Corona: RKI meldet 2467 neue Corona-Fälle – darum ist diese niedrige Zahl in Wirklichkeit heftig ++ Wieder mehr Tote

Ende der Maskenpflicht: Deutsche sind gespalten

Weil in einigen Bundesländern die Zahl der Corona-Infektionen sinkt, wird vielerorts eine Aufhebung der Maskenpflicht diskutiert, so zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Eine Lockerung könnte bereits nach den Sommerferien in Kraft treten. Eine Umfrage in Berlin.

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Der Corona-Herbst ist da: Plötzlich steigen die Corona-Fallzahlen in Deutschland enorm an. Besonders in den Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Essen und München spitzt sich die Lage zu. Das RKI meldete zum Ende der vergangenen Woche weit über 4000 neue Covid-19-Fälle täglich.

Alle Neuigkeiten gibt es hier im News-Ticker. Alle Coronavirus-Meldungen der vergangenen Tage findest Du hier.

Dienstag, 13. Oktober

22.30 Uhr: Britische Opposition fordert Lockdown

Der britische Oppositionsführer Keir Starmer hat angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen einen zwei- bis dreiwöchigen Lockdown in Großbritannien gefordert. Der Regierung von Premierminister Boris Johnson warf Starmer vor, die „Kontrolle verloren“ und die Ratschläge seiner wissenschaftlichen Berater ignoriert zu haben. Starmer forderte einen Lockdown, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Darin liege eine Chance, Fehler der Regierung zu berichtigen. „Wenn wir der Wissenschaft folgen und den Kreislauf unterbrechen, können wir dieses Virus unter Kontrolle bekommen“, so Starmer.

22.00 Uhr: USA mit 46.000 Neuinfektionen

In den USA verzeichnete die Seuchenbehörde CDC den zweiten Tag in Folge mit 46.614 Fällen weniger als 47.000 Neuinfektionen. Am Sonntag waren es noch rund 53.000. Die Gesamtzahl stieg damit auf knapp 7,79 Millionen. Die Zahl der Toten erhöhte sich auf 214.446.

19.00 Uhr: Höchste Warnstufe! Frankfurt fordert Bundeswehr an

Frankfurt steuert auf die höchste Corona-Warnstufe in Hessen zu. Nach Berechnungen des städtischen Gesundheitsamts liege die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der vergangenen sieben Tage bei 74,8, teilte die Stadt am Dienstagn mit. Nach Offenbach forderte auch Frankfurt die Unterstützung der Bundeswehr bei der Kontaktnachverfolgung an. 60 Soldaten sollen den Mitarbeitern des Gesundheitsamts helfen, Kontakte von Infizierten zu ermitteln und zu überprüfen. Die ersten von ihnen sollen noch diese Woche ihren Dienst antreten.

18.00 Uhr: Berlin mit so vielen Neuinfektionen wie noch nie

Nach Angaben der Senatsverwaltung vom Dienstag gab es in den letzten 24 Stunden die höchste je gemeldete Zahl von Corona-Neuinfektionen in der Hauptstadt: 706! Drei weitere Personen sind verstorben.

12.55 Uhr: Söder spricht von Lockdown und sendet dramatischen Appell

Mit drastischen Worten hat sich Bayerns Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz am Mittag zu Wort gemeldet. „Wir sind kurz davor die Kontrolle zu verlieren“, so Söder gleich zu Beginn.

„Das Coronavirus ist nicht schwächer als das Coronavirus im März und April. Es gibt wieder erste Todesfälle. Wir wollen keinen zweiten Lockdown, doch er rückt näher, wenn es jetzt keinen Ruck gibt,“ so der CSU-Chef. „Wir sollen uns Corona nicht schönreden, sondern jetzt überlegen, was das beste für ganz Deutschland ist.“ Die Situation in Bayern sei ernst. Söder hofft auf einheitliche Lösungen bei der Ministerpräsidenten-Konferenz am Mittwoch. „Corona macht an keiner Grenze Halt“, so Söder. Man wolle keinen Flickenteppich in der Bundesrepublik haben. Er bringt auch eine erweiterte Maskenpflicht in ganz Deutschland ins Spiel.

