Markus Lanz: CDU-Mann Norbert Röttgen haut dazwischen – „Die Frage ist peinlich“

CDU-Mann Norbert Röttgen.
CDU-Mann Norbert Röttgen.
Foto: Screenshot ZDF

Es war DER Aufreger der vergangenen Tage. Bei der Firma Westfleisch in Coesfeld wurden mehr als 200 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Ein riesiger Skandal, der nun auch bei Markus Lanz angekommen ist. Am Mittwochabend diskutierte der ZDF-Talkmaster unter anderem mit CDU-Mann Norbert Röttgen über das Thema.

Und schnell wurde klar, es geht nicht allein um die Ansteckung an sich. Das Problem sitzt viel tiefer, wie Röttgen gegenüber Markus Lanz offen zugab.

Markus Lanz: Fleischskandal betrifft Politik und Verbraucher

Es geht um Arbeiter, die für wenig Lohn unter schlimmen Bedingungen arbeiten müssen. Um Arbeiter, die nach dem Dienst nicht in ihre Wohnung zur Familie können, sondern in Massenunterkünften hausen. Ein ideales Ausbreitungsgebiet für das Coronavirus. Und es ging auch um die Frage, inwieweit Politik und Verbraucher das Problem lösen können.

Zusammengefasst: Wie billig darf Fleisch sein, und welche Konsequenzen hat diese Form der Fleischproduktion.

Situation der Arbeiter ist katastrophal

Zu Gast war auch Merlind Theile, die „Zeit“-Journalistin hat sich ausgiebig mit der Situation der Arbeiter beschäftigt. Sie sagt über die Arbeiter: „Sie haben in ihrem Herkunftsland nicht die Perspektive. Sie sind daher oft gezwungen hier herzukommen und das Geld hier zu verdienen. Viele von ihnen haben auch Familie in ihren Herkunftsländern, das ganze ist also auch mit sehr hohen privaten Kosten verbunden. Mitunter sind die über Jahre hier und schuften in den kalten Hallen, damit wir das Billigfleisch im Supermarkt haben.“

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Die Gäste bei Markus Lanz am Mittwochabend:

  • Norbert Röttgen (CDU)
  • Cerstin Gammelin (Süddeutsche Zeitung)
  • Prof. Michael Meyer-Hermann (Systembiologe)
  • Merlind Theile (Die Zeit)
  • Tjark Goerges (Bürgermeister von Juist)

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Die Frage, die sich stellt, ist jedoch, bei wem die Verantwortung zu liegen hat. Muss sich der Verbraucher aktiv entscheiden, teureres und damit kostspieliger produziertes Fleisch zu kaufen, oder muss die Politik einschreiten? Für Norbert Röttgen ist die Sache klar: „Wenn ein Produkt für einen bestimmten Preis im Regal liegt, dann kaufe ich es zu dem Preis. Die entscheidende Verantwortung, auch für die Preisbildung am Ende, liegt bei den gesetzlich zu bestimmenden Rahmenbedingungen, die einfach von unserem Selbstverständnis rechtlich und ethisch zu ziehen sind.“

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Röttgen fordert: Politik muss jetzt eingreifen

Klar ist aber auch, die Bedingungen sind schon länger bekannt, warum ist bislang nichts passiert. Ein Punkt, den Norbert Röttgen durchaus ähnlich sieht. „Die Frage ist an uns alle gestellt, und sie ist peinlich, weil wir wahrscheinlich alle, manche besser als andere, wussten, wie geht es da zu? Und es passiert nichts.“

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Allerdings sei jetzt der Punkt gekommen, an dem Veränderungen her müssen, so der ehemalige Bundesumweltminister. „Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, dass es substanziell geändert wird. Das muss eine der Konsequenzen aus der Krise sein. Und dafür muss die Politik auch öffentlich verantwortlich gehalten werden.“

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Da kann man ja gespannt sein, wie es weitergeht. Schließlich würde Norbert Röttgen gerne CDU-Vorsitzender werden. Und damit wohl auch Kanzlerkandidat.