Coronavirus legt ganz Europa lahm! Nur in einem Land ist alles anders

Foto: Imago images/privat; Montage: DER WESTEN

Das Coronavirus legt ganz Europa lahm! Ganz Europa? Nein, nicht ganz. In Weißrussland läuft das öffentliche Leben weiter!

Ausgangssperre, Kontaktverbot, geschlossene Schulen oder Kindergärten? Nicht in Weißrussland. Hier nimmt man die Verbreitung des Coronavirus bislang mit stoischer Gelassenheit hin. Präsident Alexander Lukaschenko, seit 1994 im Amt, hält nichts von den drakonischen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, die seine Nachbarn in Europa eingeführt haben.

Coronavirus in Europa: Mit Traktoren, Sauna und Wodka gegen Covid-19

„Ich nenne dieses Coronavirus nicht anders als eine Psychose und lasse mich auch nicht davon abbringen“, sagte der als „letzter Diktator Europas“ bekannte Staatschef. Seine Marschroute: „Wir müssen arbeiten und sollten keine Panik verbreiten. Die epidemische Situation ist nicht schlechter als in den anderen Jahren.“

Seine Empfehlungen zur Vorbeugung neben dem regelmäßigen Händewaschen kann man durchaus als bizarr bezeichnen. „Ich trinke selbst keinen Alkohol, aber ich sage das oft scherzhaft, 40, 50 Gramm Wodka schaden jetzt nicht.“

Auch der regelmäßige Gang in die Trockensauna sei eine gute Sache, denn „die Chinesen haben uns gesagt, dass Virus stirbt bei 60 Grad.“ Überhaupt sei arbeiten aber in der aktuellen Situation das Beste. Lukaschenko freue sich im Fernsehen zu sehen, wie die Menschen in den Dörfern alle auf Traktoren arbeiteten. „Niemand spricht über irgendwelche Viren. Der Traktor und die Felder werden dort alle heilen.“

Die „Traktor-Therapie“ ist längst zum Running-Gag im Land geworden.

Mediziner aus Weißrussland: „Menschen haben Angst“

Doch zum Lachen ist vielen Menschen in Weißrussland nicht. Ein Großteil der Bevölkerung traut der Regierung schon lange nicht mehr. „Lukaschenko ist ein Clown“, erzählt Vicentius (23) im Gespräch mit dieser Redaktion. Seinen richtigen Namen will er lieber nicht in einem Artikel lesen. Das könnte schnell zu Problemen im autokratisch regierten Land führen. Er sagt: „Die Menschen haben Angst. Manche bleiben von sich aus zu Hause, doch die meisten haben keine Wahl.“

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Offiziell 86 Infizierte

Offiziell gibt es bislang nur 86 Infizierte (Stand Donnerstag, 12 Uhr). Doch der 23-jährige Allgemeinmediziner glaubt nicht daran. Einige seiner Freunde arbeiten in verschiedenen Krankenhäuser in der Hauptstadt Minsk, erzählt er. „Sie berichten, dass die Situation schlimmer ist, als die Regierung vorgibt.“ Auch er hält die Zahlen für eine Lüge.

In Minsk geht derweil alles seinen gewohnten Gang. Restaurants, Kinos und Bars haben geöffnet, ältere Frauen verkaufen Blumen und Obst auf den Straßen, in den Bussen und Bahnen stehen die Menschen dicht gedrängt.

In Weißrussland rollt trotz Corona der Ball

Selbst der Ball rollt nach wie vor in Weißrussland - als letztes Land in Europa. Ungeachtet von Corona ist die Vysheyshaya Liha am vergangenen Wochenende in die Saison gestartet. Geisterspiele? Weit gefehlt. 10.474 Fans kamen insgesamt, im Schnitt also 1.309 Besucher pro Spiel und damit nur etwas weniger als sonst.

„Eine Oase in der toten Fußballwüste“ – bezeichneten Fußball-Kommentatoren die Liga. TV-Sender aus dem benachbarten Russland, wo die Liga vorerst bis 10. April pausiert, sicherten sich schnell die Rechte für die sonst kaum beachtete Liga.

Alexander Hleb kritisiert und wünscht sich Messi und Ronaldo

Der wohl größte weißrussische Fußballer Alexander Hleb, der einst beim VfB Stuttgart, Arsenal London und dem FC Barcelona spielte und kürzlich seine Karriere beendet hatte, kritisierte gegenüber der britischen Boulevardzeitung „Sun“: „Es ist, als wenn sich niemand darum kümmert. Jeder weiß, was in Spanien und Italien passiert. Das sieht nicht gut aus.“ Der 39-jährige Ex-Profi bleibe mit seiner Familie zu Hause, sagte er. Aber wenn er „rausgehe, sind die Straßen und Restaurants immer noch voll“.

Sein nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag: „Die ganze Welt schaut nun auf die weißrussische Liga. Vielleicht könnten Lionel Messi und Cristiano Ronaldo in die weißrussische Liga kommen, um weiterzumachen“.