11.30 Uhr: EU-Corona-Ampel kommt

Nicht nur innerhalb Deutschlands, auch in der EU herrscht ein Flickenteppich an Corona-Risikogebieten. Das soll sich ändern, haben die Europaminister am Dienstag beschlossen. Auf Grundlage gemeinsamer Kriterien werden Regionen je nach Infektionsgeschehen entweder grün, orange oder rot markiert. Für grüne Gebiete mit niedrigen Infektionszahlen sollen künftig keine Einreiseverbote mehr verhängt werden.

11.15 Uhr: 12 neue Risikogebiete über Nacht

In 44 Städten und Kreisen steht die Corona-Ampel auf ROT! Im Vergleich zu Montag ist in zwölf weiteren Gebieten die 7-Tages-Inzidenz-Werte über die kritische Marke von 50 gestiegen. Darunter Düsseldorf, München und Duisburg. Immerhin: in Essen liegt der Wert jetzt wieder knapp unter 50.

Diese Städte und Kreise sind nun Risikogebiete:

  • Berlin Neukölln mit einem Wert von 138,8
  • Berlin Mitte mit einem Wert von 103,2
  • Cloppenburg mit einem Wert von 101,9
  • Herne mit einem Wert von 99,1
  • Eifelkreis Bitburg-Prüm mit einem Wert von 88,8
  • Berlin Tempfelhof-Schöneberg mit einem Wert von 88,6
  • Bremen mit einem Wert von 82,8
  • Esslingen mit einem Wert von 76,6
  • Regen mit einem Wert von 76,2
  • Rosenheim mit einem Wert von 72,4
  • Stuttgart mit einem Wert von 70,0
  • Hagen mit einem Wert von 70,0
  • Berlin Reinickendorf mit einem Wert von 69,4
  • Offenbach mit einem Wert von 69,1
  • Wuppertal mit einem Wert von 69,0
  • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Wert von 68,9
  • Fürstenfeldbruck mit einem Wert von 66,1
  • Köln mit einem Wert von 66,0
  • Berchtesgadener Land mit einem Wert von 65,1
  • Delmenhorst mit einem Wert von 64,5
  • Wesermarsch mit einem Wert von 64,3
  • Leverkusen mit einem Wert von 62,3
  • St. Wendel mit einem Wert von 62,1
  • Frankfurt am Main mit einem Wert von 62,1
  • Solingen mit einem Wert von 61,5
  • Unna mit einem Wert von 61,5
  • Kaiserslautern mit einem Wert von 61,3
  • Grafschaft Bentheim mit einem Wert von 61,2
  • Mainz mit einem Wert von 60,8
  • Recklinghausen mit einem Wert von 59,4
  • Gelsenkirchen mit einem Wert von 58,9
  • Hamm mit einem Wert von 58,4
  • Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf mit einem Wert von 57,9
  • Mainz mit einem Wert von 56,7
  • Memmingen mit einem Wert von 56,7
  • Main-Taunus-Kreis mit einem Wert von 56,6
  • Groß-Gerau mit einem Wert von 55,1
  • Düsseldorf mit einem Wert von 55,0
  • Duisburg mit einem Wert von 54,5
  • München mit einem Wert von 53,7
  • Berlin Steglitz-Zehlendorf mit einem Wert von 52,9
  • Vechta mit einem Wert von 52,5
  • Berlin Spandau mit einem Wert von 52,2
  • Emsland mit einem Wert von 52,0

09.30 Uhr: Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes schlägt Alarm

„Bei uns brennt die Hütte", sagt eine verzweifelte Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes anonym im Interview mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

"Was wir an Masse hier liegen haben, können wir mit der aktuellen Personaldecke nicht bewältigen. Wir schieben Überstunden wie verrückt, arbeiten am Wochenende durch und tun unser Bestes, aber es ist einfach unmöglich. Wir schaffen es nicht.“ Gesundheitsämter stehen plötzlich im Mittelpunkt der Pandemie.

