geld für hygienische Toiletten. Doch in den letzten Tagen beobachtet er, dass die Toiletten von Sanifair zwar aufgrund des Coronavirus kostenlos benutzbar sind, doch dafür offenbar teilweise auch sich selbst überlassen wurden.

„Ich habe Toiletten gesehen, wo es kein Desinfektionsmittel, kein Toilettenpapier und offenbar keine Reinigung gab“, erzählt Bremer. „Anderswo wurden die Toiletten auch einfach durch Dixie-Klos ersetzt. Jeder weiß, was für eine unhygienische Sache das ist.“ Auch bei Kunden bleiben die Toiletten aktuell zu.

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„Verdreckte Dixi-Klos auf dem Hof“

Markus Bauer, Chefredakteur vom Magazin Fernfahrer, hat genau das in einem Offenen Brief an die Autohofbetreiber bemängelt: „Während die Raststätten von Tank & Rast den Fahrern weiter, wenn auch teils etwas eingeschränkt, eben diese Grundversorgung noch bieten (müssen), erreichen uns zunehmend Anrufe und Zuschriften von Fahrern, die genau das auf vielen Autohöfen nicht mehr auffinden. Auch einige Verlader verweigern den Fahrern den Zutritt zu sanitären Anlagen, dafür stehen verdreckte Dixi-Klos auf dem Hof.“

Auch Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, wünscht sich mehr Unterstützung für die Lkw-Fahrer. Dem SWR sagte er: „Deswegen fordern wir die Einrichtung von 5-6 Notfallzentren oder Notstellen, wo wir den Fahrern Akuthilfe zukommen lassen können. Das geht bei Hygieneprodukten los und endet bei der Versorgung von Lebensmitteln. Wir hoffen, dass wir kurzfristig ein Signal bekommen und die Fahrer unterstützen können.“

Mehr Wertschätzung auch in Nicht-Krisenzeiten

Auch darüber hinaus hofft er auf ein mehr Wertschätzung für die Brummi-Fahrer: „Es wird Zeit, dass auch die Bevölkerung umdenkt. Die Lkw-Fahrer haben auch schon vor der Krise die Versorgung am Laufen gehalten. Das ist auch die Angst: dass man sie nach der Krise schnell wieder vergisst. Wir brauchen die Lkws, um unseren täglichen Konsum und unsere Wirtschaft aufrechtzuerhalten.“

Respekt vor Krankenpflegern

Carsten Bremer beobachtet bislang wenig Veränderungen. „Es ist eigentlich alles wie immer. Wir Lkw-Fahrer genießen eben nicht den besten Ruf. Die Autofahrer nehmen nicht mehr Rücksicht als sonst“, sagt er schmunzelnd. Seine Tage sind derzeit lang. Meist ist er statt acht über zehn Stunden unterwegs. „Aber das ist im Vergleich zu manchen Krankenpflegern ja gar nichts“, will Bremer sich nicht beklagen. „Ich habe beim Einkaufen eine Krankenschwester getroffen, die von 18 Stunden Schichten erzählte.“

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„Wie eine Geisterstadt“

Bremer versucht so gut es eben möglich ist, auf die Hygiene zu achten, hat sein Fläschchen Desinfektionsmittel immer dabei. Gab es früher beim Entladen beim Kunden schon mal ein Kaffee, ist aktuell jeder um Distanz bemüht.

Immerhin ein Gutes hat die Corona-Krise für den Lkw-Fahrer aber dann doch. „Die Straßen sind leerer. Es gibt deutlich weniger Staus auf den Autobahnen.“

Mit seinem 16-Tonner war Bremer in dieser Woche im Ruhrgebiet unterwegs. Der Anblick war ungewohnt. „Es war wie eine Geisterstadt", erzählt er. „Die Autobahnen und Innenstädte komplett leergefegt.“