„Hartz 4“-Empfängerin kämpft gegen Vorurteile: „Die wissen nicht, was ich täglich für einen Kampf habe“

„Hartz 4“-Empfängerin Kerstin will sich nicht als faul abstempeln lassen.
„Hartz 4“-Empfängerin Kerstin will sich nicht als faul abstempeln lassen.
Foto: Screenshot TVNOW

Die Kameras von „Hartz und herzlich“ sind am Dienstagabend in Frankfurt an der Oder unterwegs und begleiten „Hartz 4“-Empfänger durch ihren problemreichen Alltag.

Das Schicksal von Kerstin und ihr Ehemann Mike geht den Zuschauern besonders nah. Das Pärchen bezieht „Hartz 4“ und fühlt sich ungerecht behandelt. Denn im Gegensatz zum Stereotyp würden sie gerne wieder arbeiten, wenn da nur nicht Kerstins Krankheit wäre ...

Hartz 4“-Pärchen will Plattenbau so schnell wie möglich verlassen

Die RTL 2-Zuschauer lernen die beiden als liebevolles Pärchen kennen. Die Zwei sind seit sechs Jahren verheiratet und lieben es, gemeinsam zu kochen. Dabei verwenden sie Obst und Gemüse aus ihrem eigenen Schrebergarten und achten darauf, dass sie aus finanziellen Gründen nach dem Kochen ein Essen für mindestens zwei Tage haben.

Seit vier Jahren wohnt das Ehepaar nun in einem Plattenbau. Mike erklärt, dass die Gegend definitiv kein Platz zum Wohlfühlen ist: „Wir hatten schon mal Kinder hier, die haben mit Messern vor einem gestanden. Aber es waren eben Kinder, was wir persönlich traurig finden, deswegen wollen wir ja auch weg hier. Hier ist es auch ganz schlimm mit Drogen und Kriminalität.“ Immer wieder komme es zu Überfällen in der Wohngegend.

Ein erschreckendes Bild für Mike, der bis 2016 als Reinigungskraft tätig gewesen ist. Der 50-Jährige und seine erwerbsunfähige Frau müssen derzeit von 600 Euro im Monat leben.

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Das ist „Hartz 4“:

  • „Hartz 4“ bedeutet eigentlich Arbeitslosengeld II
  • Das Arbeitslosengeld wurde zum 1. Januar 2005 eingeführt
  • Es ist die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch
  • „Hartz 4“ soll Leistungsberechtigten ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht
  • Potenzielle Empfänger müssen 2020 einen Antrag beim Jobcenter stellen

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„Hartz 4“-Empfängerin: „Ich würde liebend gerne Arbeiten gehen“

Kerstin kämpft mit starker Arthrose und schweren Depressionen. Dass man ihr vorwerfe, sie sei faul und wolle nicht für den Mindestlohn arbeiten, trifft sie sehr. „Ich würde liebend gerne arbeiten gehen, aber durch die Schmerzen, durch die Depressionen darf ich ja nicht mehr“, erklärt Kerstin.

Zu gerne würde sie wieder in ihren früheren Beruf zurückkehren: „Ich war Altenpflegerin. Ich habe den Beruf mit Herz ausgeübt. Und das fehlt mir.“ Als Kerstin zum Pflegefall geworden ist, hat auch Mike seinen Job aufgeben müssen. „Mike darf ja nicht mehr arbeiten, weil er mich ja betreut“, so Kerstin. Nun steht er seiner Frau „in guten wie in schlechten Zeiten“ bei. Weil er seine Frau liebt und die Gewissheit haben will, dass es ihr gut geht, nimmt Mike diese Umstände auf sich.

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„Hartz 4“-Empfängerin bittet um Verständnis

Doch vor allem von ihren Mitmenschen fühlt sich Kerstin im Stich gelassen. Die „Hartz 4“-Empfängerin kämpft täglich gegen die typischen Vorurteile, die ihr aufgrund ihres Lebensstils entgegengebracht werden.

„Ich finde es halt traurig, dass die Menschen, die mich nicht kennen, vorverurteilen. Depressionen sieht man nicht. Die Arthrose sieht man auch nicht. Die wissen nicht, was ich täglich für einen Kampf habe mit den Schmerzen“, appelliert die ehemalige Altenpflegerin an das TV-Publikum.

Mike kennt seine Frau und hat vollstes Verständnis für ihre Beschwerden. Für die Pflege seiner Gattin erhält der 50-Jährige kein Geld vom Amt, dennoch werden ihm über die Jahre Rentenpunkte angerechnet.