Die junge Frau berichtet, dass sie sich beim Gesundheitsamt beworben hatte, zunächst zwei Monate auf eine Antwort wartete. Dann sei alles ganz schnell gegangen. „Können Sie morgen vorbeikommen?“, fragte die Dame am Telefon. Ohne Bewerbungsgespräch, dafür mit einer eintägigen Einarbeitung durch eine studentische Hilfskraft, ging es los. Seither telefoniert sie Kontaktpersonen ab, ordnet Quarantäne an, fragt Testergebnisse ab.

06.45 Uhr: Neue Studie! Virus kann wochenlang auf Smartphone überleben

Auf glatten Oberflächen wie Handydisplays oder Bankautomaten kann das Coronvirus bis zu 28 Tagen überleben. Das schreibt die australische Wissenschaftsbehörde Csiro im Fachblatt "Virology Journal". Ihr Experiment fand im dunklen statt, bei direktem Sonnenlicht können Viren dagegen schneller abgetötet werden. Bei früheren Studien hatte das Coronavirus nur bis zu drei Tagen auf Kunststoff- und Edelstahloberflächen überlebt.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt an, ihm seien keine Corona-Infektionen über Oberflächen wie zum Beispiels Kartenterminals und Smartphones bekannt.

Montag, 12. Oktober

15.20 Uhr: München verhängt Alkoholverbot

Auch München hat inzwischen den Sieben-Tages-Inzidenzwert von 50 überschritten. Die Stadt hat reagiert und ab Mittwoch verschärfte Bestimmungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wieder in Kraft gesetzt. Neben der Maskenpflicht in großen Teilen in der Innenstadt gibt es nun auch ein flächendeckendes Verbot in der Gastronomie nach 22 Uhr Alkohol auzuschenken.

14.00 Uhr: Trump spricht von Immunität

Auf Twitter hat US-Präsident nach seiner Corona-Erkrankung mal wieder für Aufregung gesorgt. „Das bedeutet, dass ich es nicht mehr bekommen (immun) und auch nicht geben kann. Sehr schön zu wissen!“, schrieb Trump mit Blick auf seine überstandene Corona-Erkrankung.

Twitter hat reagiert. Und den Post mit einem Hinweis auf Fake-News versehen. Mit welchem Hinweis das ganze versehen wurde, liest du hier.

11.30 Uhr: Das sind die 33 Risikogebiete in Deutschland

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen. Insgesamt 33 Regionen haben am Montag den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen überschritten. Fast dreimal so viele wie noch vor einer Woche.

Das sind die Corona-Hotsopts:

  • Berlin Neukölln mit einem Wert von 142,3
  • Berlin Mitte mit einem Wert von 106,1
  • Herne mit einem Wert von 86,3
  • Berlin Tempfelhof-Schöneberg mit einem Wert von 85,4
  • Cloppenburg mit einem Wert von 81,4
  • Offenbach mit einem Wert von 80,6
  • Bremen mit einem Wert von 79,5
  • Esslingen mit einem Wert von 74,4
  • Hagen mit einem Wert von 72,6
  • Regen mit einem Wert von 72,3
  • Berlin Reinickendorf mit einem Wert von 69,3
  • Solingen mit einem Wert von 69,1
  • Rosenheim mit einem Wert von 67,7
  • Eifelkreis Bitburg-Prüm mit einem Wert von 67,6
  • Köln mit einem Wert von 66,3
  • Delmenhorst mit einem Wert von 64,5
  • Frankfurt am Main mit einem Wert von 63,7
  • Recklinghausen mit einem Wert von 62,7
  • St. Wendel mit einem Wert von 63,2
  • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Wert von 62
  • Essen mit einem Wert von 61,8
  • Kaiserslautern mit einem Wert von 61,3
  • Wuppertal mit einem Wert von 60,5
  • Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf mit einem Wert von 59,5
  • Memmingen mit einem Wert von 59
  • Fürstenfeldbruck mit einem Wert von 58,8
  • Unna mit einem Wert von 58,2
  • Mainz mit einem Wert von 56,7
  • Stuttgart mit einem Wert von 55,8
  • Hamm mit einem Wert von 55
  • Groß-Gerau mit einem Wert von 51,1
  • München mit einem Wert von 50,6
  • Duisburg mit einem Wert von 50,1

