Maddie McCann: Vergleich mit Fall Rebecca Reusch – Profiler warnt: „Nicht noch ein Debakel“

Maddie McCann: Die Spur führt nach Deutschland

13 Jahre nach ihrem Verschwinden steht der Vermisstenfall vor dem Durchbruch!

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Es war ein Paukenschlag am Mittwochabend bei Aktenzeichen XY. Rudi Cerne verkündete, man habe neue Erkenntnisse zum Fall der vermissten Maddie McCann. Christian Hoppe, Ermittlungsleiter des BKA, sagte dann, man habe einen Tatverdacht und gehe davon aus, dass Maddie McCann tot sei.

Die Ermittler sprechen von einem 43-jährigen Deutschen, der von 1995 bis 2007 immer wieder in Portugal lebte. Inzwischen ist klar: Es handelt sich um Christian B., mehrfach vobestraft. Aktuell sitzt er wegen Drogendelikte und einer Vergewaltigung in Haft.

Maddie McCann: Das sagt ein Profiler über die Ermittlungen

Die Ermittler veröffentlichen Bilder von zwei Autos (Jaguar XJR 6 & VW-Bulli Typ T3 Westfalia) und Häusern, die der Verdächtige bewohnte. Name oder Bild des Verdächtigen im Fall Maddie McCann hielten sie aber geheim.

Der renommierte Profiler und Bestseller-Autor Axel Petermann sagt im Interview mit dieser Redaktion: „Die Ermittler scheinen keinen dringenden Tatverdacht zu haben. Sie haben einen Tatverdacht, der sich auf Indizien stützt.“ Was fehlt, sind konkrete Beweise. An diese erhoffen sie mithilfe der Öffentlichkeit zu kommen. Laut „The Sun“ soll eine Frau aus Großbritannien Christian B. in der Nähe des Appartments der McCanns gesichtet haben. „Ja, das ist der Mann den ich gesehen habe“, sagte sie laut dem Blatt den Ermittlern.

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Brachten zwei Einbrecher die Ermittler auf die Spur von Christian B.?

Obwohl bereits zwei Hinweise auf Christian B. nach einer Aktenzeichen XY-Sendung 2013 und 2017 eingegangen waren, reichten diese bislang nicht für Ermittlungen aus. Doch was ist der konkrete Anlass für die erneuten Ermittlungen? Der Profiler hat eine Vermutung: „Es könnte noch ein neuer Hinweis oder Tipp auf Christian B. sein.“

Eine Rolle könnten Petermann zufolge zwei Kleinkriminelle spielen, die beim Vergewaltigungsprozess in Braunschweig gegen Christian B. ausgesagt hatten, dass sie bei ihm 2006 in sein portugiesisches Haus eingebrochen waren, während dieser mal wieder in Haft saß. Dabei sollen sie auch eine Kamera mitgehen haben lassen, auf der eine Szene zu sehen war, wie eine 72-jährige US-Touristin vergewaltigt wurde. Die beiden Männer wollen Christian B. auf dem Video als Täter erkannt haben.

Petermann schließt nicht aus, dass in diesem Zusammenhang weiteres Material die Ermittler auf einen Zusammenhang mit dem Vermisstenfall Maddie McCann führte.

Profiler: „Sie wollen offensichtlich nicht noch einmal solch ein Debakel wie mit Rebecca Reusch erleben“

Doch warum schrecken die Ermittler bislang zurück, Name und Bild des Verdächtigen zu veröffentlichen?

„Sie haben sich sehr zurückhaltend geäußert zu seiner Person - das machen sie aus gutem Grund“, glaubt Petermann. „Der Fall Maddie hat in der ganzen Welt Schlagzeilen gemacht. Sie wollen nicht noch so ein Debakel wie mit Rebecca Reusch erleben.“ Nach dem Verschwinden der 15-Jährigen hatte die Polizei mit Bildern und Name nach Hinweisen zu Rebeccas Schwager sich an die Öffentlichkeit gewandt. Ohne Erfolg!

Einen ähnlichen „Fehler“ wollen die Ermittler offenbar diesmal vermeiden. Denn noch scheint die Beweislage dünn zu sein. „Wenn es beim aktuellen Wissensstand bliebe, wird es denke ich nicht für eine Anklage reichen. Denn die Ermittler haben nicht mal ein Haftbefehl wegen dringenden Tatverdachts gegen Christian B. erwirken können.“

Maddie McCann: Eltern verzweifelt – „Wollen endlich Frieden finden“

Petermann vermutet weitere Unsicherheiten bei den Ermittlern, was den Tatverdacht angeht, weshalb sie auf eine Hilfskonstruktion bei der Öffentlichkeitsfahndung zurückgreifen. „Man fragt nach den Autos und Wohnhäusern, mit der Bitte um Beobachtungen dazu. Das ist eine viel größere intellektuelle Herausforderung an potenzielle Zeugen, als zu sagen: Das ist der Verdächtige, so hat er vor 13 Jahren ausgesehen und wir wollen alles über ihn wissen.“

Indizien sprechen gegen Christian B.

