Corona-Experte Drosten untersucht anderes Virus – nächste Pandemie wegen Mers?

Coronavirus: Diese Symptome sprechen für COVID-19

Zahlreiche Menschen auf der Welt haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind Frauen und Männer von einer SARS-CoV-2-Infektion etwa gleich häufig betroffen. Männer erkranken jedoch häufiger schwer als Frauen. Es gibt einige Symptome, die auf eine mögliche Infektion hinweisen können.

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Entspannt sich die Corona-Lage endlich? Bekommen wir das Virus in den Griff? Es gibt zumindest Mutmacher. Bundesgesundheitsminister Spahn etwa sieht Anlass zu Optimismus: Noch in diesem Jahr könne eine europäische Zulassung für einen Corona-Impfstoff erfolgen.

Und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach von der SPD sagt auf die Frage, wann das Drama Corona weitgehend vorbei sei: „Im nächsten Sommer.“ Hoffen wir das Beste.

Aber was machen die ganzen Virus-Experten, die in den vergangenen Monaten so oft Gehör fanden, wenn die Corona-Krise irgendwann vorüber ist? Christian Drosten, der bekannte Chefvirologe der Berliner Charité, nimmt sich dann das nächste Virus vor.

Coronavirus: Folgt auf Sars bald Mers?

Er plane seine Rückkehr ins Labor, wenn die aktuelle Corona-Pandemie unter Kontrolle ist, sagte er dem Magazin „Capital“. „Wenn der Rummel jetzt vorbei ist, dann werde ich mit einer kleinen Arbeitsgruppe ein neues Thema aufbauen“, kündigt Drosten in der aktuellen Ausgabe an.

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Ins Zentrum seiner Forschung will der Wissenschaftler dann nicht mehr das aktuelle Coronavirus (Sars-Cov2) stellen, sondern die Mers-Viren. Mers sei der nächste Pandemie-Kandidat, sagt Drosten.

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Das ist Christian Drosten:

  • Sein voller Name lautet: Christian Heinrich Maria Drosten
  • Er wurde am 12. Juni 1972 in Lingen im Emsland geboren
  • Seit 2017 ist er Direktor der Charité in Berlin
  • Einer seiner Forschungsschwerpunkte sind neuauftretende Viren
  • Der breiten Öffentlichkeit wurde er mit seinen Auftritten im Zuge der Covid-19-Pandemie bekannt

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Sars-Cov2 bekomme dagegen in der Forschung genügend Aufmerksamkeit: „Alles, was da zu machen ist, macht schon jemand.“

Mit Mers wird das Middle East Respiratory Syndrome beschrieben, das auch zur Gruppe der Coronaviren gehört. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) bezeichnet Mers-CoV eine Infektion der oberen Atemwege, die erstmals im April 2012 auf der Arabischen Halbinsel nachgewiesen wurde. Seitdem verbreitet sich das Virus überwiegend in Saudi-Arabien. Es kann tödlich sein.

WHO stuft Mers als ernste Krankheit ein

„Eine Ausbreitung als Epidemie oder Pandemie halte ich für äußerst unwahrscheinlich“, sagte Drosten selbst noch 2015 im „Focus“ über Mers. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft es jedoch als Krankheit ein, deren Erforschung und Entwicklung von Medikamenten höchste Priorität eingeräumt werden sollte.

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Bei gesunden Menschen verläuft die Mers-Erkrankung in der Regel asymptomatisch oder mit milden grippeähnlichen Symptomen, erklärt die WHO. Die Beschwerden ähneln mit Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und zum Teil Durchfall denen einer Sars-CoV-2-Infektion. Bei schweren Mers-Verläufen kann sich ebenfalls eine Lungenentzündung entwickeln.

Schwere Verläufe treten überwiegend bei Menschen mit chronischen Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen und chronischen Nieren- oder Lungenerkrankungen auf. Die mit etwa 35 Prozent hohe Sterblichkeitsrate erklärt die WHO damit, dass milde oder asymptomatische Mers-Fälle gar nicht registriert werden.

Einen Impfstoff gegen Mers-CoV gibt es noch nicht, es sind aber mehrere in der Entwicklung.

Drosten will nach Corona gelassen bleiben

Im Moment ist Virologe Drosten noch stark mit Öffentlichkeitsarbeit und Politikberatung beschäftigt und kann sich daher nicht immer seiner Forschungsarbeit widmen.

In Gesprächen mit Politikern und Öffentlichkeit versuche er Alarmismus immer zu vermeiden, sagte Drosten zu „Capital“. Würde er zum „Professor, der auf den Busch haut“, gehe sein Einfluss schnell verloren.

Weise Worte. Und wenn die aktuelle Pandemie eins gezeigt hat, dann doch auch, dass – trotz aller nötigen Ernsthaftigkeit – etwas weniger Drama hier und da nicht schaden kann. (jds)