11.00 Uhr: Fußball-Team nahezu komplett in Quarantäne - droht Liga-Pause?

Dem italienischen Fußball droht eine erneute Corona-Unterbrechung. Besonders hart ist der FC Genua getroffen. Bei der neusten Testreihe wurden 14 von 17 Spielern positiv auf das Virus getestet! Auch in der Bundesliga wird das Thema Geisterspiele wieder aktueller denn je. Hier alle Hintergründe.

09.30 Uhr: Corona-Eklat! Frau niest Mann absichtlich an Kasse an

Weil ein Mann (60) in einem Geschäft in Oberteuringen am Bodensee offenbar nicht genug Abstand zu ihr hielt, hat eine unbekannte Frau aus nächster Nähe ihm ins Gesicht geniest. Die laut Polizei etwa 30 Jahre alte Frau habe ihre Maske abgenommen, den nur wenige Zentimeter hinter ihm stehenden Mann angeniest und anschließend ihre Maske wieder aufgesetzt.

Eine ebenfalls anwesende Frau hatte die Polizei auf den Vorfall aufmerksam gemacht. Die Beamten suchen jetzt anhand von Videoaufzeichnungen aus dem Laden nach der unbekannten Frau. Sollte sich herausstellen, dass die Frau etwa mit dem Coronavirus infiziert war, müsse sie mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen, so der Sprecher der Polizei. Einen entsprechenden Test könne bei Weigerung der Frau auch ein Staatsanwalt anordnen. Die Ermittler sind recht zuversichtlich, die Frau ausfindig zu machen. Die Zeugin im Geschäft habe sich das Kennzeichen eines Autos notiert, in das die Frau nach Verlassen des Lebensmittelgeschäfts gestiegen sei.

6.50 Uhr: Trauriger Trend bei Corona-Todeszahlen in Deutschland

Auf den ersten Blick wirken die 2467 neuen Corona-Fälle, die das Robert Koch-Institut am Montagmorgen meldet, als Rückgang im Vergleich zu den Fallzahlen von über 4000 Neuinfektionen täglich zuletzt.

Doch diese Zahl lässt nicht aufatmen. Im Gegenteil! Es ist im Vergleich zum vorigen Sonntag ein Anstieg um 79 Prozent und der höchste Sonntagswert seit Ostersonntag (12. April). Da nicht alle Gesundheitsämter an den Wochenenden Zahlen melden, sind vor allem die Sonntagszahlen immer weitaus niedriger als werktags.

Insgesamt starben in der vergangenen Kalenderwoche 87 Covid-19-Patienten. Zum Vergleich: Im September lagen die wöchentlichen Todeszahlen noch bei 25-27 Personen. Auch im Juli lagen die wöchentlichen Zahlen weitaus niedriger (zwischen 22-30 Tote). Somit gibt es nun etwa eine Verdreifachung. Auch bei den Corona-Todeszahlen geht der Trend somit leider wieder nach oben.

Sonntag, 11.10.2020

18.30 Uhr: Hunderte feiern fette Party in München

Manchmal kann man einfach nur noch mit dem Kopf schütteln: In München wurden die Beamten am Morgen zu einer großen Party gerufen. Zeugen zufolge sollen bis zu 200 Personen einen Rave in München gefeiert haben. Unzählige Flaschen und Spraydosen zierten den Boden.

In den Morgenstunden beim Eintreffen der Polizei wurde bei rund 20 Personen die Identität festgestellt. Bislang ist unklar, wer die Party organisiert hatte.