Doch die Indizien sprechen gegen Christian B.. Er hielt sich zum Zeitpunkt des Verschwindens in Portugal auf, war sogar kurz vor Maddies Verschwinden mit seinem Handy in der Funkzelle nahe der Ferienanlage in Praia da Luz eingeloggt. Auch seine sexuellen Neigungen und Vorstrafen sprechen für ihn als Täter. „Aber es fehlen konkrete Beweise, mit denen man ihm auf den Kopf zu sagen kann: 'Passen Sie auf, Sie kannst erzählen, was Sie wollen. Das Beweismaterial, was wir haben, ist so überzeugend: Sie müssen das gewesen sein", bringt der Kriminalist das Problem der Ermittler auf den Punkt.

Ein solcher Beweis könnte beispielsweise ein DNA-Nachweis aus dem Appartement der McCanns sein. „Das wäre noch kein Täterbeweis, aber ein sehr starker Moment. Dann kann man sagen, er war zumindest in dem Zimmer. Welchen Grund sollte er außer der Tatbegehung dafür haben. Das nährt natürlich die anderen Verdachtmomente“, so Petermann.

Hoffnung auf DNA-Spuren

Eine wichtige Rolle spielen die beiden Fahrzeuge, die Christian B. genutzt haben soll. „Man sagt, mit einem der beiden Fahrzeuge könnte Maddie transportiert worden sein. Da könnten sich Spuren von ihr finden. Denn DNA vergeht nicht.“ Der Verbleib der Wagen ist bekannt. Ob dort Spuren gefunden wurden, verrieten die Ermittler bislang nicht.

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Der Fall Maddie McCann:

  • Madeleine Beth McCann, genannt Maddie (3), verschwand am 3. Mai 2007
  • Zuletzt sahen sie ihre Eltern sie in ihrer Ferienwohnung in Portugal
  • Als Maddie McCann verschwand, waren ihre Eltern mit Freunden essen
  • Einziger Hinweis: ein geöffnetes Fenster
  • Nach 14 Monaten stellte die portugiesische Polizei die Ermittlungen zu dem britischen Mädchen ein
  • Ihre Eltern, beide Ärzte, nutzen die Öffentlichkeit für die Suche nach Maddie
  • Bis heute gibt es kein Anzeichen, ob Maddie noch lebt
  • Am 12. Mai hätte Maddie McCann ihren 17. Geburtstag gefeiert

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Verdacht auf „antisoziale Persönlichkeit“

Bleibt die Frage, welches Täterprofil auf Christian B. zutreffen würde. Petermann sieht Hinweise auf eine „antisoziale Persönlichkeit“. „Ihm ist es egal, was er macht.“ Christian B. könne auch ein ausweichender Täter sein, der mit seinen Taten Frust kompensiert und das nächstbeste Opfer wählt. Auch Drogenkonsum und damit einhergehenden Kontrollverlust könnte eine Rolle spielen.

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Möglich ist, dass er durch den Missbrauch Macht und Dominanz über sein Opfer ausüben will. So ließe sich beispielsweise ein Zusammenhang zwischen dem 72-jährigen Vergewaltigungsopfer und der dreijährigen Maddie herstellen. „Es gibt Täter, denen wichtig ist, dass ein Opfer verfügbar und leicht unter Kontrolle zu bekommen ist. Dann ist es egal ob es ein ganz junges oder ein deutlich älteres Opfer ist.“

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Zusammenhänge mit weiteren Vermisstenfällen werden geprüft

Inzwischen prüfen Ermittler auch Zusammenhänge mit den Vermisstenfälle des kleinen René, der 1996 in Portugal verschwand, und der kleinen Inga, die vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt verschwand. Laut Medienberichten könnte Christian B. sich zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in der Nähe aufgehalten haben.

„Vom Alter her sind Maddie und Inga zu vergleichen, ihre Schicksale gleichen sich, von den Tatörtlichkeiten unterscheiden sie sich sehr deutlich“, sagt Petermann. „Das ein ist eine Ferienhochburg an der Algarve, am Wilhelmshof in Uchtspringe ist nichts los. Ich bin selbst dort gewesen, dort ist es sehr, sehr einsam. Man muss prüfen, welche Kontakte der Verdächtige nach dort hatte.“