Anne Will: Wirtschaftsexperte schießt gegen Politiker – „Aus dieser Nummer kommen Sie doch nie raus!“

Anne Will diskutierte am Sonntagabend mit ihren Gästen über die neu verordneten Corona-Lockerungen.
Anne Will diskutierte am Sonntagabend mit ihren Gästen über die neu verordneten Corona-Lockerungen.
Foto: ARD

Die Bundesregierung lockert langsam die Corona-Verordnungen – allerdings unter strengen Vorsichtsmaßnahmen. Ein erneuter Anstieg der Infektionszahlen soll um jeden Preis verhindert werden. Vizekanzler Olaf Scholz spricht gar von einer „neuen Normalität“ – doch wie soll die aussehen? Darüber sprach Anne Will am Sonntagabend mit ihren Gästen in der ARD, unter anderem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Möbelgeschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen öffnen, Gastronomiebetriebe aber nicht. Nach und nach sollen die Schulen im Land wieder öffnen, die Kontaktsperren bleiben aber noch bestehen. „Mit Vorsicht aus der Corona-Krise - wie hart trifft uns die "neue Normalität"?“ – eine Frage, die bei den Gästen von Anne Will für hitzige Diskussionen sorgte.

Anne Will in der ARD - Die Gäste:

  • Peter Altmaier (CDU)
  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)
  • Michael Kretschmer (CDU)
  • Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln)
  • Michael Meyer-Hermann (Immunologie-Experte vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung)

---------------

Anne Will: Sachsen Ministerpräsident warnt – „Bin da nicht so hoffnungsfroh“

Als erstes Bundesland verordnet Sachsen ab Montag eine Mundschutzpflicht beim Nahverkehr und beim Einkaufen. Auch die Schulen im Freistaat werden ab Anfang Mai für die Abschlussklassen wieder geöffnet. Die Vorbereitungen dafür bezeichnet Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) als „klug und vernünftig“. Wirtschaftsexperte Michael Hüther widerspricht und wünscht sich beispielsweise auch eine vorsichtige Öffnung der Grundschulen – ansonsten drohe ein herber Bildungsverlust. „Da werden wir lange dran arbeiten müssen“, so Hüther.

Stundenpläne entschlacken, halbierte Klassen und Mindestabstand im Klassenzimmer – so sehen die Vorschläge des Ökonoms aus. Doch Kretschmer wehrt sich vehement dagegen, noch mehr Jahrgänge wieder für den Schulunterricht zuzulassen. Bei einem erneuten Corona-Fall wäre die Personenzahl dann viel zu hoch, um eine mögliche Infektionskette wirkungsvoll nachzuverfolgen.

Wenn die Testphase mit den Abschlussjahrgängen positiv verläuft, könne man Schritt für Schritt über andere Klassenstufen nachdenken. Doch Kretschmer warnt. „Ich bin da nicht so hoffnungsfroh, dass uns das gelingen wird“, so der sächsische Ministerpräsident, „weil der Virus nach wie vor in der Welt ist.“

----------------

Weitere Themen:

----------------

Infektionsforscher warnt vor Lockerungen: „Dann sind wir handlungsunfähig“

Doch die Argumentation des CDU-Politikers kann Wirtschaftsexperte Hüther so nicht stehen lassen. „Aus dieser Nummer kommen Sie doch nie raus“, meint er. Demnach müsse man ja alle Modelle von Schulöffnungen komplett unterlassen, solange das Coronavirus existiert: „Was Sie da beschreiben, das können Sie im September genauso haben, wenn Sie da einen Corona-Fall haben, den wir nicht ausschließen können.“

+++ Du willst über alle aktuellen Entwicklungen des Coronavirus auf dem Laufenden gehalten werden? Hier geht's zu unserem News-Blog>>> +++

An diesem Punkt bringt sich dann auch Immunologie-Forscher Michael Meyer-Hermann ins Spiel und warnt eindringlich vor einer überhasteten Rückkehr zur Normalität. „Wenn wir ein bestimmtes Maß an Lockerungen überschreiten, dann werden wir wieder in das expontentielle Wachstum hineinfallen“, mahnt er. „Dann sind wir handlungsunfähig.“ Merkel habe nicht umsonst gesagt, dass der Handlungsspielraum extrem klein sei. „Und damit hat sie verdammt noch mal recht“, betont Meyer-Hermann. (at)

Anne Will läuft sonntags um 21.45 Uhr in der ARD. Ganze Folgen gibt's auch in der Mediathek.