18.00 Uhr: Niederlande gehen radikalen Coronavirus-Schritt

Die Niederländer geben auf. Zumindest was die Nachverfolgung von Kontaktdaten angeht. Die Gesundheitsbehörden gaben an, man komme bei den steigenden Zahlen nicht mehr hinterher. Positiv getestete Personen sollten selbstständig ihre Kontaktpersonen informieren. Das berichtet "RTL nieuws".

8.05 Uhr: Markus Söder spricht Corona-Klartext

Das Coronavirus hält Deutschland auf Trab. Steigende Infektionszahlen, viele neue Maßnahmen. Doch die sind Bayerns Ministerpräsident Markus Söder noch nicht genug. In der „Bild am Sonntag“ spricht er Klartext und fordert: „Frühere Sperrstunden und keine größeren Partys und Feiern für eine gewisse Zeit. Und bei Verstößen gegen die Maskenpflicht bei ansteigenden Infektionszahlen bundesweit einheitliche Bußgelder von 250 Euro“, erklärt Söder. Und weiter: „Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden.“

Samstag, 10.10.2020

17.25 Uhr: Drosten mit deutlicher Coronavirus-Vorhersage

Die Corona-Regeln in Deutschland gleichen aktuell einem Flickenteppich. In den Hot-Spots gibt es starke Einschränkungen, während an Orten mit niederigem Inzidenzwert vergleichweise lockere Maßnahmen gelten. Top-Virologe und Chef der Berliner Charité sagte gegenüber dem Redaktions Netzwerk Deutschland, man befinde sich derzeit in einer „Übergangsphase“.

Konkret heißt das: „Das Virus wird sich immer gleichmäßiger verteilen. Wir werden mehr und mehr in eine Situation kommen, wo man besser pauschal reguliert“, so Drosten gegenüber dem Redaktions Netzwerk Deutschland. Aktuell sei die lokale Nachjustierung jedoch noch sinnvoll.

11:07 Uhr: Virologe Streeck mahnt in Corona-Krise

Der Bonner Top-Virologe Hendrik Streeck hat einen Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ verfasst, in dem er über frühere Formen des Coronavirus, den kommenden Winter und einen möglichen Anstieg der Todeszahlen schreibt. Er mahnt zu „faktenbasierter Ruhe“ und spricht sich gegen eine Panik aus.

„Es gibt vier Coronaviren, die bei uns endemisch sind und die im Herbst und in den Wintermonaten zehn bis 30 Prozent der grippalen Infekte bei uns ausmachen. Diese quasi „üblichen“ Coronaviren, zu denen mittlerweile auch das OC43-Virus gehört, sind längst nicht mehr so gefährlich, wie sie früher einmal waren“, schreibt Streeck. „Vor rund 120 Jahren kam das neue Coronavirus OC43 über die Menschheit und löste vermutlich eine Pandemie aus.“

Gerade in den kälteren Monaten könnte die Zahl der Infizierten wieder steigen, mahnt Streeck. Die Gründe: „Wir halten uns jetzt mehr in warmen Innenräumen auf. Die Luftzirkulation dort ist schlechter, die Schleimhäute sind anfälliger, die Temperatur für respiratorische Erkrankungen optimaler und und und...“ Und auch die Todeszahlen könnten noch mal nach oben gehen.

„Es ist unstrittig: Wenn die Infektionszahlen steigen, hat das auch Konsequenzen für die stationäre und intensivmedizinische Belegung der Krankenhäuser. Auch werden wir einen Anstieg in den Todeszahlen sehen. Dies können wir aber nicht verhindern, sondern nur minimieren und kontrollieren“, klärt der Virologe auf.

