Armin Laschet mit absurder Aussage über Weihnachten während Corona – aber er hat etwas vergessen

Armin Laschet: Etwas weniger Alarmismus würde auch ausreichen
Armin Laschet: Etwas weniger Alarmismus würde auch ausreichen
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Armin Laschet hat für Empörung gesorgt. Am Wochenende äußerte sich der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in der „Welt“ zu Weihnachten 2020 unter Corona-Bedingungen.

Und sagte doch tatsächlich: „Es wird wohl das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben.“

Nicht nur auf Twitter erntete der CDU-Politiker für den Spruch zurecht viel Unverständnis. „Das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben“ – echt jetzt?

Armin Laschet hat wohl etwas vergessen.

Armin Laschet kommt mit übertriebenem Horrorszenario

Kaum zu glauben, dass Weihnachten 2020 härter wird für Familien, die Anfang der 1950er-Jahre ohne Vater oder Ehemann vor dem Weihnachtsbaum saßen, weil der noch in Kriegsgefangenschaft war. Wenn er überhaupt noch lebte.

Oder für Menschen, die nach der Teilung des Landes plötzlich Weihnachten ohne Familie und Freunde feiern mussten. Nicht wegen einer vorübergehenden Pandemie, sondern wegen einer Mauer, deren Fall damals nicht absehbar war.

Und alle Jahre wieder gibt es genügend Eltern, die ihren Kindern gerne Wünsche erfüllen würden, aber das Geld reicht einfach nicht aus dafür. Ob die Weihnachten 2020 in besonders schlechter Erinnerung behalten werden?

Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Man fragt sich, an wen Laschet eigentlich dachte.

Seine Äußerung pendelt zwischen unnötigem Alarmismus und übertriebenem Selbstmitleid. Und nebenbei: Sie passt auch so gar nicht zum Laschet früherer Corona-Tage, für den die Regeln gar nicht harmlos genug sein konnten. Er muss sich mal entscheiden.

Trotz Corona: Viel zu viel gutes Essen und zur Bescherung ein Call mit Verwandten

„Das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben“, weil jetzt ausnahmsweise mal im etwas kleineren Kreis gefeiert wird, mit fünf statt 15 Familienmitgliedern etwa? Und weil ein paar mehr Geschenke nicht persönlich übergeben, sondern per Post geliefert werden?

In vielen Haushalten wird es Weihnachtsplätzchen, viel zu viel gutes Essen und zur Bescherung einen Call mit Verwandten geben.

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Laschet sagt selbst: „Es ist eine Illusion zu glauben, man könne 80 Millionen Menschen verbieten, Weihnachten die Familie zu treffen.“

Das hat auch niemand vor. Die Politik legt ja alles daran, ein Weihnachten zu ermöglichen, das so nah wie möglich an dem liegt, was die Deutschen kennen.

Selbst Markus Söder dramatisiert nicht so wie Laschet

Längst gibt es außergewöhnliche Ideen für die außergewöhnlichen Umstände: Alternative Gottesdienste im Autokino, im Fußballstadion oder online zum Beispiel.

Selbst der sonst so mahnende bayrische Ministerpräsident Markus Söder von der CSU sagte: „Weihnachten wird nicht so sein, wie man es kennt, schon weil Weihnachtsmärkte ausfallen.“ Aber die Leute sollten auf jeden Fall Weihnachten feiern. Er mache sich viel mehr Sorgen, was danach passiere, zum Beispiel an Silvester.

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Klar, Laschet will die Menschen durch seine knallharte Aussage sensibilisieren. Und es bleibt ja auch zu hoffen, dass viele sich dieses Jahr an den Dezember-Feiertagen etwas einschränken.

Es besteht aber auch kein Zweifel, dass die meisten Deutschen das tun werden. Die Mehrheit zeigt schon lange großes Verständnis und Rücksichtnahme angesichts der Pandemie im Land. Auch deswegen werden diese Menschen es als nicht so schlimm empfinden, sich auch an Weihnachten ein bisschen zurückzunehmen.

Ein bisschen mehr christliche Werte zum Corona-Weihnachten zeigen

Ja, manche werden Weihnachten angesichts der Umstände alleine verbringen. Für sie wird es im wahrsten Sinne des Wortes eine stille Nacht, vielleicht eine traurige. Psychologen warnen vor Einsamkeit.

Hier wäre ein Appell an die Solidarität aller sinnvoller gewesen als das düstere Weltkriegsbeispiel von Laschet: Achtet auf eure Freunde, eure Nachbarn, Menschen, die nun alleine sind.

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Weihnachten 2020 wird ein besonders Fest, ganz bestimmt. Sicher auch eins, das den Menschen etwas mehr Menschlichkeit und Rücksicht abverlangt als vorherige – christliche Werte, wie passend. Aber, lieber Herr Laschet: ganz sicher nicht das schlimmste seit 1945.