7.28 Uhr: Acht-Punkte-Plan zur Eindämmung von Corona

Am Freitag traf sich Angela Merkel mit den elf Bürgermeistern der größten deutschen Städte. Gemeinsam wurden Maßnahmen entwickelt, das Coronavirus einzudämmen. Es gehe darum, einen zweiten Lockdown zu verhindern, sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) am Freitag in Leipzig nach der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass Kinder nicht mehr die Kitas und die Schulen besuchen können. Wir wollen alles dafür tun, dass wirtschaftliche Entwicklungen nicht gebremst werden.“

Dabei helfen soll ein Acht-Punkte-Plan. Auf Bitten der jeweiligen Stadt sollen Bundeswehr und Robert Koch-Institut künftig Experten in Corona-Hotspots schicken, wenn in sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner registriert wurden. Spätestens wenn der Wert auf 50 Infektionen steigt, sollen die Städte umfangreichere Beschränkungen einführen. Dazu gehört etwa die Erweiterungen der Mundschutz-Pflicht auf den öffentlichen Raum, wenn dort der nötige Abstand nicht eingehalten werden kann.

Genannt werden auch Sperrstunden und Alkoholbeschränkungen für Gastronomiebetriebe sowie weitergehende Beschränkungen der Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen und private Feiern.

Die Metropolen sollen laut Plan ihre Ordnungsämter so entlasten, dass sie die Beschränkungen kontrollieren können. Bund und Länder sollen kurzfristig darüber beraten, wie auch Bundespolizei und Länderpolizeien helfen können. Kommt der Anstieg der Infektionszahlen nicht spätestens nach zehn Tagen zum Stillstand, seien weitere Beschränkungsschritte unvermeidlich.

Die Stadt Leipzig stehe derzeit bei den Neuinfektionen gut da, betonte Jung. „Wie haben zwölf Infektionen pro 100 000 Einwohner. Das ist eine völlig entspannte Situation.“ Man handele nach einem festgelegten Verfahren, „aber unterschiedlich ausgeprägt, je nach regionaler Betroffenheit“, erläuterte Jung (SPD).

Freitag, 9.10.2020

14 Uhr: Angela Merkel mit ernster Corona-Ansprache – „Die Tage und Wochen, die entscheiden, wie Deutschland im Winter dasteht“

Offenbar gab es viel Gesprächsbedarf zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Oberbürgermeistern der elf größten Städte in Deutschland. Eigentlich wollte sie um 14 Uhr vor die Presse treten, doch dann wurde es rund eine Stunde später.

Der wichtigste Beschluss: Experten des Robert Koch-Instituts und der Bundeswehr werden in die Corona-Hotspots geschickt. In Uni-Städten solle zudem Medizinstudenten zur Eindämmung der Pandemie eingesetzt werden.

Entscheidend sei, dass die Kontaktnachverfolgungen weiter sicher gestellt werden. Merkel hob Maßnahmen in München hervor, wie das Tragen von Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum. Dort habe man Erfolge gesehen.

Merkel wolle sich mit den Oberbürgermeistern in zwei Wochen wieder zusammenschalten. Erst in 14 Tagen, weil man eine gewisse Zeit braucht, um zu beobachten, inwiefern Maßnahmen erfolgreich greifen.

Merkel mahnte: „Jetzt sind die Tage und Wochen, die entscheiden, wie Deutschland im Winter in dieser Pandemie dasteht.“ Sie appellierte, nun geduldig zu sein. Die Menschen sollten sich fragen, was das Wichtigste sei, nämlich eine starke Wirtschaft und die Gesundheit der Familie. „Alles wird zurückkommen“, doch nun brauche es Achtsamkeit.

13.50 Uhr: Merkel-Berater sieht Beginn der zweiten Corona-Welle in Deutschland

Lange wurde sie erwartet und vor ihr gewarnt, nun könnte sie da sein: die zweite Coronavirus-Welle in Deutschland. Kanzleramtschef Braun sagte im Frühstart von RTL/ntv, man sehe in einigen Großstädten nicht nur, dass der wichtige 50er-Grenzwert überschritten werde, sondern auch, dass die Zahlen sehr schnell anstiegen. „Das heißt, dass die Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern möglicherweise an einigen Stellen nicht mehr funktioniert, und das ist der klassische Beginn einer zweiten Welle.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin, einige Städte wie Berlin „stehen kurz davor, die Kontrolle zu verlieren“.

Berlins Regierender Oberbürgermeister Michael Müller sieht vor allem die 20- bis 40-Jährigen jetzt in der Verwantwortung. Sie sollten erkennen, dass es „nicht die Zeit des Feierns ist und die Zeit des unbedachten Zusammenkommens“. Auf diese Generation komme es nun an.

10:20 Uhr: Corona-Pressekonferenz in Berlin - Virologe Drosten attackiert „viele Irrlichter“

Bei einer Pressekonferenz in Berlin zu den steigenden Corona-Zahlen in deutschen Großstädten gab es Klartext von Virologe Christian Drosten. Er könne nicht verstehen, wieso über den ganzen Sommer hinweg öffentlich diskutiert wurde, ob die Erkrankung wirklich noch so gefährlich sei. Da seien „viele Irrlichter unterwegs momentan in der Öffentlichkeit“.

Der Direktor der Virologie der Charité in Berlin forderte die Medien dazu auf, die Quellen derjenigen zu hinterfragen, die so etwas behaupten. Es brauche eine „Qualitätskontrolle“ bei Wissenschaftlern, auf welcher Basis argumentiert werde, ob emotional oder auf Basis wissenschaftlicher Fakten. Das sollte mehr hinterfragt werden.

Drosten sagte, dass es mittlerweile sehr klare Zahlen zur Infektionssterblichkeit gibt. Wenn man alle Infizierten betrachte, und nicht nur die registrierten Fälle, können man in Deutschland von einer Sterblichkeit „im Bereich von einem Prozent oder sogar etwas mehr“ ausgehen. Das wäre eine etwa 20-mal höhere Sterblichkeit als bei der Grippe.

Entscheidend bei Covid-19 sei das Alter, was auch eine Erklärung sei, wieso es in den jungen Gesellschaften in Afrika relativ wenige Todesfälle gibt.

Der Virologe appellierte an die Bevölkerung, im Alltag die „richtigen Entscheidungen“ zu treffen. „Das ist das, was uns retten wird vor einer schwierigen Situation“. Dafür brauche es eine gute Informiertheit.

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Corona in Deutschland: Aktuelle Zahlen des RKI

  • Am Freitag meldete das RKI 4516 neue registrierte Corona-Infektionen in Deutschland.
  • Am Vortag waren es 4048 Infektionen.
  • Seit zwei Tagen gibt es somit einen sprunghaften Anstieg der Infektionen mit jeweils über 4000 Fällen.
  • Derzeit werden 487 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 239 davon beatmet.
  • Die Reproduktionszahl (R-Wert) lag am Donnerstag bei 1,17. Der 7-Tage-R-Wert sogar bei 1,22.

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Auch Berlins Oberbürgermeister Michael Müller sieht die Situation mit Sorge: „Wir müssen schnell sein, um die Situation noch beherrschen zu können.“ Man habe es selbst in der Hand, wie die Virus-Lage sich weiterentwickeln werde.

Professor Dr. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité Berin, erklärte, dass es in der Hauptstadt ähnlich wie in Köln und Frankfurt seit etwa zwei Wochen eine neue Phase zu beobachten sei. Dies bestätigte auch der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt, Jürgen Graf. Es sei „kein Berliner Problem“. Im Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt und Offenbach habe sich die Situation sehr kritisch entwickelt.

Die Aufnahmezahlen und die Anzahl der beatmeten Patienten steigen wieder. Professor Ulrich Frei, Vorstand der Krankenversorgung der Charité, warnte hier vor einem möglichen Problem. Momentan würde es zwar ausreichend viele freie Intensivbetten geben, aber es herrsche ein „absoluter Mangel an Intensivpflegekräften schon seit geraumer Zeit“. Auch Graf nannte die Verfügbarkeit von betriebsfähigen Intensivbetten, also jenen mit Pflegekräften, als Herausforderung.